Der Klang der Stradivari

Ein Gemeinschaftswerk menschlicher Kreativität

Der Klang einer »Stradivari« bedeutet für Musikliebhaber Zauber und Magie. Seit über drei Jahrhunderten haben sie nichts an ihrem Mythos verloren. Berühmtheiten wie David Garrett oder Anne-Sophie Mutter besitzen Instrumente des italienischen Geigenbauers aus Cremona, deren Wert zwischen 3 und 15 Millionen Euro liegt. Aber der materielle Wert interessiert Grégory Magne weniger, ihm geht es um die Frage, wie Menschen die perfekte Harmonie schaffen können. Und danach sieht es am Anfang nicht aus. Astrid Carlson (Valérie Donzelli) will den letzten Wunsch ihres Vaters verwirklichen, vier berühmte Stradivari für ein Konzert zu vereinen. Doch was tun, wenn die egozentrischen Solisten im einsam gelegenen Château de Sept-Saulx sich lieber streiten und als Konkurrenten sehen, statt als künstlerische Einheit? Das Projekt steht vor dem Scheitern, letzte Rettung scheint der exzentrische Komponist Charlie Beaumont (Frédéric Pierrot) zu sein, dessen Stück gespielt werden soll (mit der Partitur von Grégoire Hetzel). Bis die Klangwelt wieder in Ordnung ist, hält er mit Zuckerbrot und Peitsche das konfliktfreudige Quartett zusammen.

Nicht nur akustisch ist dieses manchmal mit Humor gespickte Drama ein Erlebnis, auch die Bilder vom eleganten Schloss, der sakralen Architektur der Kirche für das Konzert und der intensive Kamerablick auf Gesichter, Hände, Bögen und Saiten faszinieren. Die Figuren sind in ihrer Schwäche glaubwürdig, in ihrem Sehnen nach Vollkommenheit, die aber nur möglich ist, wenn jeder bereit ist, sich dem anderen auch zu öffnen, eigene Positionen aufzugeben. Stradivari-Bratschen oder -Celli sind die Basis für Perfektion, die ist letztendlich aber ein Gemeinschaftswerk menschlicher Kreativität. Nicht nur bei Fans der klassischen Musik werden die Herzen hier höherschlagen, die fragile Verbindung zwischen Leben und Kunst geht uns alle an.
Margret Köhler

Der Klang der Stradivari Frankreich 2026, Regie: Grégory Magne
Mit Valérie Donzelli, Frédéric Pierrot, Mathieu Spinosi, Emma Ravier
ab 6.8. Programmkino Ost, Schauburg, Zentralkino