CyberSAX - Die Online-Ausgabe der SAX

Wenn der Fuchs verblödet

Fuchsige Theaterinszenierung im Societaetstheater

Klug und hübsch war er einst, der wunderbare Fuchs. Ein schlaues Tier, wusste all jene Tricks, die einen unbeschwert durch das Leben bringen. Einen Spaß nach dem anderen erlaubte er sich mit den Gänsen. Die Hunde des Jägers rannten ihm nach und hatten das Nachsehen. Auch die jüngeren Füchse liefen ihm nach, doch sie gierten nach all den Geschichten, die der Fuchs zu erzählen wusste. Es kam jedoch, wie es kommen musste. Auch ein Fuchs altert, unausweichlich. So trug es sich zu, Stück für Stück vergaß er, was einst sein Wissen war. Wie lange kann ein Fuchs baden, ohne zu essen? Welches Nest war nun das seine? Dieses Umherirren, dieser halbleere Blick, das Licht des leidenschaftlichen Lebens leicht erlischt. Die Hunde des Jägers bekommen davon natürlich Wind und so müssen die Jüngeren den alten Fuchs retten, seine Wunde heilen, den Schmerz lindern. Der Verstand jedoch ist weg, den hat der Fuchs verloren. All die Geschichten, von denen die Jüngsten einst nie genug bekamen, helfen nun dem alten Fuchs zurück auf den Pfad der Erinnerungen. 
Die Theaterinszenierung von Compagnie Freaks und Fremde erzählt, genau wie das gleichnamige Buch von Martin Balscheit, vom Altwerden und Vergessen. Spielerisch und voller Feinsinn, den erhellenden Humor einer Geschichte nutzend, zeigen sie Möglichkeiten im Umgang miteinander, wenn einer am Abgrund des Vergessens steht. Da das Wissen um die Welt der Kinder dem der Älteren immer noch am ähnlichsten ist, ist es eine Inszenierung mit Puppen- und Objekttheater.
Es blüht zaghaft die Hoffnung, dass der Verstand wiederkehrt. Denn, wenn der schlaue Fuchs nicht mehr der Schlaue ist, wer ist es dann?
JB 

Geschichte vom Fuchs, der den Verstand verlor 8. Juni, 20 Uhr, Societaetstheater, www.societaetstheater.de

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