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Cybersax | Kultur | 15.11.2011 | 16:16 Uhr

Virtuelle Körperwelten

Das CYNETART-Festival vom 16. bis 26. November im Festspielhaus Hellerau

Man kann den tschechischen Medienphilosophen Vilém Flusser mit Recht als Visionär bezeichnen. Schon 1986 ahnte er voraus, wie Menschen in einer von Facebook und Twitter geprägten Welt interagieren würden: „Statt weiterhin mit dem Universum der Objekte konfrontiert zu sein, wird das Individuum über zahlreiche Kanäle mit anderen Menschen vernetzt sein, und alle werden untereinander Informationen austauschen.“

An diesem digitalen Erleben nimmt der Körper nur partiell und indirekt teil: Geruchs- und Geschmackssinn, Füße und Beine etwa kommen mit Computer oder Smartphone äußerst selten in Kontakt. Der Fokus liegt dagegen auf dem Auge, das in virtuelle Welten schaut. Aber wie genau haben die neuen Informationstechnologien unsere Körperwahrnehmung verändert? Dieser Frage widmet sich ab dem 16. November die CYNETART im Festspielhaus Hellerau.

Das vor 100 Jahren eröffnete Gebäude beherbergte ursprünglich eine „Bildungsanstalt für Musik und Rhythmus“, die sich der „Befreiung des Körpers“ verschrieb. Die inzwischen 15. Ausgabe des Festivals für computergestützte Kunst steht ganz im Zeichen dieses Jubiläums und verwandelt den von Heinrich Tessenow entworfenen Bau in ein „Raum-Labor“. Das umfangreiche Programm lockt die Besucher bis zum 26. November mit einer Ausstellung, Performances, Lesungen, Vorträgen zum Thema „Körper-Wahrnehmung in Pädagogik, Therapie & virtuellen Environments“ und der beliebten „Automatique Clubbing“-Nacht nach Hellerau.

Ein besonderes Schmankerl ist die „CineChamber“, ein acht mal zwölf Meter großer Raum, dessen Wände aus zehn Großbildschirmen bestehen. Ausgestattet mit einem 8.8.2-Mehrkanalklangsystem kann er als riesiges audiovisuelles Instrument von Künstlern und Musikern bespielt werden. Für die CYNETART wurden etwa der Klangforscher Edwin van der Heide und der Medienkünstler Lillevan beauftragt, neue Arbeiten für die „CineChamber“ zu entwickeln. Diese sind – zusammengestellt zu circa 60 Minuten langen Blöcken – am 25. und 26. November zu erleben. Live performt unter anderem Ulf Langheinrich, Teil des Künstlerduos „Granular Synthesis“, am Freitagabend im telegenen Environment.

Wer dann noch nicht unter audiovisueller Reizüberflutung leidet, kann am letzten Abend der CYNETART beim „Automatique Clubbing“ zu elektronischen Klängen von Deep Rave bis Dupstep tanzen. Es wäre aber nicht die CYNETART, wenn tanzen hier lediglich „sich bewegen und dabei Spaß haben“ bedeuten würde: Im Raum verteilte Interfaces erfassen die Bewegungen der Tanzenden, die so Einfluss auf die Musik und die dazugehörigen Echtzeitanimationen nehmen. Körper und virtuelle Welt bedingen sich gegenseitig.
Anne Kohlick

CYNETART 2011 16. bis 26. November, Festspielhaus Hellerau
www.cynetart.de

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