Mittelsächsisches Theater

Das Freiberger Theater hat eine lange Tradition: Ein Bürgerhaus aus dem frühen 17. Jahrhundert wurde 1790 zum Theater umgebaut und 1791 eröffnet. Der private Unternehmer bemerkte jedoch bald, dass die Kunst nicht die erwartete Rendite abwarf und bot das Haus der Stadt an. Der Stadtrat griff zu, „da eines Teiles Geld müßig in der Kasse liegt,...anderen Teiles aber ...für besser erachtet wird, wenn dieses Haus in den Händen der Obrigkeit sich befindet ... und durch die Erfahrung sich bestätigt, dass überhaupt durch die Schauspiele der Nahrungsstand der Bürgerschaft gewinne.“

Glücklicherweise blieb die Stadt auch in Zeiten, in denen das Geld nicht müßig in der Kasse lag, ihrem Theater treu, und so kann sich das Freiberger Stadttheater stolz das älteste der Welt nennen – ältere städtische Theater existieren entweder nicht mehr oder sind in Neubauten umgezogen.

Ende des 19. Jahrhunderts war das alte Theater nicht nur renovierungsbedürftig, sondern für die zeitgemäßen Ansprüche zu eng geworden. Ab 1880 gab es immer wieder Um- und Erweiterungsbauten; immer mehr Gebäude in dem Geviert zwischen Buttermarkt und Borngasse, Weingasse und Enger Gasse wurden dem Theater angegliedert. Mit den letzten umfassenden Baumaßnahmen, die 1983 begonnen und zum 200. Jubiläum 1991 abgeschlossen wurden, hat sich das Theater den gesamten Häuserblock erobert, vereint Werkstätten, Proberäume und eine Studiobühne unter seinem Dach.

Der 2009 geschaffene Schriftzug, der sich als Band um die Fassade des gesamten Theaters spannt, verweist eindrucksvoll auf das Stadttheater im Straßenquartier. Hauptbühne und Zuschauerraum aber sind noch immer am historischen Ort und wurden im neoklassizistischen Stil des späten 19. Jahrhunderts restauriert, der an Sempersche Theaterarchitektur erinnert. Eines der bedeutendesten Ereignisse seiner langen Geschichte konnte das Theater gleich in den ersten Jahren verzeichnen: Im Herbst 1800 verbrachte der junge Carl Maria von Weber mit seinem Vater einige Wochen in Freiberg. Aus diesem Aufenthalt resultierte die Aufführung der ersten musikdramatischen Komposition des 14-Jährigen im Freiberger Theater – „Das stumme Waldmädchen“, dessen lange verschollen geglaubten Noten sich heute im Archiv des Marinskij-Theaters in St. Petersburg befinden.

Immer wieder wurde das kleine Haus zum Sprungbrett für große Karrieren: Nach dem 2. Weltkrieg öffnete das Theater bereits im Juni 1945 wieder seine Pforten – als Ensemblemitglied stand Inge Keller auf der Bühne, die in den folgenden Jahrzehnten zur „Grande Dame“ des Deutschen Theaters in Berlin wurde. In den 1970er Jahren begann in Freiberg die Karriere des Bassbaritons Hans-Joachim Ketelsen, die ihn über Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz), Berlin und Dresden auf die großen Opernbühnen der Welt führte.

In den 1950er Jahren entstand am Freiberger Stadttheater ein DDR-weit vorbildliches Abonnementsystem, das über die Betriebe Theaterbesuche für Zehntausende von Menschen aus der Region organisierte. Aber auch nach der friedlichen Revolution wurden hier Zeichen gesetzt: 1993 gingen das Stadttheater Freiberg und das Döbelner Stadttheater in der „Mittelsächsischen Theater und Philharmonie gGmbH“ auf und wurden so quasi ein Pilotprojekt des gerade entstehenden Sächsischen Kulturraumgesetzes.

Adresse

Mittelsächsisches Theater
Borngasse 1
09599 Freiberg

Kontakt

Telefon: 03731/35 82-0
Fax: 03731/2 34 06
Web: http://www.mittelsaechsisches-theater.de

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