
Am 16. Juni in der Jungen Garde: Dead Can Dance
Als Dead Can Dance nach 16 Jahren getrennter Wege im Herbst 2012 das neue Studioalbum »Anastasis« veröffentlichen, gilt das fast erwartungsgemäß als Sensation über Genregrenzen hinweg. Lagerkämpfe der Kulturen sind den beiden von jeher fremd gewesen, schon ihre eigene Bandgeschichte beginnt an völlig entgegen gesetzten Enden der Welt.
Brendan Perry wird im Londoner Stadtteil Whitechapel geboren, wo er auch aufwächst, bis seine Familie nach Auckland, Neuseeland auswandert. Beeinflusst von Scott Walker und Joy Divisions Ian Curtis, beginnt er selbst Musik zu machen. Als Gitarrist kommt er mit Kirchenmusik in Berührung, und anstatt nach dem Schulabschluss wie geplant eine pädagogische Laufbahn einzuschlagen, spielt er lieber Bass in einer Punkband. Die unnahbare Lisa Gerrard ist im australischen Melbourne aufgewachsen, genauer gesagt im überwiegend von Griechen, Arabern, Italienern und Iren bewohnten Stadtteil Prahran East. »Betörende, dunkle, arabeske Stimmen« hätte sie aus den Fenstern der Nachbarn gehört, erzählt sie später dem englischen Mojo Magazine. Als zweites Instrument nach Klavier, lernt sie die Yang Ch’in, eine chinesische Dulcimer oder auch Burdunzither.
Als die beiden Sänger und versierten Multiinstrumentalisten 1981 nach London übersiedeln, müssen sie jedenfalls nicht lange überlegen, welcher Stilmittel sie sich bedienen, wenn sie auf abgedroschene Rockformeln verzichten wollen. Lieber erschließen sie sich sakrale Musik für ihre Zwecke, oder besinnen sich der ethnischen Einflüsse aus Lisa Gerrards Kindheit. An ihrer multikulturellen Prägung mag es auch liegen, weshalb sie in einer Phantasiesprache singt, »die erste noch erfunden werden muss« – weil sich jemand durch die Verwendung einer bestimmten Sprache ausgeschlossen fühlen könnte. Sehr gut möglich aber auch, der ungewöhnliche Sprachgebrauch dient der zusätzlichen Verrätselung, damit das Publikum seine Aufmerksamkeit besonders scharf stellt, schließlich gibt es wirklich weitaus mehr als verbale Belanglosigkeit zu entdecken. Ihr Themenkatalog umfasst nicht weniger als die großen Fragen der Menschheit, oder sie schwärmen einfach ungeniert von der Schönheit der Natur.
Auf jeden Fall spricht das Rätsel wieder, und das begeistert den weit verzweigten Freundeskreis ungemein. Wer noch nicht Mitglied sein sollte, aber dringend Anschluss sucht, dem seinen diese Albumveröffentlichungen ans Herz gelegt – »Aion« (1990), wo das sakrale Element zur Gänze ausgreift ist, sowie »Spiritchaser« (1996), das einen entzückenden Regenbogen ethnischer Einflüsse entfaltet. »In Concert« (PIAS) vermittelt einen lebhaften Eindruck, wie Dead Can Dance auf ihrer aktuellen Tour klingen.
Bernd Gürtler
Dead Can Dance; 16. Juni, 20 Uhr, Freilichtbühne Junge Garde
Tickets: www.cybersax.de
www.deadcandance.com