Liebe zu einem Leben, das glückt

Was würde der Yeti wohl antworten? Volker Sielaff hat ihn gefragt.

Volker Sielaff ist ein Poet. Und als Poet ein Solitär. Für seine Lyrik wird der in Dresden lebende Dichter geliebt und verehrt. In schöner Regelmäßigkeit bringt er Gedichtbände mit poetischen Titeln heraus, »Postkarte für Nofretete«, »Selbstporträt mit Zwerg«, »Barfuß vor Penelope«, »Ovids Würfelspiel« und jüngst seine »Fragen an den Yeti«. Bekenntnisse der Liebe beschließen diesen Band: »Liebe zur Sächsischen Schweiz (…), Liebe zum Igel, zum Topf, zum Lied.« Eine skurrile, wie zufällig anmutende Sammlung von Sehnsüchten und Träumen, darunter auch: »Liebe zur Jungfrau, zersägt.«

Hintergründige Poesie mit feinem Humor, die ganze sechs Seiten lang seine 2020 durch Sandra Hüller als Hörbuch eingelesene »Mystische Aubergine« augenzwinkernd fortschreibt. Die vorherigen Kapitel umreißen die »Jugend«, begehen die »Fitzroy Road«, haben die titelgebenden »Fragen« im Zentrum, fordern »Tu einen Tiger in den Traktor« und nähern sich »Im Stoff der Welt, aus Menschenperspektive«.

Der stimmungsvolle Klang seiner Poetik wirkt vertraut, ist wiedererkennbar, ohne dass Volker Sielaff sich je wiederholt oder gar auf der Stelle tritt. Hier hat jemand ein lyrisches Ich gefunden, das aus sich selbst herauswächst und gedeiht. Äußere Anregungen bieten ihm freilich Begegnungen mit Menschen, Dingen und Landschaften. Ein ausgedehnter Aufenthalt an der Themse beispielsweise, 2022 ermöglicht durch das London-Stipendium des Deutschen Literaturfonds, ließ den Autor über die Docklands und durchs British Musem pilgern, kleine Parks entdecken und einen Ausflug nach Oxford unternehmen, wo Lächeln und Trauer nah beieinanderliegen. »Im Nu erfasst mich / eine grundlose Freude: / Ich bin nicht allein!«

Nie ist er ohne Notizbuch unterwegs, registriert Fledermäuse »über der Sommerabendwiese« am Blauen Wunder, listet allerorts Abschiede auf (»Das letzte Einhorn. / Das letzte Abendmahl. Der letzte Zug.«) und sammelt schier endlos Yeti-Fragen. »Ist Jodeln wie Yoga, nur anders?« // »Kommt nach der Krise die Mystik, nach dem Trauma / die Allegorie?« Auch diese Textauswahl beweist, Volker Sielaff ist ein sehender Denker, ein lesender Schreiber, ein zugeneigter Zeitgenosse: »Liebe einfach, zu einem Leben, das glückt.«

Anlässlich seines 60. Geburtstags im Mai hat der Dichter bekannt, Schreiben sei für ihn alternativlos: »Ich kann mir nichts anderes und Schöneres vorstellen, als schreibend auf Welt zu reagieren.« – Welch ein Glück für seine Leserschaft!
Michael Ernst

Volker Sielaff: Fragen an den Yeti Voland & Quist, 22 Euro
www.voland-quist.de