Ab ins Museum!

SAX-Ausflugsspecial meets Museumstag

terra mineralia

Industriemuseum Knappenrode

Der Internationale Museumstag findet seit 1992 unter einem jährlich wechselnden Motto statt, in diesem Jahr lautet es »The Power of Museums«. Am 15. Mai 2022 laden auch zahlreiche sächsische Museen mit besonderen Aktionen wie Sonderführungen, einem Blick hinter die Kulissen, Workshops oder Museumsfesten zu einem Besuch ein, an diesem Tag in den meisten Fällen bei freiem Eintritt. SAX stellt einige Museen im nahen und weiteren Dresdner Umland vor, die auch jenseits von Festtagen immer einen Ausflug wert sind. Aktuelle Öffnungszeiten und Eintrittspreise finden sich auf den jeweiligen Homepages. Von Angela Stuhrberg.

Technisches Museum der Bandweberei
Die Kleinstadt Großröhrsdorf galt einst als Zentrum der Bandweberei in Deutschland. Hier wie auch in einigen anderen Orten der Westlausitz waren im 19. Jahrhundert rund 70 Prozent der Bevölkerung mit der Produktion von Bändern und Gurten verbunden. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg befassten sich 68 kleine und mittlere Betriebe in Großröhrsdorf, Pulsnitz und Ohorn mit der Bandweberei. Bis 1978 wurden alle diese Betriebe im VEB Bandtex zusammengefasst. Nach der Wende gelang einigen traditionsreichen Bandwebereien der Neustart. Das seit 1998 von der Stadt und unterstützt vom Großröhrsdorfer Industrie- und Bandmuseum e. V. betriebene Technische Museum der Bandweberei in Großröhrsdorf in der stillgelegten Fabrik J. G. Schurig erzählt die Geschichte der Bandweberei vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, vom einfachen Handwebstuhl von 1680 bis zum modernen Webautomaten. Beeindruckend sind die Vorführungen an 15 voll funktionsfähigen historischen Maschinen sowie die Einzylinder-Dampfmaschine von 1896, die bis 1970 in der Kordel- und Litzenfabrik A. C. Boden in Großröhrsdorf in Betrieb war. Daneben gibt es Einblicke in die Vielfalt historischer Bänder und daraus gefertigter Konfektionsartikel. Derzeit sind zudem die Sonderausstellungen »Textil – Werkstoff mit Zukunft« und »Die Geschichte der Kraftmaschinen im Modell (Dampfmaschinen, Heißluftmaschinen, Verbrennungsmaschinen)« zu sehen.
Großröhrsdorf, Schulstraße 2, www.bandwebmuseum.de

Robert-Sterl-Haus
Der Maler Robert Hermann Sterl, 1867 in dem inzwischen zu Dresden gehörenden Dörfchen Großdobritz geboren, gehört neben Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt zu den bedeutendsten deutschen Impressionisten. Ab 1881 studierte er an der Königlichen Akademie der Bildenden Künste Dresden, der heutigen HfBK. Zahlreiche seiner Bilder befinden sich heute im Besitz der Galerie Neue Meister, so auch das 1937 von den Nationalsozialisten als »entartet« beschlagnahmte »Begräbniszug mit zwei Popen«. 1919 erwarb Sterl für sich und seine Ehefrau Helene ein Wohnhaus samt Garten in Naundorf in der Sächsischen Schweiz. Seit 1981 wird es, verwaltet von einer Stiftung, als Museum geführt und gilt inzwischen als eines von wenigen original erhaltenen historischen Künstlerwohnhäusern in Deutschland. Das am Malerweg gelegene Gebäude mit dem steil aufragenden Dach und einem Atelieranbau lädt mit authentisch erhaltenen Räumen, originalem Mobiliar und zahlreichen Werken Sterls zu einer Zeitreise in die Welt des Künstlers ein. Dazu gibt es Sonderausstellungen, nach dem Ende der Winterschließzeit folgt ab 
1. Mai »Bildsinfonien – Musikdarstellungen im Werk des Impressionisten Robert Sterl« mit begleitendem Programm.
Im weitläufigen Garten befindet sich zudem die Grabstätte des Ehepaares Sterl.
Naundorf (Gemeinde Struppen), Robert-Sterl-Straße 30, www.
robert-sterl-haus.de

