Blues with a Feeling

Danny Bryant am 20. November in der Tante Ju

Der Eröffnungssong seines jüngsten Studioalbums "Revelation" ist zugleich der Titelsong und beginnt mit einem delikaten Pianoriff, das als erstes seine bärenstarke Gesangsstimme auffängt, sodann mit breiten hammondartigen Keyboardflächen verwoben wird und einen Bassunterbau erhält, der die tiefen Frequenzbereiche bis an die Grenzen des Hörbaren weiträumig durchmisst. Die Gitarre beschränkt sich zunächst auf strukturierende Beiträge, bevor sie im Refrain solistisch hervortritt, allerdings nicht um ihrer selbst willen sondern wiederum auch um zu gestalten beziehungsweise als Klangfarbe zu wirken. Auf die Spitze getrieben wird das Ganze durch die Solopassage einer gramgefärbten Trompete. Geht doch, denkt man. Elektrischer Blues muss sich nicht zwangsläufig in stupidem Hardrockgekloppe erschöpfen.

Differenzierung ist möglich, unbedingt sogar. Dass ausgerechnet Danny Bryant derjenige ist, dem das Kunststück gelingt, sollte nicht weiter verwundern. Bisher wurde jedes neue Album des Briten, geboren 1980 in Royston, Hertfordshire als sein bislang bestes bejubelt. Diesmal jedoch liegt ein echter Qualitätssprung vor. "Revelation" ist, der Albumtitel nimmt es bereits vorweg, eine Offenbarung. Blues with a feeling, wo die Emotionen über die Form triumphieren, eingefahrene Bluesformeln sogar elegant überwunden werden. Wobei der Kontext, aus dem heraus die neun Songs entstanden sind, tatsächlich der reine Blues gewesen sein muss. "Innerhalb von sechs Monaten", ließ Danny Bryant seine Schallplattenfirma im Pressetext übermitteln, "verlor ich einen meiner ältesten und besten Freunde und kurz darauf starb mein Vater nach langer schwerer Krankheit. Mein Dad spielte lange Bass in meiner Band, zusammen standen wir Seite an Seite auf der Bühne, spielten wir über zweitausend Shows, wir reisten gemeinsam um die Welt. Er war mein bester Freund und das Fundament der Familie".

Wenig überraschend, dass der Verlust zweier wichtiger Menschen Spuren hinterließ. "Ich war von einer tiefen Depression und lähmender Angst betroffen. Die Songs sind thematisch eher düster, handeln von Isolation, Verzweiflung und finsteren Zeiten. Sie hinterfragen Dinge, die ich vorher nie in Erwägung gezogen hatte." Das neue Album sei trotzdem kein Trauermarsch, versichert Danny Bryant. Potentiellen CD-Käufern rät er, die Musik laut zu hören. Im Konzert wird sicher der Tontechniker am Mischpult dafür sorgen.
Bernd Gürtler  

Danny Bryant
20. November, 21 Uhr, Tante Ju
Tickets: www.saxticket.de
www.dannybryant.com