Couscous und Geheimnisse
Nicht nur in der Küche vermischen sich die Kulturen
Da wird Gemüse geschnibbelt, der Hummer in den Topf geworfen, in der Küche brodelts, im Restaurant brummts. Der aus Algerien stammende Mehdi wird dort bald Chef sein, gemeinsam mit seiner französischen Freundin Léa. Die Sache hat nur einen Haken, seine verwitwete Mutter möchte ihn gerne mit einer Algerierin verheiraten – und Mehdi spielt zu Hause den braven Sohn. Aber dann verstrickt er sich in eine fette Lüge. Léa will seine Mutter kennenlernen und da springt Tante Souhila (Hiam Abbass) ein, als Barbesitzerin das schwarze Schaf der Familie.
Die Unruhestifterin wirft sich mit Vehemenz in die Rolle und dreht immer weiter auf, bis die Situation eskaliert. Madame becirct die zukünftige »Schwiegertochter« und sogar deren großbürgerliche Eltern, während der junge Kerl bald nicht mehr weiß, wie er die falsche »Maman« bremsen soll und die echte erfährt, dass die Tochter schwanger ist und das Kind ohne Erzeuger auf die Welt bringen will. Bis zum totalen Eklat folgt eine Katastrophe der nächsten, und irgendwann muss Mehdi, der sich in zwei Welten bewegt, Farbe bekennen und kapieren, Lüge als Mittel zum Überleben funktioniert nicht.
Hinter der rasanten Culture-Clash-Komödie verbergen sich Leid und Schicksal der entwurzelten Erwachsenen sowie der Wunsch der Kinder, sich von Vergangenheit und lästigen Traditionen zu lösen. Nicht nur in der Küche vermischen sich die Kulturen. Wie in vielen französischen Filmen geht es um die Lust am Essen und Trinken, aber gleichzeitig ist das Ganze auch eine Liebeserklärung an den Zusammenhalt der Familie, auch wenn es manchmal laut kracht. Der leichte Humor, die Ironie und der melancholische Unterton ergänzen sich bestens, Lachen und Leid sind hier zwei Seiten der Medaille. Und Abass‘ wilde Bauchtanzvorführung im Zug wird ist jetzt schon Kult. Für den Regisseur Amine Adjina eine Metapher: Eine Algerierin bringt Frankreich zum Tanzen.
Margret Köhler
Couscous und Geheimnisse Frankreich 2025, Regie: Amine Adjina
Mit François-Xavier Demaison, Camélia Jordana, Agnès Jaoui
ab 25.6. Programmkino Ost
