Musterkünstler

Arbeiten von Antje Seeger in der Galerie drei

Die dreißigsten Geburtstage von unterschiedlichsten Vereinen und Initiativen werden sich in den nächsten Monaten häufen. Zu den ersten, die in der Phase des gesellschaftlichen Auf- und Umbruchs nach dem Mauerfall nach neuen Formen des gemeinsamen Arbeitens suchten, gehörten 23 Künstlerinnen, die sich schon im Dezember 1989 zusammenschlossen und die Dresdner Sezession 89 e.V. gründeten. Der Bezug auf die historische Sezessionsbewegung war bewusst gewählt, entscheidender aber war, dem eigenen schöpferischen Potential in der Gegenwart Ausdruck zu geben. Die heutige Welt, so heißt es im Manifest von 1990, brauche weibliche Wahrnehmungsweise aus weiblichem Identitätsgefühl heraus. Daran hat sich auch dreißig Jahre nach der Gründung der Sezession 89 nichts geändert.

Nicht zufällig ist es vor diesem Hintergrund, dass sich die Galerie drei, seit langem Wirkungsort der Sezession, zum Jubiläum mit der Ausstellung »Musterkünstler« – ein Wortspiel aus Mustermann und Künstler – politisch relevanten Fragen stellt. Die 1982 in Bad Frankenhausen geborene Künstlerin Antje Seeger, die vorwiegend mit Video, Fotografie und digitaler Grafik arbeitet, setzt sich in ihrer raumgreifenden Installation mit der gesellschaftlichen Rolle der Kunst auseinander. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind umfangreiche Recherchen, zu sozialen, politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen, aus denen die Künstlerin dann digitale Netzwerkgrafiken entwirft, deren ästhetischer Reiz im Spannungsfeld mit den durch sie aufgeworfenen Themen stehen. Untersucht und hinterfragt wird zum Beispiel das Beziehungsgeflecht zwischen Kunst und Wirtschaft.

Wird Kunst, wenn sie von Sponsoren aus der Wirtschaft finanziert wird, zum Lobbyisten dieser Unternehmen, die nicht selten direkt aus der Fahrzeug- oder gar Rüstungsindustrie kommen oder über finanzielle Verflechtungen damit verbunden sind? Gegenstand solcher Untersuchungen sind Unternehmen wie die Würth Gruppe, Waffenlieferanten im Jemenkrieg aber auch die Kunst- und Kulturstiftung der Ostsächsischen Sparkasse. Ein weiterer Aspekt ihrer Arbeit sind Muster im Kunstbetrieb, wie das sogenannte »Namedropping«, das sich mit Nennung prominenter Namen begnügt, ohne auf Inhalte einzugehen. Spannende Themen, zu denen Antje Seeger anlässlich der Finissage befragt werden kann.  
wo

Antje Seeger: Musterkünstler
Galerie drei, Finissage und Gespräch mit der Künstlerin am 11. Januar, 16 Uhr
www.sezession89.com