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Das ist sein Milljöh

Willkommen im Zille 

Was macht der pfiffige Wirt, wenn seine Kneipe so gern, oft und zahlreich frequentiert wird, dass selbst das ganz normale Stammpublikum irgendwann einmal aus Platzgründen den Weg zum Tresen nicht mehr finden kann – er geht mal eine Runde nachdenken. Und dann macht er zusammen mit genau so einfallsreichen Freunden aus einer taufrischen Eingebung eine neue, sehr nette Restauration. So könnte man in Kurzform die Entstehung des »Zille« beschreiben, welches seit Kurzem unter anderem als neue Anlaufstelle der umfangreichen Lebowski-Fangemeinde das Licht der Neustadt-Gastronomie erblickte.

Nicht nur der gewählte Name, auch die zu Zeiten des Malers Heinrich Zille herrschende Kaffeehauskultur soll den Charakter des reizenden Etablissements prägen. So überzeugte der derzeitige Trend, mit Essen und Getränken in der Hand durch die Straßen zu laufen, die Zille-Initiatoren davon, dem genau entgegenzuwirken und eine Oase der Gemütlichkeit zu schaffen.

Im Zille heißt es: »Nimm dir Zeit, setz dich hin und trink erst einmal ein Tässchen frisch gebrühten Filterkaffee.« So verführen die frisch aufgearbeiteten, weichen Sofas einfach zum musevollen Nichtstun. Zwischen den französischen Stoffen und Tapeten, der Originalbeleuchtung aus dem einstigen Kino Faunpalast oder dem Tresen, den Lars Pritzsche von Lignum Design perfekt dem Stil der alten Möbel anglich, fühlt man sich jedoch keinesfalls wie in einem Trödelkaffee. Hier wird der Zeit der Kaffeehäuser wieder Leben eingehaucht. Heinrich Zille, der übrigens aus Radeburg stammte und Dresdner Ehrenbürger war, hätte hier seine wahre Freude. Zum Heißgetränk oder Likörchen serviert man ein Stück frischen Blechkuchen vom Bäcker Graf und zu jeder Tages- und Nachtzeit frische Brötchen, belegt mit hauseigenen Deftigkeiten wie Hackbraten, Jägerschnitzel, Schinken oder Eiersalat. Auch in der Getränkekarte finden sich neben der fast schon obligatorischen »Berliner Weißen« auch Mixgetränke aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Welche Zutaten ein »Tiefseetaucher« enthält oder wie ein »Paraplü« oder ein »Helenchen« schmeckt, sollte unbedingt probiert werden. Und haben Sie schon einmal durch die Augen der Mona Lisa geschaut? Das gibt es nur hier.

Der Kultur – und besonders der Kleinkunst – bietet das Zille gern und oft Heimstatt. Einmal im Monat lädt ein Plattenunterhalter zum Tanztee, der »Musikalische Wunschbriefkasten« erlebt hier seine Auferstehung, es darf unter reizender Anleitung der Dresden Hepcats dem Swingtanz gefrönt und beim »Ha Ha Ha Club« nach Herzenslust gelacht werden. Ab September versteigert hier die Lufthansa Fundstücke beim »Kofferhoffer«, wobei der erzielte Erlös der Kinderkrebshilfe zugutekommen wird. Und zu Weihnachten wird Frau Holle mit einer Märchenlesung die Zeit bis zur Bescherung angenehm verkürzen.

Aber bis dahin ist noch viel Zeit. Zeit, um im Zille ganz gemütlich ein Käffchen zu trinken.

K. Racho

 

Zille Görlitzer Straße 5, 01099 Dresden, So bis Do 14 bis 3 Uhr, Fr und Sa 14 bis 5 Uhr
www.zille-dresden.de

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