Holy Benedict und Matcha mit Mission

ALMA Daily Brunch in Striesen macht den Morgen

Dresdens Stadtteil Striesen ist nicht gerade als Epizentrum gastronomischer Eskalation bekannt. Hier regiert der Kinderwagen, nicht (oder weniger) der Kater. Umso bemerkenswerter, wenn plötzlich ein Ex-Sternekoch beschließt, genau hier Frühstück neu zu denken. Seit Dezember 2025 gibt es an der Borsbergstraße das ALMA Daily Brunch. Zuvor befand sich in den Räumen ein Solarium. Heute wird hier lieber gebrutzelt als gebräunt. Hinter dem Konzept steht Benjamin Biedlingmaier. Viele Jahre arbeitete er in der Spitzengastronomie, unter anderem mit Michelin-Stern-Erfahrung. Irgendwann reichte ihm das Abendgeschäft mit Hochspannung. Er wechselte zu Tageslicht, Familie, Normalität. Der Name Alma ist dabei wörtlich zu nehmen, denn so heißt seine Tochter. Das Restaurant ist also weniger Marketingidee als Herzensangelegenheit.

Beim Eintreten wirkt der Gastraum hell und aufgeräumt. Viel Holz, viel Licht, keine überladene Dekoration. Man sitzt bequem, alles fühlt sich eher nach Wohnzimmer mit professioneller Küche an als nach Design-Statement. Auf der Karte steht, was man morgens wirklich essen will. Bio-Rührei auf knusprigem Sauerteigbrot. Avocado. Pancakes mit Apfel-Kürbis-Kompott. French Toast mit Blaubeeren und Ahornsirup. Das »Holy Benedict« bringt pochiertes Ei, Lachs und Sauce Hollandaise auf Brioche. Wer es pflanzlich mag, findet Hummus mit Aubergine oder eine Matcha-Bowl mit Kokosjoghurt und Früchten. Vegetarische und vegane Optionen sind kein Feigenblatt, sondern fest eingeplant.

Die Preise bewegen sich im gastronomisch fairen Bereich, typischerweise zwischen etwa 8 und 14 Euro für Hauptgerichte. Das ist kein Billigfrühstück, aber auch keine Sterne-Preiszone. Man merkt, dass hier jemand kalkuliert, ohne die Bodenhaftung zu verlieren. Beim Kaffee setzt ALMA auf Dresdner Röstwaren von that’s coffee, aus denen umgehend Klassiker wie Cappuccino, Flat White & Co. gezaubert werden. Dazu kommen hauseigene Extras wie der Matcha »Sonnenstrahl«. Der ist besonders gefragt, denn pro verkauftem Getränk geht ein Euro an den Dresdner Verein Sonnenstrahl e. V., der Familien mit krebskranken Kindern unterstützt. Frühstück mit Nebenwirkung im besten Sinn.

Das Konzept nennt sich Daily Brunch. Also kein Warten bis zum Schlemmen am Sonntag. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr. Wer um halb drei Lust auf Pancakes hat, bekommt sie. Wer um zehn nur Kaffee will, auch gut. Beim freundlichen und flinken Personal fühlt sich wirklich jeder willkommen. Und das Publikum im neuen Laden ist so gemischt wie Striesen selbst. Familien, Paare, Influencer, Freundesrunden. Einige kommen gezielt wegen des Namens des Betreibers. Andere einfach, weil sie ordentlich frühstücken wollen. Genau das scheint auch das Wunschpublikum zu sein. Menschen, die Qualität schätzen, aber keinen Dresscode brauchen. Schon deshalb (und vielleicht auch aus Mangel an Konkurrenz) ist das ALMA in kürzester Zeit zum Frühstück-Hotspot avanciert. Eine Reservierung ist darum absolut empfohlen!

Für die wärmeren Monate sind Außenplätze geplant. Dann sitzt man mit Blick auf die Borsbergstraße und merkt, dass Striesen vielleicht nicht schrill und laut ist, aber ziemlich entspannt Frühstück kann. Und ALMA Daily Brunch zeigt, dass ein Ex-Sternekoch nicht zwingend abends Trüffel hobeln muss. Manchmal reicht auch ein sehr gutes Ei am Morgen.
K. Racho

ALMA Daily Brunch Borsbergstraße 18 c, 01309 Dresden, Telefon 88925265, täglich 9 bis 17 Uhr
www.alma-brunch.de