CyberSAX - Die Online-Ausgabe der SAX

Verdi - diesmal doppelt maskiert

Italienisches Melodrama "Ein maskenball" an der Semperoper

Es zählt nicht zum Allgemeinwissen, dass schon Giuseppe Verdi Probleme mit der Zensur hatte. Seine frühen Opern wurden zumindest teilweise als Kampfansage an die repressive Restaurationspolitik der Staaten der Heiligen Allianz und als Befürwortung der staatlichen Einheit Italiens aufgefasst. Der Name Verdi wurde als Kurzform für Vittorio Emanuele Re d'Italia Symbol eines politischen Programms. Seine 1859 in Rom uraufgeführte Oper Un ballo in maschera (Ein Maskenball), die jüngst an der Staatsoper Premiere hatte, konnte aus außenpolitischen Rücksichten auf Druck der Bourbonen nicht in Schweden handeln. Deshalb gibt es die Variante, bei der das Geschehen nach Boston verlegt wird und die handelnden Personen jeweils andere Namen tragen. Schon im Original wird nicht recht klar, wer auf welcher Seite steht und entsprechende Funktionen hat. Zum Beispiel wird Riccardo, die männliche Hauptfigur, nur als Machthaber bezeichnet. Ort, Zeit und zugehöriges Gemeinwesen sind von sekundärer Bedeutung.
Damit wären eigentlich prachtvolle Bausteine vorhanden, um daraus eine plausible und logische Geschichte zu bauen. Sogar politische Inhalte (bitte nicht mit ideologischen verwechseln!) sind bei dieser Konstellation möglich und müssen nicht zu Peinlichkeiten einer Aktualisierung um jeden Preis führen. In Dresden geht die Regisseurin Elisabeth Stöppler einen anderen Weg. Sie bemüht sich, bei allen Personen erst einmal zu zeigen, dass Menschen eigentlich nicht miteinander leben, vielleicht sogar nicht einmal störungsfrei nebeneinander existieren können. Damit kommt natürlich auch keine echte Paarbeziehung zustande. Eine solche Geschichte kann durchaus spannend erzählt werden, aber dazu bedürfte es einer anderen Musik. Die Personenführung ist Konsequenz der Kommunikationsunfähigkeit. Rebecca Ringst und Annett Hunger verzichten auf ein herkömmliches Bühnenbild und arbeiten nur mit Hubpodien und hängenden Quadraten. Auf ihnen agieren die Solisten, mit denen mensch über weite Strecken einverstanden sein kann, und der Staatsopernchor, der mit einer Riesenpartie durchweg überzeugt. Die musikalische Leitung Carlo Montanaros kommt erst mühsam in Gang, bis wenigstens im Schlussakt die Staatskapelle endlich in Schwung kommt und die Musik tatsächlich nach Verdi klingt.
Das Inszenierungsteam hat sich um eine Lesart bemüht, die möglich ist, im vorliegenden Fall aber nicht schlüssig aufgeht.
PETER ZACHER

Un ballo in maschera/Ein Maskenball Melodrama in drei Akten von Giuseppe Verdi, Regie Elisabeth Stöppler, Semperoper. Nächste Vorstellungen: 3., 6., 9., 16.2.2012.
www.semperoper.de

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