

Ein eigenwilliger, verstörender und intensiver Thriller
Dafür, dass der Film "Drive" heißt, wird darin eigentlich relativ wenig Auto gefahren. Überhaupt geht phasenweise sehr wenig. Die von Ryan Gosling gespielte Hauptfigur ist sogar derart unscheinbar, dass sie nicht einmal einen Namen hat. Der «Driver» spricht kaum, wirkt in all seinem Handeln seltsam distanziert, gar teilnahmslos. Er hat jedoch ein aussergwöhnliches Talent im Umgang mit Autos: Tagsüber arbeitet er deshalb als Stuntfahrer und Mechaniker, nachts dient er als Auftragsfahrer für Verbrecher. Er bewegt sich in einer Welt voller Gangster und Mörder, einziger Lichtblick ist die Nachbarin Irene mit ihrem Sohn. Deren Mann sitzt im Gefängnis und als er plötzlich zurückkehrt, bricht eine Verkettung schrecklicher Ereignisse los.
Genau wie seine Hauptfigur ist "Drive" geprägt von einer trügerischen Ruhe: Der Film schlägt ein gemächliches Tempo an, es wird kaum gesprochen. Doch hinter dieser apathischen Stille lauert das Grauen. Diese bedrohliche Stimmung, die über allem schwebt, macht "Drive" äusserst spannend: Der angedeutete Schrecken, der jederzeit hervorzubrechen droht, entwickelt ab der ersten Sekunde des Filmes eine Sogwirkung. Dies gelingt vor allem, weil der Film in jeder Hinsicht extrem stimmig gestaltet ist: Kamera, Licht und Musik schaffen eine intensive, düstere Atmosphäre, wie man sie etwa aus den Filmen von David Lynch kennt.
Überhaupt erinnert bei "Drive" vieles an Lynch, nicht zuletzt die exzessive Gewalt, die sich in einigen brutalen Sequenzen entlädt. Nicolas Winding Refn zeichnet eine schreckliche Welt, in der das Glück eigentlich greifbar nahe wäre, wo aber hinter jeder Ecke das Böse lauert. Doch trotz dieser Parallelen zu Lynch ist "Drive" ein eigenständiger Film, der seine bedrohliche Langsamkeit auch immer wieder mal für grandiose Verfolgungsjagden unterbricht.
Auch bei der Besetzung hatt Refn ein gutes Händchen: Gosling spielt die undurchschaubare Hauptfigur mit einer traumwandlerischen Ruhe, die Nebenrollen sind mit Darstellern wie Albert Brooks, Ron Perlman oder Bryan Cranston ebenfalls ausgezeichnet besetzt. Auch dank ihnen ist Drive ein eigenwilliger, verstörender und intensiver Thriller geworden, bei dem jedes Detail stimmt.
Drive USA 2011, Regie: Nicolas Winding Refn
Zu sehen im CinemaxX, Kino in der Fabrik und im UCI.
www.drive-film.de