Block 10
Ein zutiefst erschütterndes Holocaust-Drama
Produzentin Alice Brauner, Tochter zweier Holocaust-Überlebenden, war es einfach leid, Filme »über Täter oder aus Täterperspektive« zu sehen, bei denen die Leiden der Opfer sich in »Alibi-Argumentation« verloren und nahm sich eines bisher ziemlich verschwiegenen Themas an, den Block 10 in Auschwitz. Das Gebäude ließ die die SS-Lagerleitung Anfang 1943 vom Rest des Geländes abtrennen. Ein Ort des Schreckens, wo jüdische Frauen medizinischen Experimenten ausgeliefert waren, abscheulichen Methoden der Zwangssterilisation. Die Opfer wurden unfruchtbar gemacht, damit sie keine »nicht-arischen« Nachkommen mehr in die reine Nazi-Welt bringen konnten.
Das zutiefst erschütternde Holocaust-Drama von Marcus O. Rosenmüller greift basierend auf Zeitzeugendokumenten, Zeugenaussagen und Gerichtsprotokollen dieses grausame Verbrechen im KZ Auschwitz in aller Härte auf – Verstümmelung, Demütigung, Entmenschlichung. Häftlingsärzte müssen mit den Nazis kollaborieren wie der jüdische Gynäkologe Dr. Maximilian Samuel (beeindruckend Christian Berkel), der mit der Vergasung seiner Tochter erpresst und Teil des Systems wird und es gleichzeitig unterwandert, den Frauen hilft und ihnen ein Stück Würde lässt, irgendwann seinen Widerstand mit dem Tod bezahlt. Sein perfider Gegenpart ist Axel Prahl als Professor Dr. Carl Clauberg, ein Mediziner ohne Gewissen und Empathie.
Wegschauen ist nicht, wir müssen hinsehen, auch wenn uns die Bilder die Seele zerschneiden. Dieser schmerzhafte und bedrückende, kaum zu ertragende Film über die Brüchigkeit menschlicher Moral ist ein Stück Erinnerungskultur und notwendig. Gerade jetzt, in Zeiten von wachsendem Antisemitismus, in der sich Juden mit Kippa nicht mehr durch Neukölln trauen, wo die Hamas und ihr Massaker vom 7. Oktober 2023 mit Freudentänzen und Bonbons gefeiert wurden und man immer gerne »From the River to the Sea« gröhlt.
Margret Köhler
Block 10 Deutschland 2026, Regie: Marcus O. Rosenmüller
Mit Christian Berkel, Axel Prah, Bibiana Beglau, Moritz Führmann, Johannes Zirner
Zu sehen im Zentralkino
