Palästina 36
Zwischen Fiktion und Glaubwürdigkeit
Der Nahe Osten war und ist ein Pulverfass. Aber nicht erst seit der von David Ben Gurion ausgerufenen Unabhängigkeit Israels am 14. Mai 1948. Der neue Staat ging aus einem Teil des britischen Mandatsgebiets hervor und wurde sofort von den arabischen Staaten Ägypten, Transjordanien, Syrien, Libanon und Irak angegriffen. Der schwelende Konflikt leitet sich her aus dem Jahr 1936. Die Briten herrschen brutal als Kolonialherren, gleichzeitig siedeln sich vor den Nazis geflohene Juden in der Region an, Grund für Konflikte über die Rechte an Landbesitz, Entlassung von Palästinensern in den Fabriken, die von Juden ersetzt werden und denen immer mehr Grund zugesprochen wird. Jüdische Siedler roden Land neben den Feldern der einheimischen Bauern. Die Stimmung heizt sich auf, Unzufriedenheit und Radikalisierung, Bereitschaft zum Widerstand wachsen. Inmitten dieser gefährlichen Gemengelage steht der junge Yusuf (Arim Daoud Anay) aus einem kleinen Dorf, der als Chauffeur im hochherrschaftlichen Haus eines palästinensischen Verlegers arbeitet, dessen Frau als Journalistin unter einem männlichen Pseudonym veröffentlichen muss. Als die Situation eskaliert, schließt sich Yusuf den Aufrührern an.
Die in Bethlehem geborene Annemarie Jacir nimmt die Historie verständlicherweise aus ihrer subjektiven Sicht wahr, ganz schlecht kommen die Kaugummi kauenden britischen Soldaten weg, tumbe und rabiate Kerle, die gerne unschuldige Palästinenser abmurksen, auf der anderen Seite auch vor Mord nicht zurückschreckende jüdische Siedler. Das dokumentarische Material zur Untermauerung der Spielszenen lässt die Fiktion nicht immer glaubwürdig wirken. Die Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart stehen auf wackeligen Füßen. Gerade weil die damaligen Ereignisse vielen kaum bekannt sind, hätte das heute so wichtige Thema eine subtilere Behandlung verdient.
Margret Köhler
Palästine 36 Palästina, Frankreich, Dänemark, Katar u.a. • Regie: Annemarie Jacir
Mit Hiam Abbass, Karim Daoud Anaya, Robert Aramayo, Saleh Bakri, Billy Howle
ab 14.5. Programmkino Ost und Zentralkino
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