Mit Tak und Tik

Mit Disziplin und kühlem Kopf holt Dynamo den Sieg beim Jahn

Foto: SG Dynamo Dresden

Man kennt diese ewig gleichen Aussagen von Trainern und Spielern, dass man einen Plan hat, den man dann versucht, auf den Platz zu bringen. Ganz oft klappt das nicht. Weil der Gegner anders spielt, als erwartet, weil das eigene Team den Plan nicht verstanden hat oder die Vorgaben des Coaches das Vermögen der Mannschaft schlichtweg überfordern. Am letzten Sonntag in Regensburg jedoch hat man klar gesehen, wie das passen kann: ein Plan auf dem Grün.

Halbzeit eins: Aosmans Löffel, Schwäbes Hacke

Das kann ja was werden: Die einen bringen im eigenen neuen Stadion nichts zustande, die anderen fremdeln in der Fremde. Zudem die Nachricht von der Heise-Verletzung; ausgerechnet Heise, dessen Flanken und Tore eigentlich unverzichtbar scheinen. Für ihn soll es also Fabian Müller richten, der mit seinen Mal-so-mal-so-Leistungen in alle Richtungen überraschen kann. Neben Kapitan Hartmann steht endlich mal wieder Lumpi Lambertz auf dem Platz und vorn soll es Peniel Mlapa richten.

Diesmal schient es, dass es Dynamo nicht mit einem permanent hoch pressenden Gegner zu tun bekommt, was den Defendern einen etwas ruhigeren Arbeitstag beschert. Und offensiv? Wie wäre es mal mit einem frühen Tor? Fast, aber nur fast hätte das geklappt. Denn bereits nach vier Minuten und 30 Sekunden sieht Jahn-Keeper Pentke nach einem Rückpass Lumpi auf sich zulaufen. Jeder weiß, dass da immer alle Alarmleuchten angehen sollten, denn die 17 hat mal selbst gesagt, dass er das Anlaufen nicht aus Alibigründen macht, sondern weil er den Ball erobern will. Pentke sieht also den Herrn Lambertz auf sich zu rennen, wobei der 1,72-Hüne immer größer wird, Schatten wirft wie der Berg (#gameofthrones). Kein Wunder, dass der Torwart in Panik ausbricht wie ein ganzes Lindenberg-Orchester und den Ball einfach irgendwohin drischt – Hauptsache Riese Lumpi kommt nicht näher. Aber wo der nicht ist, lauert Aias Aosman: Ball abfangen, bis zur Strafraumgrenze laufen und … Und was nun? „Ich hatte mir extra viel vorgenommen“, schießt es durch den Kopf des Ex-Jahners. Auf die Kurze flach? In die lange flach? Links ist Lumpi komplett frei mit dem leeren Tor vor der Brust. Noch weiter links lauert Mlapa. Wie ging das gleich auf der Play Station? Ach was: Lupfen sieht immer geil aus. Aber lupfen bitte, NICHT löffeln. Am Ende sieht man eine Bogenlampe über den Balken segeln, die weder Glanz noch Gloria hinterlässt. Klar, dass Aosman lieber nicht in Richtung seiner beiden Kollegen guckt.

Aber gut, ein Anfang ist gemacht und Regensburg hat schon ein wenig Pipi in der Hose. Das wird ein wenig mehr, als Haris Duljevic nur eine Minute später abzieht, aber den Ball nicht richtig trifft – Pentke muss sich trotzdem strecken. Zudem fällt sofort auf: Hinten herrscht Sicherheit. Der Doppelstaubsauger Hartmann/Lambertz funktioniert blind im Zusammenspiel mit den immer wieder hoch gehenden Außenverteidigern, das Duo Müller/Ballas spielt, als wär es nie anders gewesen – Regensburg sieht da offensiv aus, als hätten sie die Domspatzen auf das Feld geschickt.

Nach einem Dutzend Minuten gibt es wieder dynamischen Druck, während der Jahn nur noch die Bälle rausschlägt. So kann sich Paul Seguin schön fast an die Grundlinie durchtanken, lässt dabei zwei Gegner wie Slalomstangen stehen und prüft dann den unsicher wirkenden Pentke aus sehr spitzen Winkel. Nur: Auch hier stand in der Mitte ein Kollege der Sportgemeinschaft deutlich besser. Schade, hätte Hartmut gesagt.

In Minute 18 kommt dann auch mal Mlapas Größe ins Spiel, als er einen Pass im Rückwärtslaufen perfekt in die Füße des stürmenden Aosman köpft, dessen Pass allerdings vom Torwart abgefangen wird, bevor der ins Abseits gelaufene Duljevic das Runde erreichen kann. Hätte nicht gezählt, sah aber gut aus.

