Auf dem eigenen Weg

Tumba-ito feiern verspätet ihr Vierteljahrhundert

Foto: Christian Debus

1995 gegründet, wollten Dresdens Latin-Lieblinge Tumba-ito 2020 das 25. Bandjubiläum feiern. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts. Mit zwei Jahren Verspätung wird das nun nachgeholt – mit gleich zwei Konzerten. Am 15. Mai gibt es in der Reihe »Musik zwischen den Welten« kammermusikalischen Latin-Jazz im Kleinen Haus, am 17. September wird dann im Beatpol getanzt. Uwe Stuhrberg hat sich mit Elena Janis und Wolfgang Torkler vorab getroffen.

SAX: 25 Jahre und zwei Konzerte – woher kam die Idee?
Wolfgang Torkler: Tumba-ito haben sich über die Jahre sehr vielseitig entwickelt. Mit den beiden Konzerten wollen wir deshalb den Fokus jeweils auf die unterschiedlichen Facetten richten: im Kleinen Haus das kammermusikalische Latin-Jazz-Ensemble, im Beatpol die Party-Band.
Elena Janis: Wir haben alle einen Jazz-Background und versuchen auch, keine Kopien der kubanischen Originale zu sein, sondern schöpfen unser ganz eigenes Ding. Im Kleinen Haus können wir einige unserer Stücke spielen, die es bei Tanz-orientierten Konzerten nicht auf die Setliste schaffen. Darauf freuen wir uns sehr.

SAX: Bislang trat diese kammermusikalische Seite aber noch nicht so oft in Erscheinung.
Elena Janis: Wir haben bei »Musik zwischen den Welten« zum ersten Mal ein solches Konzert in der Dreikönigskirche gespielt, hin und wieder auch woanders. Aber oft nicht.
Wolfgang Torkler: Aber wer unsere Alben von 2006 und 2011 kennt, der weiß, dass wir viele ruhigere Stücke im Repertoire haben. Aber diese Album-Dramaturgie funktioniert bei einem Tanz-Konzert nicht, wo wir zudem auch mal Cover-Versionen spielen. Im Kleinen Haus sind deshalb auch jene eigenen Stücke zu hören, die eher introspektiv sind. Und dann ist es auch eine Frage des Instrumentariums: Bei diesem facettenreichen Programm ist es für mich ein besonderes Fest, einen Flügel unter den Fingern zu haben.
Elena Janis: Das gibt auch allen Beteiligten mehr Raum, sich zu zeigen, erweiterte Räume für die Instrumente und den Gesang.

SAX: Wie ging das los vor 27 Jahren?
Elena Janis: Es ist eine bewegte Geschichte seit 1995. In der Besetzung, in der wir heute spielen, gibt es die Band seit 20 Jahren. Als ich 2001 dazukam, hatten sich Tumba-ito bereits von einer Bossa-Nova-spielenden Studentenband zu einem eigenständigen Latin-Jazz-Ensemble entwickelt.
Wolfgang Torkler: Von den Gründern bin ich der Einzige, der noch dabei ist. Das Zustandekommen geht eigentlich auf das Konto des Percussionisten Frank »Bongo« Rotzsch und des Saxofonisten Christian Patzer. Beide wollten lateinamerikanische Musik spielen, und holten dann Tim Schröder für den Bass und mich für das Piano hinzu. Das ging dann schnell los mit klassischen Standards wie »The Girl from Ipanema«, es war vor allem instrumentale Musik, manchmal mit Gastsängerinnen. Bongo sorgte dafür, dass wir immer mehr spielen konnten. 1997 war ich dann sieben Monate am Berklee College of Music, wo ich auch Kurse für afrokubanische und brasilianische Musik belegte. Da kamen viele Einflüsse für das Schreiben und Arrangieren. Parallel brachte der Schlagzeuger Axel Schüler rhythmische Inspirationen von seinen Kuba-Reisen mit. Im Prinzip war es damals so, dass der ganze polyrhthmische Part von Axel kam und der harmonische Teil wiederum von mir. Als ich aus Boston zurückkehrte, gab es eine Weile sogar Tumbo-ito Grande mit vier Bläsern. Etwas später kam dann der personelle Umbruch zur heutigen Besetzung, zu der neben Axel, Elena und mir Arne Rudiger an Bass und Background-Gesang, Rainer Zeimetz an den Holzblasinstrumenten, Small-Percussion und Background-Gesang sowie Danny Schmidt am mit Timbales und Glocken gespickten Latin-Drumset gehören.

