Dialog zwischen Plastik und Malerei

Arbeiten von Ernst Barlach und Alexander Dettmar in der Albrechtsburg

Ernst Barlach, geboren 1870 im holsteinischen Wedel, war ein vielseitig begabter Künstler. Er arbeitete als Grafiker, Zeichner und Schriftsteller, doch vor allem als Bildhauer schuf Barlach Meilensteine der Kunstgeschichte. Im Nationalsozialismus als »entartete Kunst« geschmäht, werden Plastiken des deutschen Expressionisten heute in den bedeutendsten Kunstmuseen der Welt ausgestellt. Eine besondere und weniger bekannte Facette seines Schaffens ist Anlass für die gegenwärtige Ausstellung in der Albrechtsburg Meißen. In den 1920er Jahren arbeitete Barlach unter Direktor Max Adolf Pfeiffer auch für die Porzellan-Manufaktur Meißen. Seine Beziehungen zu Ort und Material reichen jedoch weiter zurück. Als Meisterschüler des Bildhauers Robert Diez hatte Barlach bis 1895 an der Kunstakademie Dresden studiert.

Nach der Jahrhundertwende schuf er Steinzeug für eine Töpferwerkstatt in Altona und war später als Lehrer an der Fachschule für Keramik in Höhr-Grenzhausen tätig. In der Albrechtsburg sind nun 25 Plastiken des berühmten Expressionisten zu sehen, wobei exemplarisch auch Arbeiten aus Böttgersteinzeug einbezogen wurden. Verstärkt wird der regionale Bezug durch die eigens für die Ausstellung geschaffenen Meißen-Ansichten von Alexander Dettmar, die – neben den gezeigten zahlreichen Architekturensembles anderer deutscher Städte – mit den Plastiken Barlachs in Dialog treten und so den Titel der Ausstellung »Zwiesprache« rechtfertigen.

Dettmar, 1953 in Freiburg im Breisgau geboren, hat sich mit stark vereinfachten, flächigen Stadtansichten einen Namen gemacht und pflegt, seit er 1995 mit dem Ernst-Barlach-Preis ausgezeichnet wurde, eine besondere Verbindung zum Werk des Bildhauers, auf dessen Lebensspuren in Norddeutschland der malend unterwegs war. Auch in der Albrechtsburg hat Dettmar wie schon in vorangegangenen Ausstellungen seine ruhigen und auf wenige Farben reduzierten, meist menschenleeren Stadtansichten so ausgewählt und gehängt, dass sie wie eine Kulisse oder Bühne für die kraftvollen, reduzierten und in sich ruhenden Menschenplastiken Barlachs wirken. So verschmelzen die unterschiedlichen Werke zu einem harmonischen Ganzen und zeugen von der Seelenverwandtschaft der beiden aus verschiedenen Generationen stammenden Künstler.

Sowohl Barlach als auch Dettmar begreifen ihre Kunst als Übersetzungsvorgang, der die Umwelt in einem intensiven Wahrnehmungsvorgang erfasst, alles Überflüssige und Nebensächliche filtert und so ein auf das Wesentliche reduzierte Abbild schafft. Die spätgotischen Räume der Meißner Albrechtsburg bilden einen passenden Rahmen für die in Zusammenarbeit mit der Ernst Barlach Museumsgesellschaft konzipierte Schau.

Parallel dazu zeigt die Evangelische Akademie Meißen im Kreuzgang »Steinerne Erinnerungen – Alexander Dettmar«. Zu sehen sind Bilder von Synagogen, die vor gut 70 Jahren im Stadtbild u.a. von Magdeburg, Chemnitz, Rostock, Erfurt und Hannover selbstverständlicher Teil der Nachbarschaft waren.
wo.

Zwiesprache – Ernst Barlach & Alexander Dettmar
, Albrechtsburg Meißen, bis 22. Juli
Steinerne Erinnerungen – Alexander Dettmar, Evangelische Akademie, bis 20. Juli
www.albrechtsburg-meissen.de