In den Gängen

Zärtlicher Liebesfilm über drei Menschen im Strudel des Lebens

Liebe kann überall passieren, auch in der nüchternen Atmosphäre eines Großmarkts in Sachsen, wo sich zwei verlorene Seelen unter flackernden Neonleuchten und zwischen hohen Regalen finden. Schon hinreißend, wenn zu Beginn der Walzer »An der schönen blauen Donau« erklingt. Thomas Stuber (»Herbert«), 1981 in Leipzig geboren, beweist erneut sein Händchen für sensible Figurenzeichnung.
Die großartige Adaption von Clemens Meyers Kurzgeschichte aus dem 2008 erschienenen Erzählband »Die Nacht, die Lichter« ist ein zärtlicher Liebesfilm über drei Menschen im Strudel des Lebens.

Da ist Christian der schüchterne Gabelstaplerfahrer, den der erfahrene Bruno aus der Getränkeabteilung unter seine Fittiche nimmt und die kokette Marion von den Süßwaren, die gerne mit dem »Frischling«, wie sie Christian nennt, flirtet. Der sich in sie verliebt, bald fiebert der ganze Großmarkt mit und natürlich auch das gespannte Publikum. Wenn die beiden sich vor der Palmentapete in der Cafeteria treffen, er sie zaghaft anhimmelt und ihr ein YES-Törtchen mit Kerze zum Geburtstag schenkt, liegt Romantik pur in der Luft, Sehnsucht nach einem anderen Leben. Doch jeder trägt sein Päckchen aus der Vergangenheit. Christian hat mal mit Freunden »Mist« gebaut, Bruno trauert seiner Frau und seinem Job als Fernfahrer nach, Marion hat einen gewalttätigen Mann zu Hause. Sie sind Wendeverlierer, Menschen, die aus ihrer Existenz katapultiert wurden und sich neu orientieren müssen.

Das wird bei Stuber aber nie larmoyant, bewegt sich atmosphärisch dicht zwischen verhaltenem Humor und leiser Melancholie. Herausragende Darsteller wie der unschlagbar überzeugende Franz Rogowski, eine in sich zerrissene und umwerfend gute Sandra Hüller und Peter Kurth als tragische Vaterfigur, pointierte Dialoge und eine erfrischende Portion Poesie verzaubern. Deutsches Kino vom Feinsten!
Margret Köhler

In den Gängen BRD 2017, Regie: Thomas Stuber
Mit Sandra Hüller, Franz Rogowski, Peter Kurth
Zu sehen im Programmkino Ost und in der Schauburg.
www.zorrofilm.de