Rose

Großes Schauspielkino in brillantem und stilisiertem schwarz-weiß

Als Mann leben und dadurch die Freiheit haben, sich selbst zu verwirklichen, statt als Frau nur Objekt zu sein und zu dienen. Letzteres will Rose nach dem 30-jährigen Krieg nicht mehr und versucht, als Ex-Soldat mit geklautem Dokument, falscher Identität und Geschlecht einen vor sich hin bröselnden Hof als Erbe zu übernehmen. Mit kurzen Haaren und tief in das Gesicht gezogenem Hut stapft sie durchs Dorf und hat mit ihrer Arbeit Erfolg. Mit dem Sieg über einen Bären, verschafft sie sich endlich Achtung. Kritisch wird es, als sie die älteste Tochter eines Großbauern heiraten muss, um an ein Stück fruchtbares Land mit Wasser heranzukommen. Der Wille zum Aufstieg lässt sie unvorsichtig werden, mit der Entdeckung ihres wahren Geschlechts nimmt die Tragödie ihren Lauf. Wenn sie vor dem Richter steht und sagt »In der Hose steckt mehr Freiheit« gilt dieser Satz nicht nur für die damalige Zeit, sondern noch heute, denken wir nur mal kurz an die »gläserne Decke«, die unsichtbaren Barrieren, die qualifizierten Frauen Führungspositionen erschweren.

Die Geschichte beruht auf mehreren Schicksalen, die Markus Schleinzer in der patriarchalischen Gesellschaft recherchiert hat und in einer Figur verschmelzen ließ mit der er gleichzeitig auch den Bogen zur Reflektion über die heutige Position der Frau zieht. Großes Schauspielkino in brillantem und stilisiertem schwarz-weiß. Sandra Hüller kann anscheinend alles von der Arbeiterin »In den Gängen« über die Geschäftsfrau in »Toni Erdmann«, von der Mord-Verdächtigen in »Anatomie eines Falls« über die Höß-Gattin in »The Zone of Interest« bis zur ESA-Mitarbeiterin in »Project Hail Mary«. Für »Rose« gabs zuletzt bei der Berlinale den zweiten »Silbernen Bären«. Derzeit hat sie einen tollen Lauf, demnächst geht’s mit Pawel Pawlikowskis »Vaterland« nach Cannes – als Erika Mann, Tochter von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann.
Margret Köhler

Rose Österreich, Deutschland 2026, Regie: Markus Schleinzer
Mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt, Godehard Giese, Robert Gwisdek
In Dresden im Programmkino Ost,. in der Schauburg und im Thalia