

Molekulares im OnlyOne
»Gerührt oder geschüttelt?« – das ist jetzt Vergangenheit! So lautet das Motto des OnlyOne auf der Alaunstraße. Doch nicht erst seit James Bond werden Cocktails doch eigentlich in oben erwähnter Weise hergestellt. Zugegeben, manchmal knarzt auch noch ein Mixer unschön dazwischen, aber hier nun soll alles anders und neuartiger sein – na dann, nichts wie hin!
Im OnlyOne werden molekulare Cocktails bereitet und kredenzt. Ein Trend, dem hippe Mixdrink-Fans auf der ganzen Welt derzeit huldigen – dass Dresden so eine Bar deshalb auch dringend gebraucht hat, steht selbstredend außer Frage. Und so wurde aus der früheren Wohngebietskneipe »Goldenes Hufeisen« eine Bar, die weltstädtisches Flair ausstrahlen soll. Natürlich »müssen« dabei immer kalte Neontöne dominieren. Viel Plastik, viel Glas, wenig Licht, technoide Popmusik aus den Lautsprechern – nun ja, wir wollten eh nicht ganz so lange bleiben.
Jedoch: Die Clubsessel sind bequem und die uns empfangende Bedienung um so herzlicher, so wird unsere Stimmung wohlwollender und wir durchforsten die Karte. Hier stellt sich heraus, dass auch das OnlyOne trendgerecht alles sein möchte – Bar, Restaurant, Lounge. Wir begnügen uns mit dem Bar-Bereich und mit den angepriesenen molekularen Köstlichkeiten. Die Cocktailkreationen, weil das Wort Drink hier nicht mehr auf alle Angebote zutrifft, werden in den verschiedensten Konsistenzen und Darreichungsformen serviert. Als Gelee oder in einen Schaum verwandelt, als hochprozentiger Mix-Drops oder in Form kaviarähnlicher Perlen, die einen flüssigen Kern bergen – der Vielfalt sind keine Grenzen gesetzt.
Unsere Wahl fällt auf einen recht klassischen Cocktail, den Swimmig Pool (7,40 Euro) und einen Bombay Crush (7,40 Euro). Der Swimming Pool wird in eigentlich bekannter Form serviert – bauchiges Barglas, Strohalm, Obst als Verzierung. Anders sind nur die blauen Perlen im weißen Getränk, die sich als kleine gelartige Geschmacksbomben erweisen, welche im Mund zerplatzen und den enthaltenen Wodka unauffällig verbreiten. Bei so viel lukullischer Überraschung wäre auch eine optisch etwas raffiniertere Präsentation von Vorteil, da so das Blau der Wodkaperlen kaum zur Geltung kommt.
Auch beim Bombay Crush ist der erste Eindruck ein eher unauffälliger. Longdrinkglas, viel Schaum, Früchte – fertig. Der Schaum jedoch ... Oh lá lá! Hier also hat sich der Alkohol versteckt. Schon nach kurzer Schaumschlägerei bemerkt man, dass dies eine verteufelt gute Mischung von allem ist. Der kräftig-saure Geschmack von Kumquat-Früchten, Limetten und Rohrzucker mischt sich mit dem betörenden Zitronengras-Ginschaum zu einem ungeahnten und wirklich großartigen Reigen der Genüsse.
Und wenn wir schon mal dabei sind, soll es nun auch noch ein Gelee sein. Sheer Cinnamon (5,90 Euro) klingt gut und wird als Viererportion fester Masse auf kleinen Löffeln gereicht. Der feste Geleekern verbirgt den enthaltenen Barcardi und Cointreau so geschickt, dass wir dessen erst an der frischen Luft schlagartig gewahr werden. Beim Abbeißen bemerken wir jedoch sofort neben Zimt eine fruchtige Himbeere, die einen feinen Gegensatz zum festen Cocktail darstellt. Nicht schlecht das Ganze – ein Cocktail zum Sattwerden.
Eigentlich würden wir, auf den Geschmack gekommen, uns gern noch weiter von den Möglichkeiten der molekularen Cocktailkunst überraschen lassen, aber so klein und unschuldig die Mix-Drinks oder -snacks aussehen – sie haben es in sich. Auf jeden Fall sind wir der Molekularchemie ein ganzes Stück näher gekommen – das hätte unseren Chemielehrern mal einfallen sollen …
K. Racho
OnlyOne Alaunstraße 83, 01099 Dresden, Telefon 88 94 81 66, Dienstag bis Sonntag ab 16 Uhr
www.onlyone-dresden.de