Die Paradiesnacht

Am 4. Oktober gibt es in der Johannstadt ein interkulturelles Musikfest

Paul Hoorn

Die meisten kennen Paul Hoorn als Musiker, als einen von drei Blauen Einhörnern. Seit der Übergangphase zu Auflösung des Weltmusik-Trios 2013 arbeitet er an der Evangelischen Hochschule, und auch hier treibt es ihn musisch um – zwei Chöre und ein Orchester, dazu jede Menge kleine Projekte, nicht zu vergessen seine eigenen Ensembles Paul Hoorn & Freunde oder Paul Hoorn & Musighistan.

Im Sommer 2015, als Dresden Ankunftsort für viele Geflüchtete wurde, dachte auch Paul darüber nach, was er tun könne. »Ich wollte wissen, was das für Menschen sind, was sie erlebt haben. Also habe ich ersteinmal auf der Bremer Straße eine Woche lang für das Rote Kreuz Klamotten sortiert, dann durfte ich einmal wöchentlich im Kinderzelt mit Trommeln der Hochschule Musik mit den Kindern machen. Aber eines Tages gingen die Kinder zum Baden, und nur die Erwachsenen waren in dem Aufnahmelager. Da habe ich gemerkt, wie sehr auch sie sich nach Musik sehnen. Da wurde getanzt und getrommelt – es war ganz toll.«

Als das Herbstsemester der EHS begann, wurde das Musikmachen dorthin verlegt. Zunächst entstand eine Trommelgruppe mir hauptsächlich Männern, später kam ein Kinderprojekt hinzu, das aber vor allem auch Frauen die Möglichkeit zum Trommeln geben sollte. Aus diesen ersten Erfahrungen heraus entstanden Unterrichtsangebote für verschiedenste Instrumente wie Geige, Saxofon oder auch Oud – sowohl für die Neuankömmlinge wie auch für Einheimische. »Die Vision ist da aufgegangen von einer Art Volkshochschule, in der man sich gegenseitig etwas beibringt«, meint Paul Hoorn, der das Projekt »Paradiesisch musizieren« getauft hat. Das Orchester umfasst  immerhin mittlerweile 20 Musizierende, zunhemend gibt es auch Anfragen für Konzerte. Im Herbst soll zudem im Café Halva eine neue Trommelgruppe für Frauen entstehen.

Aber wie gestaltet sich das Repertoire bei einer solch kulturell gemischten Gruppe? »Ich mache Vorschläge und Musiker machen Vorschlage. Wir spielen arabische Stücke, Musik aus Afghanistan, Brasilien und auch ein hebräisches Lied ist dabei. Da raufen sich professionelle Musiker mit Autodidakten zusammen, da wird Völkerverständigung gelebt, auch, wenn es nicht immer einfach ist.« Paul Hoorn sieht das sowohl als tolle Schule wie auch ein soziales Experimentiertfeld.

Am 4. Oktober schließlich wird es an der Evangelischen Hochschule eine »Paradiesnacht« geben, die all das muskalisch Erreichte für jeden erlebbar macht. Als Gäste werden Kinder vom Mosaik-Orchester aus Prohlis dabei sein, das Orchester des interkulturellen Kolibri e.V. (mit dem »Paradisiesch musizieren« kooperieren wird), es kommt die Kangaroo Band der Banda Inmternationale. Es gibt Wortshops zu unterschiedlichen Instruemten, bei denen man sich austauschen oder auch einfach mal probieren kann. Natürlich spielt das Paradies-Orchester in großer Besetzung mit dem Chor der Studierenden. Dazu kommt noch eine kurdische Sängerin und der syrische Musikwissenschaftler Obeid Alyousef mit seinem Ensemble Viertelton, bei dem sich auch viele Deutsche in die arabische Musik integrieren.

»Sinn des Ganzen ist es, diese ehrenamtliche Arbeit bekanntzumachen, die hier mit studentischer Beteiligung sowie Unterstützung von Stadt und Hochschule stattfindet. Wir wollen aber auch mehr Menschen finden, die gern mit dabei sein wollen – als Mitwirkende oder als Lehrende. Jeder ist willkommen. Ich kann nur sagen: Es lohnt sich, denn man hat hier viele großartige Erlebnisse.«
JH

Paradiesnacht
4. Oktober, ab 16.30 Uhr, Evangelische Hoschule, Dürerstraße 25
www.paradiesmusik.wordpress.com