Mehr als nur eine »Liebelei«

Drei Tage Kunst im objekt klein a

Eric Keller: Festsaal 2

Es ist kein Geheimnis: Künstler können feiern. Und viele Partymacher sind äußerst kreativ, wenn es um Veranstaltungsideen und Plattformen für Subkulturen geht. An diesem Wochenende findet eine Ausstellung zum Thema Feiern in einem Dresdner Club statt. Bereits der Ausstellungstitel »Liebelei« lässt ahnen, dass es sich bei der Show im objekt klein a um mehr handelt, als das pure Illustrieren tanzwütiger und einander begehrender Menschenansammlungen auf Bildern an den Wänden. Das im modernen Sprachgebrauch eher untypische Wort setzt schon einen Link darauf, dass sich bei dieser Ausstellung nicht nur ein Party- auf Kunstpublikum trifft, sondern auch verschiedene Generationen zusammenfinden und ein bisher durch andere Inhalte besetzter Ort durch die ausgestellten Werke – sowie die Werke durch den Ort – einen neuen Kontext erhalten.

Eric Kellers »Festsaal II« wirkt wie der Gegenentwurf zu dem Raum, in dem das Bild jetzt ausgestellt ist. Wie signifikant für des Künstlers Arbeiten, finden sich auch in diesem Bild keine modischen und technischen Details, die eine zeitliche Zuordnung des Dargestellten zulassen – präsentiert an einem Ort, für den gelebter Zeitgeist, modisch wie technisch, wichtig ist. Ebenso typisch für Eric Kellers Bilder ist, dass hier alle narrativen Spuren verwischt sind. Der große Erzähler ist der Betrachter, der nach dem Ausstellungstitel meinen könnte, Arthur Schnitzlers »Liebelei« könnte 1895 auf der im Bild dargestellten Bühne uraufgeführt worden sein. Im Kontext der Show stellen sich auch andere Fragen: Ist es die Ruhe vor dem Sturm und wird der Festsaal für eine Party hergerichtet? Oder liegen die Aufräumarbeiten in den letzten Zügen und die Party ist bereits vorbei? Ist die Party möglicherweise schon ganz lange vorbei und andere Generationen haben hier gefeiert?

Zu einer anderen Generation, nicht nur, was das Künstlerische, sondern auch die Feierkultur betrifft, gehört Karl-Heinz Adler. Die Serigrafien »Serielle Linien/Schwebende Elemente« des großen Konkreten, dessen Werk anlässlich des 90. Geburtstages des Künstlers dieses Jahr im Dresdner Albertinum entsprechend gewürdigt wurde, sind mit Sicherheit nicht zum Thema des Feierns entstanden. Aber hier in der Ausstellung, vor allem auch bei Betrachtung der Jahreszahl 1993, könnten augenzwinkernd, losgelöst vom sonstigen Schaffen des Künstlers, die flirrenden, leuchtend weißen Linien als Reminiszenz an die Musik der neunziger Jahre mit Acid, Minimal Tekkno oder Trance und dem damaligen Einsatz von flackerndem Stroboskoplicht gedeutet werden.

Weiterhin werden unter anderem der Move (mit den Zeichnungen von Elke Hopfe), das Setting (durch die Werke von Carolin Israel und Daniel Schubert) sowie der Style thematisiert. Michael Klipphahns meisterhaft hyperrealistisch ausgeführte Malereien zeigen Abbilder einer Selfie-Generation, den Social-Media-Zustand unserer Gesellschaft mit seiner unfassbaren Flut aus einem Kontext gerissener privater Bilder. Frappierend und irritierend wählt der Künstler die Bildausschnitte seiner Protagonisten so, dass im Unklaren bleibt, ob die dargestellten Mädchen sich für den perfekten Style am bevorstehenden Abend zurechtmachen. Denn darauf verweist kein verräterisches Detail, es gibt lediglich die durch das Zurschaustellen an ebenjenem Ort beeinflusste Vermutung des Betrachters.

Karl Kowalkes selbst produzierter »Pullover« zielt hingegen auf Fragen von Wert und Individualität des Stylings und konterkariert dabei eine der Kunst oft unterstellte Behauptung: Hängt es an der Wand, ist es Kunst, wird es benutzt, dann nicht.

Das Großartige an »Liebelei« ist, dass sich die Ausstellung nicht damit begnügt, das zu zeigen, was allseits bekannt ist: Dass auf Partys getanzt, getrunken und gekifft wird. Und dass mit einer Prise Humor Bilder mit anderem Background, die innerhalb des Œvres der Künstler nichts mit dem Thema des Feierns zu tun haben, in den Räumen des objekt klein a von vielen Facetten von Partykultur erzählen. Bitte mehr davon.
Patrick-Daniel Baer

Liebelei
9. bis 11. September 2017, objekt klein a, Meschwitzstraße 9, 01099 Dresden
Beteiligte Künstler_innen: Karl-Heinz Adler, Elke Hopfe, Carolin Israel, Eric Keller, Michael Klipphahn, Karl Kowalke und Daniel Schubert
Eröffnung 9. September 2017, ab 20 Uhr mit zebra centauri
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Öffnungszeiten der Ausstellung: 10. und 11. September 2017 jeweils 13 bis 20 Uhr
www.facebook.com/objektkleina.club/