Music

Sias erster Spielfilm bringt eine Kontroverse auf

Maddie Ziegler (links) und Kate Hudson in "Music"

Zur überschaubaren Handlung: Nach dem Tod der Großmutter muss sich die Ex-Süchtige Kazu »Zu« (Kate Hudson) als Vormund um ihre autistische Teenager-Halbschwester Music kümmern, die in ihrer ganz eigenen Welt lebt, von Sia in eingestreuten quietschbunten Tanz-Videos zu (leider überwiegend nicht von ihr gesungenen) neuen Songs visualisiert.

Vor und mit dem Erscheinen des Films sowie zwei Golden-Globe-Nominierungen (Kate Hudson als Hauptdarstellerin und Bester Film Musical oder Comedy) sah sich Sia Kate Isobelle Furler harscher Kritik ausgesetzt. Zugegeben, der Plot ist nicht neu – ahnungsloser Mensch muss sich urplötzlich um jemanden kümmern – und erinnert in der Grundkonstellation an »Rain Man«. Der Sturm der Entrüstung richtete sich jedoch vor allem dagegen, dass hier die Nicht-Autistin und Tänzerin Maddie Ziegler, die seit ihrem elften Lebensjahr in Sia-Videos als deren Alter Ego fungiert, eine Autistin spielt. Nachvollziehbar, aber auch wieder nicht.

Es versteht sich von selbst, dass heute niemand mehr etwas spielt, das man nicht spielen kann. Die Hautfarbe zum Beispiel. Blackfacing ist lange her, und auch die Rollen von Native Americans werden längst nicht mehr mit angepinselten Weißen besetzt. An anderer Stelle wird es schon kniffliger: Darf eine ethnische Chinesin keine Vietnamesin darstellen, dürfen nur noch Schwule den Part von Schwulen übernehmen oder andersherum, darf ein Schwuler keinen Hetero mehr spielen? Und Rollen behinderter Menschen? Kein Daniel Day-Lewis als Christy Brown in »Mein linker Fuß«, kein Eddie Redmayne als Stephen Hawking in die »Die Entdeckung der Unendlichkeit« und kein Dustin Hoffmann als besagter »Rain Man«? Vorwerfen kann man Sia allenfalls, dass ihr Film letztlich vor allem wie ein Vehikel für den großen Auftritt Maddie Zieglers wirkt. Doch der ist zumindest in den furiosen Tanz-Szenen gelungen.
Angela Stuhrberg

Music USA 2021, Regie: Sia
Mit Kate Hudson, Maddie Ziegler, Leslie Odom Jr., Héctor Elizondo, Mary Kay Place
Zu sehen auf Amazon Prime Video

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