Synthiepop mit Grips

Orchestral Manoeuvres In The Dark am 26. November im Kulturpalast

Orchestral Manoeuvres In The Dark, kurz OMD kommen mit einem Song nach Dresden, der sich nicht nur im Songtitel auf diese Stadt bezieht und entstanden war, nachdem es die britische Synthiepopformation 2011 das erste Mal zu einem Konzert in die sächsische Elbmetropole verschlagen hatte. Andy McCluskey, Sänger und Hauptsongschreiber bei OMD, kannte bis dahin nur das zerstörte Dresden von alten Schwarzweißfotografien. Ein Anblick, der ihm vertraut vorgekommen sein dürfte. Ebenso wie Dresden kurz Kriegsende von britischen und US-amerikanischen Bomberverbänden heimgesucht wurde, hatte zuvor Nazi-Deutschlands Luftwaffe Liverpool in Schutt und Asche gelegt. Andy McCluskeys Geburtsort war nach London die am schwersten zerstörte Stadt Großbritanniens. Die Nachkriegsbausünden im Stadtzentrum künden noch heute vom Ausmaß der Verwüstung. Wer je dort gewesen ist wird es bestätigen.

Nichtsdestotrotz behandelt OMDs "Dresden" kein historisches Ereignis. Geschrieben von Andy McCluskey und veröffentlicht 2013 auf "English Electric", nutzt der Song vielmehr die Kriegszerstörung einer Stadt als Metapher für die Zerstörungswut einer gescheiterten Liebesbeziehung. Gegründet wurden OMD 1978, zwei Jahre, bevor an Depeche Mode überhaupt zu denken war, von Andy McCluskey und seinem Schulfreund Paul Humphreys. Die DIY-Ästhetik des Punkrock, dass prinzipiell jeder Musiker sein kann sowie das dringende Bedürfnis, sich vom Gitarre/Bass/Schlagzeug-Schema des Rock abzuheben, ließ sie zu elektronischem Equipment greifen. Die Krautrockpioniere Kraftwerk, Cluster, Neu! und der experimentierfreudige Brite Brian Eno nahmen sie sich zum Vorbild.

Selbst wenn sich in der Frühphase eher experimentelle Alben wie "Dazzle Ships" finden, zieht sich seit dem schlicht nach der Band "Orchestral Manoeuvres In The Dark" benannten Debütalbum eine regelrechte Serie von Hits durch ihre Karriere. Und oft sind die Songtexte alles andere als eine kurzweilige Nebensache. "Electricity" wirbt mit der Aussage "The alternative is only one/The final source of energy/Solar electricity" bereits 1980 sehr weitsichtig für Alternativen zur Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen. Angelehnt an den Erfinder und Elektrotechniker Nikola Tesla, versteht sich "Tesla Girls" als Hymne an kluge, emanzipierte Lebensgefährtinnen, Frauen "who have something upstairs besides two breasts", wie es ein Onlinekommentator ausdrückte.

"Enola Gay" wiederum handelt vom US-amerikanischen Bomber, der im August 1945 die Atombombe über Hiroshima abwarf. "Enola Gay, you should have stayed at home yesterday/Aha, words can't describe the feeling and the way you lied/These games you play, they're gonna end it more than tears someday/Aha, Enola Gay, it shouldn't ever have to end this way/It's 8:15, and that's the time that it's always been/We got your message on the radio, conditions normal and you're coming home/Enola Gay, is mother proud of little boy today?/Aha, this kiss you give, it's never ever gonna fade away", heißt es im Text zu einem der eingängigsten und populärsten OMD-Hitsongs überhaupt, zu finden ab sofort zusammen mit weiteren achtunddreißig Hitsongs auf der Doppel-CD "Souvenir".
Bernd Gürtler

Orchestral Manoeuvres In The Dark
26. November, Kulturpalast (ausverkauft)
www.omd.uk.com