Auf gutem Kurs
Das Kaffee Konkurs auf dem Bischofsweg
Wer auf dem Bischofsweg am Alaunpark vorbei stadtauswärts schlendert, bemerkt irgendwann den feinen Duft, der aus dem Kaffee Konkurs strömt. Seit 2022 hat das Café den Platz des Café Pott übernommen, das über viele Jahre ein beliebter Szene-Treffpunkt im Viertel war. Mit dem Kaffee Konkurs hat sich an dieser Stelle etwas verändert, ohne den Geist der Nachbarschaft zu verlieren. Es ist heller geworden, luftiger und zugleich persönlicher. So, als hätte der Raum nur darauf gewartet, einem neuen Kapitel Platz zu geben.
Unter der Leitung von Joseph Walther entstand hier ein sozial bewusstes Café im minimalistischen Design, das sowohl barrierefrei als auch solidarisch funktionieren soll. Bereits bei der Gründung wurde über Crowdfunding ein Teil des Budgets gesammelt, um genau diese Barrierefreiheit zu ermöglichen. Von Beginn an folgte man einer klaren Vision: Das Kaffee Konkurs soll ein Ort sein, an dem Menschen mit wenig Geld genauso willkommen sind wie jene, die mehr zahlen können.
Diese Vision spiegelt sich auch im Herzstück des Hauses, dem Kaffee selbst, wider. Hier wird Kaffee gereicht, dessen Bohnen fair gehandelt sind und direkt aus Kooperativen in Mittelamerika stammen. Die Röstungen sind kräftig, aromatisch und sorgfältig verarbeitet, was jedem Cappuccino oder Flat White eine besondere Tiefe verleiht. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem den Getränken jenseits des Kaffees. Es gibt hausgemachte Limonaden, Kakao, Chai und saisonale Mischungen, die dem Sortiment immer wieder neue Farben verleihen.
Beim Service setzt das Konkurs auf Selbstständigkeit. Am Tresen wird bestellt, selbst abgeholt und später auch bezahlt. Dies alles passt zur unkomplizierten Art des Cafés, fördert den Austausch unter den Gästen und schafft ein entspanntes Ambiente.
Im Kaffee Konkurs gibt es vegane Kost. Die Auswahl an Gerichten und Getränken ist wohl durchdacht und bietet Kuchen, Snacks und einfache warme Speisen. Wechselnde Angebote offenbaren die Vorliebe für saisonale Produkte und regionale Zutaten und lassen der Kreativität der Gastgeber freien Lauf. So ist derzeit Pumpkin Spice Latte, am besten kombiniert mit einem gerade frisch bereiteten Stück Spekulatius-Grieß-Kuchen, ein angesagtes »Gedeck«. Aber keine Angst, das It-Piece der Konkurs-Küche, den unwiderstehlich köstlichen Kirsch-Gries-Kuchen, gibt es natürlich auch und immer.
Ein weiteres Beispiel für hausgemachte kreative Impulse ist der Montag. Denn dann duftet das Café schon früh nach frisch gebackener Babka. Wer einmal ein noch warmes Stück dieser traditionellen süßen Hefeteig-Rolle probiert hat, versteht sofort, warum dieser Tag für viele Stammgäste zum Wochenbeginn gehört.
Das Publikum ist so gemischt, wie man es in der Neustadt erwartet. Studierende, junge Familien, Kreative, Nachbarn, Menschen, die nur kurz vorbeischauen, und solche, die sich in die Fensterplätze setzen und das stetige Kommen und Gehen betrachten. Im Sommer ist der Garten hinter dem Café ein stiller Rückzugsort, angenehm kühl und überraschend abgeschirmt vom Trubel der Straße. Besonders beliebt sind die Plätze am Fenster zum Bischofsweg, denn von dort sieht man die Neustadt in ihrem ganz eigenen Rhythmus an sich vorbeiziehen.
Veranstaltungen finden im Café eher in überschaubarem Rahmen statt, meist kleine Formate, die zum Charakter des Hauses passen und nicht vom ruhigen Grundton abweichen. Genau dieses soziale und kulturelle Engagement machen das Kaffee Konkurs zu einem zentralen Punkt der Vernetzung in der Neustadt. So ist dieses Café weit mehr als ein reiner Genussort, sondern ein Raum für Gemeinschaft und ein bemerkenswertes Modell für eine freundlichere Alltagskultur.
L. Johannson
Kaffee Konkurs Bischofsweg 21, 01099 Dresden, Montag bis Freitag 9 bis18 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10 bis18 Uhr, www.instagram.com/kaffee_konkurs/
