The Circle

Romanverfilmung mit vielen Clicks und wenig Tiefgang

Aldous Huxleys »Schöne neue Welt« lässt grüßen. Ein Blick in die nahe Zukunft, der Angst macht – Angst vor totaler Kontrolle, permanenter Überwachung, dem Verlust jeglicher Privatsphäre. Die Adaption von Dave Eggers titelgebendem Roman aus dem Jahre 2013 entführt in eine Arbeitswelt, in der alles locker und easy ist. Das gefällt auch der 24-jährigen Mae Holland, die einen Job beim Circle bekommt, dem angesagten Internetkonzern, in dem die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit fließend sind mit schicken Büros, Gratis-Konzerten und Restaurantbesuchen, tollen Partys.

Da ist es doch egal, ob man an einem Experiment teilnimmt, in dem man völlig transparent ist. Mae macht als Erste mit, trägt den ganzen Tag eine Kamera und lässt jeden teilhaben an ihrem Leben vom Zähneputzen bis zum E-Mail-Lesen – sie plädiert sogar dafür, das Wahlverhalten öffentlich zu machen, wird schnell zur Online-Berühmtheit.

James Ponsoldt, der mit einer Super-Besetzung aufwarten kann – Emma Watson als ehrgeizige junge Frau, Tom Hanks als charismatischer Firmen-Chef und Big Brother –, laviert etwas unschlüssig zwischen zukünftigen technologischen Möglichkeiten und der Macht sozialer Medien, zeichnet die Verführbarkeit sehr klar wie auch die Schattenseiten der das Individuum und jegliches Wertesystem zerstörenden Technologien. Circle als Hybrid von Amazon, Facebook, YouTube und Apple ist am Ende ein Monster, die brave Heldin, die den moralischen Kompass verloren hatte, schüttelt das digitale Leben ab und zeigt dem Imperium die Zähne, natürlich mit Hilfe des ursprünglichen Firmen-Gründers (John Boyega), der ausgestiegen ist aus dem Hamsterrad. Viele Monitore auf dem Schreibtisch, viele Clicks, aber wenig emotionaler Tiefgang.
Margret Köhler

The Circle USA 2017, Regie James Ponsoldt
Mit Tom Hanks, Emma Watson, Bill Paxton, Karen Gillan, John Boyega, Ellen Wong, Patton Oswalt
Kinos: Rundkino, UCI, CinemaxX, UCI
www.wearethecircle.de