Jubiläum mit Weile

Das 10. Sächsische Theatertreffen in Dresden

Szenenfoto aus "Tschick". Foto: Matthias Rietschel

Selbst bei der Pressekonferenz war Lockerheit Programm – so als ob alles normal liefe. Doch das zehnte Sächsische Theatertreffen, seit der achten Folge 2014 in Leipzig als Leistungsschau mit Jury deklariert, und nun zum zweiten Male in Dresden zu Gast, steht unter dem Stern der Verzögerung, auch wenn im Material, endlich offiziell am 10. April verkündet, noch behauptet wird, dass seit 1. März alles im Netz stünde. Wirklich geschah dies über zwei Wochen später – genau am 16. März, so dass die Leser der vier Stadt- und diverser Fachmagazine behufs weitreichender Planung lange (also bis jetzt) in eine dunkle Röhre schauten.

Den Höhepunkt liefert schon die Eröffnung: Mit „Homo faber“ (2.5., 19.30 Uhr) kommen sowohl Hasko Weber als Regisseur als auch Philipp Otto und Dirk Glodde in den Hauptrollen als Festivalbeitrag des Chemnitzer Schauspiels zurück an ihren Karrierestartpunkt. Auch das Dresdner Staatsschauspiel bringt als einer der drei Gastgeberbühnen sein derzeit bestes Geschütz alsoffiziellen Beitrag in Stellung: „Das große Heft“ am Freitag (4.5., 19.30 Uhr) nach dem Roman von Ágota Kristóf in Regie von Ulrich Rasche. Ähnlich brisant knistert es „Am Boden“ aus Zittau (Foto: Pawel Sosnowski) und bei „German History“ aus Plauen (Foto: Peter Awtukowitsch) – jeweils in Regiehandschrift der Intendanz, also jener von Dorotty Szalma und Roland May, wobei letzterer ein echt eigenwillige Heiner-Müller-Ode schuf.

Die anderen beiden Gastgeber, die das Fest im Auftrag des Landesverbandes Sachsen im Deutschen Bühnenverein mitorganisieren und deren Neubau im Kraftwerk Mitte der eigentliche Grund für die Vergabe nach Dresden war, bieten „Candide“ (Staatsoperette, 5.5., 19.30 Uhr) und „Der Junge mit dem Koffer“ (Theater Junge Generation, 3.5., 10 Uhr). Anders als zuvor kommt Musiktheater zur Geltung, so dass die Oper Leipzig mit „LoveMusik“ in die Staatsoperette kommt. Auch die Road Opera „Tschick“ als Beitrag der Landesbühnen, László Varga als „Jacques Brel“ aus Annaberg-Buchholz oder Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ als Oper aus Freiberg fallen in diese Sparte. Am Sonntag zum Abschluss kommt das Leipziger Schauspiel mit Ibsens „Peer Gynt“, welches dermaßen aktuell ist, dass es zwei Wochen vorher in Leipzig schon abgespielt ist. Danach (6.5., 21.45 Uhr) erfolgt die Preisverleihung, die 2014 in Leipzig eingeführt wurde.Man könnte nahezu meinen, Dresden 2018 habe schon vor Beginn vor Bautzen 2016 kapituliert. Denn dort zur 9. Edition, wo das Leipziger Theater der Jungen Welt mit „Crystal – Variationen über Rausch“ (zweimal tobend ausverkaufter Saal) verdient gewann, gab es nicht nur echtes Festivalfieber und jeden Abend einen echte Klubparty mit allen Akteuren des Tages, sondern auch 3 800 Zuschauer in 17 kartenpflichtigen Vorstellungen, was eine satte, eigentlich sensationelle Auslastung von 90 Prozent bedeutete.

In Dresden herrscht – neben der gemeinen Frühjahrsfestivalitis, die Spötter gern als Kulturüberschuss sehen, zudem wenig Inspiration vor: Vergleicht man Festivalprogramm mit normalen Repertoire der drei gastgebenden Häuser, erkennt man jenseits der auswärtigen Gastspiele kaum Extravagantes. Es sei denn, man wertet Sachsen Chefminister als Schirmpräsident derartig.  
Andreas Herrmann

10. Sächsische Theatertreffen 2. bis 6. Mai, www.saechsisches-theatertreffen.de