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Ziemlich Beste Freunde

Vom Zusammenprall der Klassen und immenser Lebenskraft

Diese zwei Männer würden sich normalerweise nie begegnen, der eine ist weiß und reich, der andere schwarz und arm, der eine residiert im vornehmen Pariser Stadtpalais, der andere kommt aus der heruntergekommenen Banlieue, der eine hat viel verloren, der andere hat nichts zu verlieren. Und dennoch werden sie »ziemlich beste« Freunde. Der arbeitslose Driss will nur einen Stempel für die Arbeitslosenunterstützung und bewirbt sich deshalb pro forma als Pfleger beim adeligen Philippe, der seit seinem Absturz beim Gleitschirmfliegen vom Hals ab gelähmt ist.

Ausgerechnet das unverschämte Großmaul mag der Grandseigneur und bietet ihm den Rund-Um-Die-Uhr-Job an. Nicht gerade begeistert aber mangels Bleibe nimmt der gerade aus dem Knast Entlassene das Angebot nach einer Bedenkzeit an. Statt mit dem Behindertenauto düsen die beiden bald mit dem Maserati durch Paris, rauchen Joints und laden schon mal zwei Prostituierte nicht nur zur Ohrläppchenmassage ein. Dass der Rollstuhl hochgetunt wird, versteht sich von selbst.

Was sich wie ein unerträglich kitschiges Behindertenmärchen anhört, wird zur Reflexion darüber, was es heißt, nicht mehr die Kontrolle über den Körper zu haben, von anderen abhängig zu sein und sich gegen Mitleid wehren zu müssen. Inspiriert von einer wahren Geschichte erzählt das Regieduo mit viel (Galgen-)Humor, aber auch mit Ernsthaftigkeit und ohne Larmoyanz, Pathos oder einen falschen Ton vom Zusammenprall der Klassen und von der immensen Kraft, das Leben zu nehmen, so wie es ist. Der feine François Cluzet und der forsche Omar Sy ergänzen sich, spielen souverän auf der Klaviatur der Emotionen. »Ziemlich beste Freunde« kann man auch als eine soziale Metapher verstehen, auf der einen Seite das alte in seinen Privilegien paralysierte Frankreich, auf der anderen ein neues Frankreich, dessen Vitalität und Zukunft auf jungen Bürgern mit Migrationshintergrund beruht. Margret Köhler

The Help Frankreich 2011, Regie: Olivier Nakache und Eric Toledano
Zu sehen im Cinemaxx, im Kino in der Fabrik, im Programmkino Ost, im UCI und im UFA-Palast.
www.ziemlichbestefreunde.senator.de

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