Zuverlässig gegen den Strich

Skunk Anansie am 12. Juni im Alten Schlachthof

Nach wie vor sei es unbedingt ein Riesenvergnügen, auf Tour zu gehen, versichert Ace während einer Bildschirmschalte im Vorfeld des Dresdner Konzerts von Skunk Anansie in der Jungen Garde. Das Publikum sollte auf einiges gefasst sein, ergänzt er. "Wir kommen mit neuer Bühnenshow, einer fabelhaften Lichtshow. Wir sind mit eigenem Lichtequipment, eigenem Beschallungssystem unterwegs, und das ist fantastisch.

Der Sound, das Licht, die gesamte Show Spitzenklasse wie immer. Einige von uns haben sich neue Bühnenoutfits zugelegt, wir wirken ein bisschen jünger. Das Entscheidende aber ist die Energie, die entsteht, wenn wir zusammenkommen und gemeinsam Musik machen." Ace, bürgerlich Martin Ivor Kent, ist Gitarrist bei der britischen Band, die zuverlässig gegen den Strich bürstet, dem nostalgisch eingefärbten Britpop ihren schroffen Elektrorock entgegenstellte und eine Sängerin in ihren Reihen hat, die für sich genommen schon ein einziger Aufreger ist. Ihr verdanken Skunk Anansie nicht nur die Bandnamensreferenzen an gewisse Cannabiskräutersorten beziehungsweise einen Spinnenmann der westafrikanischen Mythologie.

Skin, bürgerlich Deborah Anne Dyer und Tochter jamaikanischer Einwanderer, rasiert sich den Schädel kahl und erlangt weithin Bekanntheit wegen ihrer feministischen beziehungsweise antirassistischen Songtextkommentare. Skunk Anansies Debütsingle "Little Baby Swastikkka", wenig später eingeflossen ins Debütalbum "Paranoid & Sunburnt", setzt sogleich ein unmissverständliches Zeichen. Wird der Song Bestandteil der aktuellen Setlist sein? Ace weiß noch nicht. "Das hängt davon ab, ob wir eine Notwendigkeit spüren. Vergangenes Jahr hatten wir es jeden Abend im Programm." Darüber hinaus, versichert er, wird es einen Mix aus den Greatest Hits und semibekannten Stücken geben, selbstredend auch Material vom jüngsten Album "The Painful Truth".

Darunter mit Sicherheit "An Artist Is An Artist", den "einzigen Rocksong, der das Wort Menopause enthält", vermutet Ace. Denn es geht um das Altern von Künstlern, genauer von Künstlerinnen, die sich ständig der nervigen Frage ausgesetzt sehen, wie denn das so ist, wenn Frauen in die Jahre kommen. Skin gibt die einzig richtige Antwort. "An artist is an artist/When an artist is an artist/And she don’t stop being an artist/'cos she's old you know", heißt es im Songtext. Nicht unpassend auch "Cheers" mit Textzeilen wie "You lеft us high on these false hopes/Left us idols, not heroes". Skin möchte den Song als Kommentar auf den Brexit verstanden wissen, geht aus einem von der Schallplattenfirma zur Verfügung gestellten Generic Interview mit Skunk Anansie hervor.
Bernd Gürtler

Skunk Anansie 12. Juni, 20 Uhr, Alter Schlachthof (ausverkauft)