Three Billboards outside Ebbing, Missouri

Rundumschlag gegen das bigotte Herzland der USA

Es gibt selten Filme, die man am liebsten gleich noch einmal sehen möchte. Martin McDonaghs bissige und tiefschwarze Komödie gehört dazu. Bei den Golden Globes kommt das Meisterwerk auf sechs Nominierungen und sollte sich auch Chancen auf den ein oder anderen »Oscar« ausrechnen. In der Kleinstadt Ebbing provoziert Mildred Haynes mit drei knallroten großen Werbetafeln am Ortsausgang, auf denen sie die Polizei rüde auffordert, endlich den Vergewaltiger und Mörder ihrer Tochter zu suchen. Ein Affront – nicht nur für Woody Harrelson, den sympathischen und krebskranken Polizeichef. Die Bewohner wenden sich gegen die Aufrührerin und ganz besonders Sam Rockwell als unbeherrschter Hilfs-Sheriff und Muttersöhnchen antwortet mit Brutalität und miesen Tricks.

Oscar-Preisträgerin Frances McDormand ist die innerlich gebrochene Mutter, die ihre Trauer in Wut verwandelt und Gerechtigkeit will. Was kümmern sie da noch Moral oder Regeln? Sie geht wie ein weiblicher John Wayne, zieht aber nicht den Colt, sondern setzt ihren Verstand ein. Die Frau mittleren Alters, von ihrem Mann gegen eine 19-Jährige ausgetauscht, die Polio und Polo nicht unterscheiden kann, geht bis zum ultimativen klassischen Western-Showdown.

Was der irische Brite McDonagh da nach »7 Psychos« und dem Kultfilm »Brügge sehen… und sterben« zusammenstrickt, ist ein Rundumschlag gegen das beschauliche und bigotte Herzland der USA und mit seinem bitter-lakonischen Humor ein absolutes Vergnügen, auch wenn man bei einigen Szenen exzessiver Gewalt schwer schlucken muss. McDormand, der McDonagh die Rolle auf den Leib schrieb, toppt noch ihre Leistung aus »Fargo« und ist das wild schlagende und blutige Herz der Story, flankiert vom großartigen Duo Harrelson und Rockwell. Besser als mit »Three Billboards« kann das Kinojahr 2018 nicht beginnen.
Margret Köhler

Three Billboards outside Ebbing, Missouri USA 2017, Regie: Martin McDonagh
Mit Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Caleb Landry Jones, Kerry Condon, Alejandro Barrios
Zu sehen in: Programmkino Ost, Kino in der Fabrik, Thalia (OmU)