Was haben wir gelacht

Amüsante und gruselige TV-Zeitreise durch das Unterhaltungsfernsehen

Als Dieter Bohlen seine damalige Frau Verona Feldbusch verprügelte, kommentierte Rudi Carrell 1996 bei »7 Tage, 7 Köpfe« lapidar »Sein Schlagzeug liege nun im Krankenhaus« und Karl Dall fand es noch »sehr harmlos, was der Dieter gemacht hat, der wohnt ja in Tötensen«. Anzüglichkeiten, Schenkelklopfen, Kalauer über sexuelle Belästigung, das Unterhaltungsfernsehen der Neunziger- und Nuller-Jahre war zum Fremdschämen. Die Entertainerinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blicken zurück auf ihr Schaffen und die Zeit eines frauenverachtenden Humors und männlicher Respektlosigkeit. Hübsche Damen waren als Accessoire begehrt, durften Hintern wackelnd und lächelnd über die Bühne tippeln. Aber wehe, sie verlangten mehr.

Wenn Thomas Gottschalk in »Wetten, dass...?« ungeniert an sämtlichen Knien rumtätschelt und sinniert, Alter zeige sich, »wenn man ohne Brille keinen BH mehr aufkriegt«, ist das noch harmlos gegen Zotenkönig Harald Schmidt. Da zeigt der Night-Talker dem Publikum doch eine Collage mit Emma-Cover, einer Flasche Eierlikör, einem Klo und einem Foto von Bettina Böttinger und verkündet augenzwinkernd, nichts davon würde ein Mann anfassen. Einfach zum Kotzen, was man(n) sich damals alles auf Kosten der Frau erlaubte. Aber die Böttinger zahlte es Schmidt in seiner Sendung heim. Nur wer sich in dieser Gesellschaft wehrt, geht nicht unter, so ihr Fazit.

Die amüsante und gruselige Zeitreise zurück in Formate wie »RTL Samstag Nacht«, »Weiber von Sinnen«, »Nachtschwester Kroymann« oder »Herzblatt« entlarven TV-Humor als Macho-Domäne, intelligente und witzige Frauen galten als gefährlich, dennoch erkämpften die Protagonistinnen mehr Sichtbarkeit. Die Machtfrage in der Show-Welt ist trotz kleiner Fortschritte noch lange nicht gelöst, Hella von Sinnen warnt vor einem »massiven Backlash«. Da heißt es aufpassen.
Margret Köhler

Was haben wir gelacht Deutschland 2026, Regie: Eva Müller & Isabel Schneider
ab 16.7. Schauburg