Vom Kampf für die Gerechtigkeit

Eine Ausstellung zum Wirken von Fritz Bauer im Militärhistorischen Museum

Manche Menschen schwimmen mit dem Strom, sie passen sich an, verdrängen und vergessen gern, verschließen ihre Augen vor der Wirklichkeit, weil das meistens einfach bequemer ist. Aber es gibt auch außergewöhnliche Menschen, die gegen den Strom schwimmen, die Vergangenheit nicht nur als gegeben akzeptieren und mit erhobenen Finger auf die Dinge zeigen, die niemand sonst sehen will. Fritz Bauer war so ein ungewöhnlicher Mensch und musste deshalb während seiner Lebzeiten viel Ablehnung ertragen. Er wurde verfolgt, beschimpft, verleumdet und bedroht, doch nichts dergleichen ließ ihn von seiner Bestimmung – dem Kampf für die Gerechtigkeit – abbringen.

Bauer war ein juristischer Widerstandskämpfer im Nachkriegsdeutschland, der für seinen Glauben an Gerechtigkeit und Justiz bis ans Äußerste ging. Ein Held, der kein Held sein wollte, sondern einfach nur so handelte, wie er es für richtig und gerecht erachtete, und damit zu einem der bedeutendsten Nazi-Jäger nach dem Krieg wurde. Fritz Bauer hat als Generalstaatsanwalt, der die Frankfurter Auschwitzprozesse auf dem Weg gebracht hat, Geschichte geschrieben. Doch kaum ein Schüler kennt heute noch seinen Namen, in den Gesichtsbüchern scheint er einfach vergessen worden zu sein. Dass er nicht nur ein außergewöhnlicher Mann war, sondern auch ein bedeutender Zeuge der NS-Verbrechen und der wohl größte Botschafter seiner Zeit für die Gerechtigkeit war, zeigt nun die Ausstellung „Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht.“ im Militärhistorischen Museum.

Die Ausstellung widmet sich nicht nur Bauers Biografie, den Gerichtsverfahren und NS-Prozessen, für welche Bauer sich einsetzte, sondern auch seinem rechtphilosophischen und humanistischen Denken. Bauer, der als Jude und Sozialdemokrat im Hitler-Deutschland verfolgt und unterdrückt wurde, ins Exil nach Dänemark und Schweden fliehen musste und gezwungen wurde, während dieser Zeit sein juristisches Wirken auf Eis zu legen, hatte ein entscheidendes Ziel, das er nach dem Krieg verfolgte: Er forderte Gerechtigkeit für all die unzähligen Holocaust-Opfer, politisch Verfolgten, gesellschaftlich Verachteten und die unzähligen Ermordeten. Die gesellschaftliche und juristische Auseinandersetzung mit dem NS-Unrechtsstaat und den dafür Verantwortlichen wurde sein Lebenswerk. Dieses kann man nun anhand von Interviewausschnitten, privaten Fotografien und Dokumenten von Bauer, aber auch Gerichtsaufzeichnungen und Zeugeninterviews im Militärhistorischen Museum bis zum 27. Juni begutachten.

Parallel zu der Sonderausstellung gibt es ein Begleitprogramm, am 15. Mai etwa findet im Stadtmuseum Dresden der Vortrag „Fritz Bauer – Der Jurist und Sozialdemokrat“ mit Bundesjustizministerin a.D. Prof. Dr. Herta Däubler statt und am 15. Juni in der Gedenkstätte Münchner Platz Dresden eine Veranstaltung unter dem Titel „Recht und Gerechtigkeit? 70 Jahre Dresdner Euthanasie-Prozesse“.
Felicitas Galinat

Fritz Bauer. Der Staatsanwalt. NS-Verbrechen vor Gericht
Sonderausstellung bis 27. Juni im Militärhistorischen Museum Dresden
Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3 Euro
www.mhmbw.de