CyberSAX - Die Online-Ausgabe der SAX

Noch ein Gläschen, Herr Tarrantino?

World of Wodka in Radebeul

Manchmal muss man Dinge erst wirklich erleben, um sie zu glauben. Denn manchmal verbergen sich hinter fast unscheinbaren Namen unerwartete Parallelwelten. Eine solche bietet sich dem Gast, wenn er das »WOW« in Radebeul betritt. Eingefleischte Computer-Zocker mögen die Bar nun vielleicht für ein Stammlokal der »World of Warcraft«-Spielergemeinde halten, jedoch verbirgt sich hinter den drei Buchstaben die »World of Wodka«. Wie wir seit diversen Science-Fiction-Filmen wissen, muss ein bestimmtes Universum nicht immer riesig sein. Und so tritt der ahnungslose Gast durch die Eingangspforte und steht fast schon mitten in der Welt des »Wässerchens«. Ein kurzer Rundblick genügt, um festzustellen, dass die weiße Sitzecke gleich neben der Bar den optischen Mittelpunkt der Welt darstellt und schnellstmöglich okkupiert werden sollte. Wer zu spät kommt, dem bleibt nur das Sofa im Eingangsbereich.

Fast möchte man meinen, plötzlich Dasrteller in einem Tarrantino-Film zu sein, so skurril mutet der erste Eindruck der Bar an. Ein Zimmerspringbrunnen sprudelt fröhlich beleuchtet vor sich hin. Die Wände sind mit Bambusrollen verkleidet, auf denen Plastikpflanzen in leuchtendem Grün gesteckt wurden. Ein riesiger Flachbildschirm spielt Aquarium. Bald scheint es, als wurde Muttis Wohnzimmer für eine hoffentlich wilde Party arrangiert.

Ein jugendlich-lässiger Kellner begrüßt die Damen mit »Na Hallöchen«, den Herren wird ein joviales »Moinsen« mit der passenden Körpercoolness entgegengeworfen. Hinter der Bar kichert eine derzeit (noch) unsichtbare Barfrau. Der Abend verspricht, spannend zu werden.

Platz genommen auf der mit zahlreichen Kissen bestückten Sofalandschaft gleitet das Auge über eine schier unzählbare Anzahl an Flaschen, gefüllt mit Wodkas aus fernen Landen. Die Getränkekarte tut ein Übriges, um zu beweisen: Hier liegt des Epizentrum der Wodka-Welt. Seitenweise sind Wodkas aufgelistet – offenbar wirklich über 1.500 Sorten wie die Website des »WOW« verspricht. Selbst die Mongolei ist in der bunten Vielfalt der Herstellungsländer vertreten. Nicht nur glas-, auch flaschenweise darf das gehaltvolle Wässerchen konsumiert werden – immer vorausgesetzt, es mangelt nicht am nötigen Kleingeld (teuerste Flaschen über 1.000 Euro). Neben dieser Riesenauswahl ist auch das Whiskyangebot sehenswert. Kein Wunder also, dass bei diesen Grundspirituosen die Cocktailkarte um so üppiger ausfällt (ab 5 Euro). Der Übersichtlichkeit wegen sind die Drinks alphabetisch geordnet. Sich einmal von A bis Z durchzutrinken dürfte jedoch ziemlich schwer fallen.

Unbekannte, jedoch exotisch klingende Namen sind unsere Favoriten. Nach der Bestellung wird hinter der Bar getuschelt, viel gekichert und sogar ein wenig geshake(r)t. Würde jetzt ein Alien oder Vampir den Raum betreten, es würde in dieser bizarren Bar nicht verwundern. Die Drinks werden jedem Gast einzeln serviert – eine neue Konzeptidee in der Wodka-Welt? Dazu kommen jedes Mal diverse Spielereien wie Leuchttrinkhalme oder Leuchtuntersetzer. Vielleicht soll dies ein wenig von der ausbaufähigen Mixleistung ablenken.

Da sich im Gebäude zusätzlich noch das Palastkino Radebeul befindet, welches für private Filmveranstaltungen genutzt werden kann, ist ein Mieten der Bar mit oder ohne Kinobesuch möglich. Aber auch mietfrei und mit viel Augenzwinkern kann ein Besuch im Paralleluniversum der »World Of Wodka« fast schon filmreif und unterhaltend werden.

F. Lodhäst

 

World Of Wodka Güterhofstraße 2, 01445 Radebeul, Telefon 6563419, täglich ab 19 Uhr

www.worldofwodka.de

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