So ab der 20. Minute kommt etwas mehr von der Heimelf, aber es wird nie richtig gefährlich, weil Dresden die defensive Ordnung hochhält und Marvin Schwäbe alles wegfängt, was auf Armlänge an ihn herankommt. Allein mit welcher Ruhe und Grandezza Jannik Müller einen Konter in der 34. Minute vernichtet, sollte Taktik-Nerds jubeln lassen. Und dass nicht nur Florian Ballas, sondern sogar Lumpi im eigenen Strafraum Kopfbälle gewinnt, muss hier dringlichst erwähnt werden. Nach vorn wiederum deuten die Dynamischen an, dass sie hier Geduld haben und Spielkultur walten lassen wollen. Immer wieder gibt es Doppel- und Kurzpassstaffetten, selten lange Bälle auf Mlapa, der aber momentan mehr seine Qualitäten andeutet, als dass er sie nachweist. Zungeschnalzen dann in Minute 41, als Duljevic einen langen Pass von Ballas fast auf der Seitenlinie locker mitnimmt. Man kann sich auch an anderen Dingen erfreuen, wenn keine Tore fallen. Das darf dann auch mal ein Hackenpass von Schwäbe sein.

Bevor es aber in die Pause geht, ein Wort an Herrn Adamyan: Es ist schlichtweg untersagt, einen Lumpi Lambertz zu foulen. Das macht man nicht. Man darf ihn vielleicht mal sacht schubsen, aber keinesfalls einfach in die Wade treten. Und dann gibt es dafür nicht einmal Gelb. So, nun aber doch Pause.

Zweite Halbzeit: Vorn zwei, hinten null

Wie wäre es denn mal mit einem frühen Tor in der zweiten Halbzeit? Und so braucht es eben nicht immer nur den Santa Claus, um Wünsche erfüllt zu bekommen, es darf auch mal Sascha Horvath sein. Denn es sind nur drei Minuten gespielt, da zeigt der Fabian Müller, dass auch in ihm ein Heise stecken kann: An der Mittellinie spielt er steil auf Duljevic, der einen Minihaken um seinen Gegner schlägt, weil er sieht, dass Müller den Raketenantrieb gezündet hat und in den freien Raum läuft. Genau dahin sendet die schwarz-gelbe 11 den Ball, Müller, ach nennen wir ihn heute Fabi, nimmt das Runde mit, sieht in der Mitte den blank stehenden Horvath, spielt diesen sehr genau an – und der kleine Ösi hält mit aller gebotenen Übersicht die Schlappeninnenseite hin und vollendet in die verwaiste Mitte des Tores. Es ist der erste Treffer des Ex-Grazer Wuselfinken.

Nur drei Minuten später hätte er fast seinen zweiten gemacht. Aosman kontert über das halbe Feld, sieht außen Duljevic, der den Laufweg von Horvath erahnt oder erfühlt und einen perfekten Pass an die Strafraumgrenze spielt, wo ausgerechnet Ex-Dynamo Marvin Knoll die Chance vereitelt. Mit dem Arm erwischt er Horvath noch außerhalb des Sechzehners, aber die leichte Sense kommt hinter der Linie. Elfmeter! Es bedarf wohl keiner Diskussion, wer heute und hier an den Punkt treten darf: nur Aias Aosman (wir erinnern uns bei der Gelegenheit an den wunderbaren letzten Schuss beim Pokal-Elfmeterschießen gegen RB Voldemort). Kurz gesagt: wuchtig rechts rein, Pentke rutscht nach links. Zweinull.

Die „restliche“ halbe Stunde dient nun vor allem dazu, ein Gegentor zu verhindern, ohne dabei Betonfußball zu spielen. Hinten wird mit Übersicht organisiert, vorn tanzt mal Duljevic gegen drei und auch Mlapa hat noch zwei Versuche. Das alles ist Plan-Routine, gespielt ohne Arroganz. Taktisch sollte das Trainerteam zufrieden sein. Klar müssen die eingewechselten Röser und Benatelli aus ihren Chancen wenigstens das dritte Tor machen, aber wichtiger ist dieser ebenso verdiente wie ungefährdete Auswärtssieg, der Schwäbe die sprichwörtliche weiße Weste beschert. Und wenn man zwei Spieler herausheben möchte, dann sind das Haris Duljevic, der einen Gogia schon bald vergessen machen könnte, und Lumpi, der bitte wieder öfter neben Hartmann spielen sollte.

Fazit: Wer die Ergebnisse des Wochenendes betrachtet, sieht, dass das große Jeder-siegt-gegen-jeden munter weitergeht. Nur Teams, die hier mal drei oder vier Siege am Stück landen, können sich absetzen. Mal sehen, was gegen Bielefeld geht.
Uwe Stuhrberg

Jahn Regensburg  vs. Dynamo Dresden: 0:2

17. September 2017, Anstoß: 13.30 Uhr
Tore: 0:1 Horvath (48.), 0:2 Aosman (51., Elfmeter)
Dynamo Dresden: Schwäbe, Seguin, J. Müller, Ballas, F. Müller, Hartmann, Lumpi (83. Hauptmann), Horvath, Aoasman, Duljevic (72. Benatelli), Mlapa (67. Röser)
Ohne Einsatz: Schubert, Gonther, Kreuzer, Konrad
Schiedsrichter: Christof Günsch
Zuschauer: 14.831
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