Men in Black

The Dead Brothers am 5. November in der Groove Station

Was bringt es, als reichster Pfeffersack des Universums auf dem Friedhof zu enden. Gevatter Tod ist der ultimative Gleichmacher, sterben muss jeder früher oder später. Zu dumm nur, dass wir als höher entwickelte Säugetierart das wissen oder zumindest mit der Zeit eine gewissen Ahnung entwickeln, was uns blüht und deshalb nicht müde werden, uns kuriose Vermeidungsstrategien auszudenken. Mit derlei Nichtigkeiten geben sich die Schweizer Dead Brothers gar nicht erst ab. Die 1999 in Genf gegründete Formation um den Sänger und Multiinstrumentalisten Alain Croubalian nutzt das Unausweichliche als Kontext, um drängende existenzielle Fragen zu verhandeln. Die Angst zum Beispiel, vor dem Fremden, vor dem Islam und dass der Metzger in Pumuckelhausen bald keine fettige Schweinefleischbratwurst mehr anbieten darf. »Angst« heißt auch das neue und inzwischen achte Album der Dead Brothers.

Der Titelsong, die Vertonung eines Gedichts des Eidgenossen Robert Walser, gesteht aber auch, dass der wohlige Schauer, den die Angst mitunter auslöst, durchaus etwas Aufregendes haben kann. »Ich wünschte, die Häuser regten sich/Sie fuhren los auf mich/Das wäre schauerlich/Ich wünschte, mein Herz drehte sich/Und mein Verstand stünde still/Das wäre schauerlich/Das Schauerlichte möchte ich, pressen an mein Herz/Das wäre schauerlich/Ich sehne mich nach Angst, nach Schmerz«, heißt es im Text. Währenddessen lässt »Les Papillons Noire«, im Original von Serge Gainsbourg, den Kummer aus tragischen Liebensbeziehungen des nachts im Traum als schwarze Schmetterlinge erscheinen.

Verpackt sind die Düstergeschichten wie gewöhnlich derart formvollendet, dass jede Friedhofskapelle, die etwas auf sich hält, ihre Instrumente abgeben müsste. Eine Tuba trötet, die Violine schluchzt, ein Banjo bänkelt und eine Marschtrommel hält den Takt. Bevor Alain Croubalian The Dead Brothers gründete, gab er mit den Les Maniacs siebzehn Jahre lang Punkrock zum Besten. Seine Mitstreiter sind mit Schweizer Folkbands wie Landstrichmusig oder Patent Ochsner unterwegs gewesen. 2002 steuerten die Dead Brothers zur Schweizer Landausstellung Expo.02 das Musical »Day Of The Dead« bei. Sie verfassten die Musik zum Kinofilm »Flammend’ Herz« von Andrea Schuler und Oliver Ruts über drei alte deutsche Tätowierer.

Daneben komponiert Alain Croubalian regelmäßig Musik für Theaterstücke, 2003/04 beispielsweise für den »Wilhelm Tell« am Schauspielhaus Zürich. 2005, in der »Dreigroschenoper« am Schauspiel Basel beziehungsweise in »Orpheus in der Unterwelt« im Schlachthaus Bern spielten sie gleich selbst mit. Im Januar 2012 feierte am Schauspielhaus Zürich »Geschichten aus dem Wienerwald« von Ödön von Horváth mit der Musik von Alain Croubalian Premiere. »Unglaublich, was die Musiker um Alain Croubalian mit ihren Instrumenten für einen bis ins Mark greifenden Ohrenschmaus im Schauspielhaus hinlegen. Das allein lohnt schon den Besuch dieser rundum gelungenen ›Wiener Wald‹-Inszenierung. Der Applaus war entsprechend«, jubelte die Aargauer Zeitung.

Weiteres Lob gab es aus Deutschland. »In Zürich sind es die famosen Dead Brothers um Alain Croubalian, die in Knochenmännerkostümen einen so morbiden wie kunstvoll sentimentalen Soundtrack beisteuern«, war bei Nachtkritik.de zu lesen. Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass im Januar 2013 im Schauspielhaus Zürich die Produktion »Elektra (Sophokles)« zur Premiere anstand. Sowohl Inszenierung als auch die Musik von Alain Croubalian erhielten wiederum famose Kritiken. »Starke Texte, starker Sound«, hieß es im Tagesanzeiger und die Neue Züricher Zeitung erkannte eine »Potenzierung der Theatermittel, große Gesten, mächtige Bilder, Video, Musik«.
Bernd Gürtler

The Dead Brothers
5. November, 20 Uhr, Groove Station
Karten bei SaxTicket in der Schauburg und als print@home
www.deadbrothers.com