Blech auf dem Hirsch

LaBrassbanda kommen am 6. Juli nach Dresden. Ein Gespräch.

Schon mehrfach haben LaBrassBanda das Dresdner Publikum schwindelig gespielt und es gibt keinen Zweifel daran, dass das am 6. Juli wieder so sein wird, wenn es auch einigen schwer fiel, sich ziwschen den Blechblasfuriosos auf dem Weißen Hirsch und Feine Sahne Fischfilet bei den Filmnächten zu entscheiden. Nun ist es einfacher: Die Fischfilets sind abgesagt. Wir haben vorab ein Gespräch mit dem LaBrassBanda-Trompeter Jörg Hartl geführt.

SAX: Du bist seit sechs Jahren bei LaBrassBanda. Wie war eigentlich dein Weg zur Trompete und zur Band?
Jörg Hartl: Ich habe bereits in der ersten Klasse mit dem Trompetespielen angefangen, denn ich fand dieses golden glänzende Instrument einfach ganz toll. Zunächst brachte ich mir das autodidaktisch bei. Aber irgendwann muss man sich entscheiden, was man mit seinem Leben machen will, und da habe ich mir gesagt, dass die Trompete das Beste in meinem bisherigen Dasein war. Also begann ich Trompete zu studieren, und während des Studiums lernte ich Stefan Dettl, den späteren Frontmann und Mitgründer von LaBrassBanda kennen. Stefan studierte Klassik und ich Jazz, aber zum Üben haben wir uns regelmäßig verabredet, schließlich auch eine Wohnung geteilt. 2007 wurde dann LaBrassBanda gegründet mit damals nur einer Trompete. Als Stefan Dettl seine eigene Band als Nebenprojekt aufmachte, stieg ich dort als Trompeter ein. 2013 wurden LaBrassBanda personell aufgestockt, da hat Stefan mich gefragt und ich war sofort dabei.

SAX: LaBrassBanda waren in Deutschland Vorreiter in Sachen Verbreitung von Blasmusik über den Volksmusiktellerrand hinaus. Versucht haben das auch andere, warum hat es bei euch so durchschlagend geklappt?
Jörg Hartl: Das ist nicht so einfach zu beantworten, da gab es verschiedene Faktoren. Zum einen sind wir eine Band, die wahnsinnig lebensbejahend und lebenslustig ist. Man merkt beim Zuhören, dass hier ein in sich stimmiges Ensemble spielt. Zum anderen sind wir eine High Energy Band, in der jeder um jeden Ton quasi kämpft – und das überträgt sich auch auf das Publikum. Die merken, dass das nicht einfach nur eine Show ist. Und nicht zuletzt finden sich in unserer musikalischen Symbiose auch Elemente von Stilen, die man nicht mit Blasmusik in Verbindung bringt. Das mag schon manchmal wie eine Freakshow zwischen Polka und Techno wirken, aber etwas in der Art gab es eben vorher nicht.

SAX: Dazu kommt ja noch in vielen Stücken der Highspeed, den man eher aus dem Balkan kennt. Aber gehen wir mal zu den Anfängen. Es war ja nicht so, dass LaBrassBanda auf der Bildfläche erschien und sofort war da ein Riesenerfolg. Das Stück »Indian Explosion (Bauwagn)« erzählt ein wenig davon. Wir war das damals 2007?
Jörg Hartl: Man hat am Anfang fast wie in einer Kommune viel Zeit miteinander verbracht. Und man wollte in die Clubs gehen und Auftritte wie DJ-Sets hinlegen. Doch das gestaltete sich schwierig, denn im deutschsprachigen Raum kam diese Idee nicht gut an. Zudem sind wir nicht so eine fotogene Schubladenband, mit der die Musikindustrie sofort etwas anfangen kann. Dann kam aber die Fußball-EM in Österrreich und der Schweiz, da sind LaBrassBanda mit einem Bulldog medienwirksam herumgefahren. Und was in Bayern als merkwürdig angesehen wurde, dass da paar Typen barfuß und in Lederhosen absurde Musik machen, das kam im Ausland viel besser an, da gab es keine Ressentiments. So ging es nach Kroatien, später auf einen Trip mit der Transsibirischen Eisenbahn und durch England. Es war mit uns anfangs wie mit dem Propheten im eigenen Land. Erst als die einheimische Szene die Band durch den Erfolg in der Fremde als Geheimtipp wahrnahm, wurde es in Deutschand besser.

SAX: 2013 habt ihr am ESC-Vorentscheid teilgenommen, was in der Fanszene nicht unumstritten war. Was hat es euch gebracht?
Jörg Hartl: Das ist natürlich national und international eine riesige Bühne. Es gab ja auch ein enormes mediales Echo, als dieses merkwürdige Voting zustande kam, das ein wenig nach Schiebung roch. Damals bekamen wir von den Radiostationen die Maximalpunkzahl, ebenso vom Publikum. Von der Experten-Jury bekamen wir aber nur einen von zwölf Punkten und rutschten so auf Platz 2. Aber alles in allem hat uns das schon viel gebracht.

SAX: Die Fahrt zum ESC-Finale war ja aber denkbar. Was hättet ihr dort gemacht bei einer Musikshow, die im Halbplayback gefahren wird?
Jörg Hartl: Darüber haben wir uns vorher überhaupt keine Gedanken gemacht. Das liegt im Bereich der Fabeln und Märchen.

SAX: Eure Alben steigern sich ja: »Habe die Ehre« als Begrüßung, »Übersee« ist der Ort der Heimbasis, gefolgt von »Europa« und »Around The World«. Wie soll das weitergehen? In den Weltraum?
Jörg Hartl: Ja, outerspace vielleicht. Nein, im Ernst, momentan befinden wir uns noch auf der »Around The World«-Tour, die ja wirklich insgesamt um die ganze Welt ging. Ein neues Album ist angedacht, vielleicht im nächsten Jahr. Es gibt grobe Ideen, auch schon erste Songs, aber mehr kann man noch nicht sagen. Jedoch hört man bisher durchaus eine Entwicklung, »Around The World« klingt ganz anders als »Habe die Ehre«. Wir sind alle heute nicht mehr Mitte 20, die Lebensumstände haben sich geändert, man ist auch nicht mehr so naiv wie vor zwölf Jahren. Aber wir werden natürlich die Unbekümmertheit unserer Musik weitertragen.

SAX: Was erwartet uns für ein Set in Dresden, habt ihr überhaupt eine Setliste oder ist jeder Abend anders?
Jörg Hartl: Es gibt einen groben Zettel für den Frontmann, aber keine Setliste, keinen Ablauf. Man kann das eher Fundus nennen, aus dem heraus wir spielen. Zwar stehen die ersten beiden Stücke fest, aber sonst habe ich mit LaBrassBanda noch kein einziges Mal ein Konzert wiederholt.
Interview: Uwe Stuhrberg

LaBrassBanda
 6. Juli, 19 Uhr, Konzertplatz Weißer Hirsch
www.labrassbanda.com