Ein neuer Stern ist geboren

Natalia Posnova war mit Trinity of Queen bei den Jazztagen Dresden

Foto: Hans-Joachim Maquet

Natalia Posnova ist eine am Konservatorium in Sankt Petersburg ausgebildete klassische Konzertpianistin und Komponistin. Bei den Jazztagen Dresden trat sie aber nicht mit einem klassischen Programm auf, sondern mit Musik der Rockgruppe Queen. „Schon wieder eine von diesen ständigen Retro-Hommages!“ denkt man – und dann kommt doch alles ganz anders. Man hätte es sich bei der Besetzung der „Trinity of Queen“ schon denken können. Posnova wird unterstützt durch den Bassisten Tom Götze und den schon von den Klazz Brothers bekannten Schlagzeuger Tim Hahn.

Noch bevor der erste Ton erklungen ist, ist die erste Überraschung bereits perfekt: Obwohl dieses Trio noch gar keine Zeit hatte, bekannt zu werden, ist das Societätstheater restlos ausverkauft. An der Abendkasse müssen mehrere Interessenten mit bedauerndem Achselzucken wieder nach Hause geschickt werden. Um es vorwegzunehmen: das Konzerterlebnis rechtfertigte diesen Zuspruch restlos. Es war eben nicht bloß das Nachspielen der bekannten Hits, nicht einmal nur ein bloßes Umarrangieren für ein Trio. Natalia Posnova verwendete nur die Melodien, erschuf aber ansonsten vollkommen eigenständige Neukompositionen, indem sie sich der Musik der Gruppe gekonnt aus der Klassik näherte. So wurde zum Beispiel aus der Dur-Bohemian Rhapsodie von Freddy Mercury nun ein Moll-Werk von Natalia Posnova. Das war neu. Es war stimmig. Und es war groß.

Hinzu kam die vollkommene Technik der zarten kleinen Pianistin, die ebenso wie die Soli von Tom Götze und Tim Hahn das Publikum immer wieder zu Begeisterungsstürmen hinriß. Der Boden im Societätstheater bebte ein ums andere Mal unter dem Fußgetrampel, mit dem das Publikum seinen Applaus unterstützend ausdrücken wollte: bloßer Applaus wäre für diese Leistung zu wenig. Man hatte den Eindruck, bei der Geburt von etwas ganz Großem, dem Entstehen eines neuen Sterns am Musikhimmel, dabeigewesen zu sein. Das sieht wohl auch Brian May, Gitarrist von Queen so, der ein Video von Natalia Posnova online gestellt hat. Natürlich gab es Zugaben und Jazztage-Intendant Kilian Forster war gut beraten gleich an dem Abend mit den Musikern ein Zusatzkonzert zu vereinbaren. Das wird am 23. April 2018 im Rahmen der Reihe Jazz no Talk im Brockmann und Knödler Salon im QF stattfinden. Es gibt also auch Hoffnung für diejenigen, die dieses Mal mit ihrem Kartenkaufentschluß zu spät gekommen sind. Dieses Trio wird seinen Weg gehen. Aber der Ausgangspunkt wird unauslöschlich der erste Festival-Auftritt bleiben. Und der war bei den Jazztagen in Dresden.

Das Programm wurde amüsant abgerundet durch Zwischenmoderationen, in denen sich Peter Freestone, Freund und Assistent des viel zu früh tragisch verstorbenen Genies Freddy Mercury, an der deutschen Sprache abmühte. Das Publikum dankte für diesen mutigen „running gag“, der Teil des mit der Eintrittskarte eingekauften Entertainment-Pakets war, mit fröhlichem Zusatzapplaus.
Die Jazztage Dresden sind mit einem größeren Programmangebot als jemals zuvor mit täglich mehreren Konzerten noch bis 26. November zu genießen. Das Programm findet man unter jazztage-dresden.de. Karten gibt es an den üblichen Vorverkaufsstellen und über das Internet.
Ra.

Trinity of Queen
11. November, Societaetstheater