SAX: Es gab auch Konzerte mit Gästen aus Kuba.
Wolfgang Torkler: Das war die »Charanga«-Tour mit vier Streichern der Dresdner Sinfoniker und Gastmusikern aus Kuba. Andres Clavelles vom El Cubanito hatte gute Kontakte zu Musikern aus Havanna, die wir nutzen konnten. Es wurde eine Tour gebucht, aber die Kubaner kamen nicht, weil sie eine CD noch fertig aufnehmen mussten. Das hat uns eine Menge Ärger, finanzielle Verluste und Nerven gekostet – heute können wir darüber lachen. Am Ende kamen die Kubaner aber doch noch, wenn auch Tage zu spät. Das Abschlusskonzert fand im Dresdner Alten Schlachthof statt – und das hat viel Spaß gemacht.
Elena Janis: Zudem habe ich an diesem Abend Tumba-ito zum ersten Mal erlebt. Ich wurde von der Band eingeladen mir das anzusehen, weil sie mich als Gastsängerin angefragt hatten. Ich lernte bei Axel Schüler in meinem Studium in Leipzig die Grundlagen der Percussion – im Seminar »Percussion für Nicht-Percussionisten«. Das gab es wirklich. Das Ganze mündete dann in einem Latin-Jazz-Ensemble an der Leipziger Hochschule, und da hat Axel mitbekommen, dass ich Spanisch spreche und »schleuste« mich zu Tumba-ito.
Wolfgang Torkler: Damit waren wir dann sieben, nahmen unsere erste CD auf und planten dann, selbst in Kuba zu spielen. Dank Bongo hat das dann auch geklappt. Wir haben also wirklich eine Tour auf der Insel mit einheimischen Musikern gespielt, großartige Menschen kennengelernt. Die vielen dort erlebten Geschichten gäben Stoff für ein ganzes Buch.
Elena Janis: Man kann sich auf Youtube einen kleinen Eindruck verschaffen, denn dort entstand unser erstes Musikvideo. (siehe Video unten, d.R.)

SAX: 2005 erschien Viajantes«, das erste Album.
Wolfgang Torkler: Genau. Dieses Album zeigt schon diesen speziellen Tumba-ito-Mix aus kubanischer und brasilianischer Musik, aus schnellen Rhythmen und sehr ruhigen Stücken. Kurz danach ist dann »Bongo« bei uns ausgestiegen, um sich mehr um seine vielen anderen DJ- und Booking-Projekte zu kümmern.

SAX: Was ist das Besondere an Tumba-ito?
Elena Janis: Das Coole an der Band ist, dass sie menschlich großartig zusammengewachsen ist, man sich immer aufeinander verlassen kann – es ist einfach ein schönes Miteinander.
Wolfgang Torkler: Bei der afrokubanischen Musik ist es oft so, dass sie auf dem Notenblatt einfach wirkt. Man kann sie dann auch spielen, wie sie dasteht, aber das ist dann auch nicht geil. Ich kann sagen, dass bei Tumba-ito solche Vibes gewachsen sind, die es uns ermöglichen …
Elena Janis: … diese Musik zum Leben zu erwecken. Dabei ist unsere Besetzung nicht gerade die klassische Variante – ohne Gitarre, mit Piano, nur ein Hauptgesang und Saxofon. Insofern ist unser Weg nicht genretypisch, sondern ein eigener. Das hat sich dann auf unserem zweiten Album »Gozando La Vida« manifestiert. Inzwischen haben wir komplett eigene Bühnenprogramme, die keinem Zeitgeist unterworfen sind.
Wolfgang Torkler: Es ist eben bei uns besonders, dass wir sowohl afrokubanische als auch brasilianische Musik spielen – polyrhythmischer Wahnsinn hier, harmonische Feinsinnigkeit dort. So haben wir einen eigenen Weg gefunden: Ich schreibe heute die meisten Kompositionen, Elena nahezu alle Texte und Vokal-Arrangements und Axel tüftelt das rhythmische Fundament aus. Auf der Suche nach dem typischen »Tumba-Sound« erarbeiten wir viele Arrangements auch bei den Proben mit allen zusammen. Wenn man nur auf Imitation aus ist, bleibt das Original immer besser.

SAX: Ein Album gibt es nicht zum 25. Geburtstag?
Elena Janis: Ich würde gern noch mal Aufnahmen machen, aber es stellt sich die Frage, ob sich das lohnt. Vor drei Jahren haben wir uns erstmal dagegen entschieden, und dafür ein paar Videos produziert.

Tumba-ito
15. Mai: Das Latinjazz Jubiläumskonzert im Kleinen Haus
19. September: Das Party-Jubiläumskonzertim Beatpol
www.tumba-ito.de