Zeugt!

Olaf von der Bühne ins Fernsehen
ins Kino: »Schubert in Love« - Review und Interview

Nun also auch auf der großen Leinwand. Lange hat sich Olaf Schubert geziert, hat er gezaudert vor diesem Schritt. Es mangelte nicht an Ideen oder Drehbüchern, es war nur nicht das richtige dabei. Schlussendlich fiel die Entscheidung zugunsten eines Plots, der vieles der bisher bekannten Kunstfigur Olaf Schubert integriert, aber auch neue Seiten offenbart. Eine Geschichte, die den Hauptakteur den Weg zur Liebe finden lässt, allerdings muss er dabei einige Umwege gehen.

Wenn es so etwas wie eine melancholische Komödie gibt, dann ist dies eine. Wer hier eine krachlederne Kalauershow von Anfang bis Ende erwartet, der wird sich wohl enttäuscht zeigen. Denn der Film arbeitet sich auch an den menschlichen Unzulänglichen ab, die das Beziehungsgeflecht zwischen zwei Menschen oft so schwierig machen – auf eine natürlich extrem überhöhte Art und Weise.

Am Anfang steht der Papa. Und Papa Schubert, eine Art (etwas zu holzschnittartiger) Familien-Pate in der Person von Mario Adorf, macht Druck. Er will Enkel. Und Olaf hat nichts in der Richtung vor, obwohl er andere oftmals dazu animierte. Wir erinnern uns an den Schubert-Song »Zeugt!«, in dem es heißt: »Willst später Rente du kassieren, musst du dich heute geschlechtlich engagieren.« Der Akt als gesellschaftliche Aufgabe. Im Film nun soll diese Aufgabe in privater Mission erfüllt werden, doch die Missionarsstellung ist dem Helden eine Unbekannte in der Gleichung. Gleichwohl hockt Olaf tagsüber in einem nicht näher benannten Amt und betreibt Menschenberatung. Aber für die kleinen Nöte hat er kaum ein Ohr, denn das große Ziel ist der Sieg über den Welthunger. Und um 80.000 Brote (oder besser Brot-Brote) dafür bei der Bäckerin Anna Mateur kaufen zu können, muss ein Musical her, für das in einem mülligen Proberaum widerwillig geübt wird (Bert Stephan, Jochen Barkas, Klaus Weichelt und andere). Und zwischendurch wird demonstriert, das muss in Dresden so sein.

Es ist also viel zu tun – und genau da taucht Biowissenschaftlerin Pamela auf, mehrfach, bevor Olafs Augäpfel sie wirklich wahrnehmen. Sie sieht in dem gefühlstechnischen Tollpatsch mehr als alle anderen und wagt das Abenteuer mit dem notorischen Weltverbesserer. Doch als dieser meint, nur auf der Suche nach einem Brutkasten zu sein, bricht Pamela mit Olaf – und für einen Moment wird es ganz ernst und garnicht komisch. Doch ein Schubert gibt nicht auf, er will nicht nur zeugen, sondern auch überzeugen …
Der Film versucht, seinem Protagonisten gerecht zu werden: Er hat Charme wie auch Macken.

In Dresden wird er sicher anders funktionieren, als in weiter entfernten Kinos, denn vieles lebt von den Locations und lokalen Anspielungen und Personen. Die Schwächen in Story und Dramaturgie – vor allem der Musical-Plott und das Demo-Geschehen lenken von der eigentlichen Geschichte weg und wirken gar zu bemüht – umschifft der »Single-Songwriter« auf der Suche nach Weltfrieden, Kind und Liebe in gewohnter Schubert’scher Manier. Ein Glücksgriff ist Marie Leuenberger (»Schwestern«) als Pamela, die – beabsichtigt oder nicht – bisweilen und bis hin zum (ähnlichen) Beruf an Amy Farrah Fowler aus »The Big Bang Theory« erinnert. Die Kamera ist stimmig und der flotte Soundtrack tut sein Übriges. Alles in allem vielleicht (noch) keine Olafparade, aber auch keine verlorene Liebesmüh.
Uwe Stuhrberg

Schubert in Love Deutschland 2016; Regie: Lars Büchel
Mit Olaf Schubert, Marie Leuenberger, Mario Adorf, Jochan Barkas, Bert Stephan
ab 8. Dezember in den Kinos.
 Deutschlandpremiere am 6. Dezember um 19 Uhr im Rundkino. Am gleichen Abend Kino in der Fabrik, Schauburg und UFA-Palast. Aftershowparty in der Schauburg
www.facebook.com/SchubertInLove

 

FRAGEN AN OLAF ZUM FILM

Viele waren sicher gespannt, wer im Film die Rolle von Olaf Schubert spielen wird. Nun ist es überraschenderweise Olaf Schubert geworden. Wie schwer war es, sich im Casting gegen andere Olaf-Schubert-Kandidaten durchzusetzen?
Es war ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen mit mehreren teilweise international bekannten Schauspielern. Ich sah Olaf einfach am ähnlichsten, das war mein Plus.
Was unterscheidet den Film-Olaf vom real existierenden Bundes-Olaf?
Auf der Bühne kann er sich den großen Themen widmen. Im Film geht es ja eher um das kleine Private und beinah Intime.
Warum ist es für Olaf so schwer, den Weg zum Kind über die Liebe zu finden?
Alle Menschen wollen geliebt werden. Aber es ist nicht nur schwer zu lieben, sondern auch nicht so leicht geliebt zu werden. Ohne Liebe wäre die Welt viel unkomplizierter.
Wie fiel die Rollenauswahl auf Mario Adorf und Marie Leuenberger?
Sie waren von allen Bewerbern einfach die besten.
Olaf arbeitet in einer sozialen Beratungsstelle. Wäre es nicht an der Zeit, dass er eine solche auch »in echt« betreibt bei all den Problemen auf der Welt?
Olaf auf der Bühne ist ja im Prinzip eine soziale Beratungsstelle.
Was hat Carola zu den Bettszenen gesagt?
In meinem Verhältnis zu Carola hat sich ja einiges verändert. Wir sind momentan getrennt. Sie hat den Film deshalb noch gar nicht gesehen.
Was ist ein Brot-Brot?
Es ist in Geschmack und Konsistenz ziemlich brotig. Also brotiger als ein Malfa beispielsweise.
Wie ist es für einen Zentral-Schubert von einem Regisseur Anweisungen zu erhalten? Oder sieht er das eher als lose Empfehlungen zum Handeln?
In der Filmwelt heißt es: Der Regisseur ist äußerst wichtig, aber ohne ihn macht’s mehr Spaß. Lars Büchel hat jedoch alles richtig gemacht. Deshalb habe ich auch gemacht was er gesagt hat. Zumindest manchmal.
Warum gibt es den Film nicht in 3D?
Wir haben sogar in 3D gedreht. Aber irgendwo im Studio beim Schnitt ging ein D verloren. Aber Doppel D reicht auch.
Kann der Film helfen, das Image von Dresden etwas aufzuhellen?
Wenn  er das Image nicht noch mehr ramponiert wäre es schon gut.
Von der Bühne ins TV-Gerät ins Kino. Was kommt jetzt noch?
Erstmal wieder Krippenspiel. Nächstes Jahr geht es wieder auf Tour mit »Sexy forever«, da sind wir im Januar auch in Riesa und Löbau sowie im Sommer bei den Filmnächten. Für 2018 arbeite ich momentan an einer Parfumkollektion.