Garagenrock in Nachtklubatmosphäre

Holly Golightly am 30. November in der GrooveStation

»When I'm sinking down where I stepped in/When I lost man way from where I've been/I became confused and where I am/I don't know my right from my left hand/'Cause nothing works in this quicksand.« Ein Sturz ins Bodenlose, so fühlt sich das an. Nichts geht mehr, man gräbt sich stattdessen bloß noch tiefer in seinen Schlamassel. Holly Golightly eröffnete mit dieser Ohnmachtsbekundung in »Quicksand« 2018 ihr Album »Do The Get Along«, das ein Rundumabgesang auf ihren Lebensgefährten Lawyer Dave zu sein scheint, mit dem sie in die USA nach Georgia zog und gemeinsam die Duoformation The Brokeoffs betrieb. Durchaus bemerkenswert jedenfalls, dass 2018 zwar mit »Clippety Clop« ein weiteres Album der The Brokeoffs herauskam, davor mit »Slowtown Now!« und jetzt mit »Do The Get Along« jedoch wieder Soloalben erschienen, eingespielt mit neuer Begleitformation. Obendrein handelt ein Großteil der Songs auf letzterer Scheibe von Beziehungsstress. Stilistisch ist weiterhin Garagenrock angesagt, allerdings weitaus formvollendeter dargeboten. Der räudige Straßenkötersound von einst ist eher einer schummrigen Nachtklubatmosphäre gewichen.

Geboren wurde Holly Golightly Smith, wie sie bürgerlich heißt, 1966 in Großbritannien als Tochter einer Büchernärrin, die Truman Capotes »Breakfast At Tiffany's« zu ihren absoluten Lieblingsschmökern zählte. Aufwachsen ist sie im ländlichen Sussex in unmittelbarer Nachbarschaft von Paul und Linda McCartney. Linda habe bei ihrem Großvater eingekauft und beeindruckende Fotos von ihm gemacht, erzählt Holly Golightly gern auf Nachfrage. Auch hätten die McCartneys das örtliche Krankenhaus stets großzügig mit Spenden bedacht, sich überhaupt vorbildlich für die Gemeinde engagiert. Und sie hielten sich Appaloosas, weshalb bei klein Holly zunächst irgendwas mit Pferden ganz oben auf der Berufswunschliste stand. Eine Leidenschaft, die bis heute anhält. Sie betreibt eine eigene Pferdezucht und gilt als geschickte Pferdeflüsterin. Dass sie dennoch zur Musik fand, geht zurück auf einen dieser Zufälle.

Holly Golightlys Jugendschwarm Bruce Brand war Schlagzeuger der Thee Headcoats, der Band des britischen Musikers, Malers, Poeten und Fotografen Billy Childish. Nach einem spontanen Vorsingen steigt Holly Golightly vorübergehend bei den Headcoats ein, später entsteht mit ihr als Frontfrau die Girl Group Thee Headcoatees. 2003 wird sie erneut in prominenter Gesellschaft gesehen, als sie als Gastsängerin die Songüberschrift zum »It's True That We Love One Another« der White Stripes durch die Textzeile »I love Jack White like a little brother« vervollständigt. Leider wollte noch nie so recht etwas von Paul McCartneys oder Jack Whites Berühmtheit auf sie abfärben. Wirklich schade!
Bernd Gürtler

Holly Golightly
30. November, GrooveStation, www.hollygolightly.com