Energiefabrik Knappenrode
Die Landschaft und das Leben der Menschen in der Lausitz ist seit über 150 Jahren vom Braunkohleabbau geprägt. Ein sorbisches Sprichwort sagt »Gott schuf die Lausitz, der Teufel die Kohle darunter«. Den Strukturwandel der letzten Jahrzehnte überstanden nur wenige Industriestandorte des Reviers, Fabriken und Kraftwerke wurden abgerissen, eine Handvoll als Zeugen einer vergangenen Epoche erhalten. Die backsteinrote Energiefabrik Knappenrode ist solch ein lebendiges Industriedenkmal. 1918 eingeweiht und 1994 stillgelegt, gehört die nahe Hoyerswerda gelegene ehemalige Brikettfabrik heute als einer von vier Standorten zum Sächsischen Industriemuseum. Besucher:innen können in den bis 2020 neu gestalteten Ausstellungen aus Licht, Metall und Glas den Wandel der Region nachempfinden – von der sorbischen Heidelandschaft über den wirtschaftlichen Aufschwung durch die Braunkohle im 20. Jahrhundert und den Niedergang nach der Wende bis hin zur Entstehung des Lausitzer Seenlands aus Tagebaurestlöchern und den Herausforderungen der kommenden Energiewende. Beim Fabrik.Erlebnis.Rundgang geht es durch Maschinensäle samt historischer Brikettier-Technik, wie sie so europaweit nicht mehr zu finden ist. Es riecht nach Kohlestaub und Maschinenöl, ehemalige Arbeiter:innen vermitteln Einblicke in den Brikettierprozess. Von der neuen Aussichtsplattform geht der Lausitz.Blick über die sich wandelnde Landschaft. Für kleine (Kohle-)Kumpel gibt es zahlreiche Mitmachgelegenheiten. Am 1. Mai werden zwei Sonderausstellungen eröffnet: »Schicht – Umbrüche im Revier« mit Fotografien der ASA-Gruppe und die Mineralienausstellung »Alles Gips«.
Hoyerswerda/OT Knappenrode, Werminghoffstraße 20, www.saechsisches-industriemuseum.com

Pfefferkuchenmuseum
Aus dem Jahr 1558 stammt das schriftliche Privileg, das den Bäckern von Pulsnitz das Recht erteilte, Pfefferkuchen zu backen. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in der Stadt noch 39 Pfefferküchlereien, heute produzieren weiterhin acht traditionsreiche Handwerksbetriebe sowie eine Pfefferkuchenfabrik das würzig-aromatische Gebäck in unzähligen Varianten. Anders als im Wes­ten Deutschlands war Pfefferküchler in der DDR ein anerkannter Handwerksberuf, erst 1998 wurde er in die nun gesamtdeutsche Handwerksordnung aufgenommen, der Name »Pulsnitzer Pfefferkuchen« ist inzwischen geschützt. Pfefferkuchen heißen die Dauergebäcke, weil in früheren Zeiten fremdländische Gewürze wie Kardamom, Muskat oder Zimt unter dem Sammelbegriff »Pfeffer« zusammengefasst wurden. In Sachsen hat sich der historische Name erhalten, in Nürnberg oder Aachen spricht man dagegen von Lebkuchen. Das Pfefferkuchenmuseum der Pfefferkuchenstadt Pulsnitz informiert über die Geschichte des Handwerks und die Herstellung des Pfefferkuchens. Zu sehen sind eine Pfefferküchlerei in der Ausstattung wie um das Jahr 1900, his­torische Maschinen, Model, Ausstechformen und Dosen. Nach vorheriger Anmeldung kann man sich selbst als Pfefferkuchenbäcker:in versuchen, die Köstlichkeiten verkosten oder sich durch das Museum führen lassen. Im Ticket eingeschlossen ist außerdem der Besuch des Stadtmuseums (Goethestraße 20a).
Ein Rundgang durch die Stadt mit Stopps in den verschiedenen Pfefferküchlereien, lohnt sich das ganze Jahr. Und auch den Pfefferkuchenmarkt im November soll es 2022 wieder geben.
Pulsnitz, Markt 3, www.pulsnitz.de

Deutsches Stuhlbaumuseum
Das 20 km südlich von Dresden gelegene Rabenau gilt als Deutschlands älteste Stuhlbauerstadt, seit fast 400 Jahren werden hier Stühle gefertigt. Den Höhepunkt der Stuhlherstellung erlebte das Städtchen um 1900 mit 13 Fabriken und rund 150 Werkstätten. Trotz der wechselvollen Geschichte im 20. Jahrhundert wird die handwerkliche Tradition des Stuhlbaus bis heute in mehreren Meisterwerkstätten, von denen einige seit Generationen in Familienhand sind, bewahrt; die meisten sind in der Sitzmöbelgenossenschaft Oelsa eG zusammengeschlossen. Das Stuhlbaumuseum im Vorwerk der einstigen Burganlage ist der Historie des Rabenauer Stuhlbauerhandwerks gewidmet. Die Vielfalt der ausgestellten Stühle verschiedener Stile und Epochen, der historischen Holzbearbeitungsmaschinen und Werkzeuge dürfte in Deutschland wohl einmalig sein. Wie sich die Rabenauer Handwerker zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen die aufstrebende industrielle Fertigung behaupteten, ist in der original rekonstruierten Werkstatt samt Maschinenraum des Rabenauer Stuhlbaumeisters Kurt Aehlig zu erleben. Eine Holzbibliothek informiert über die verschiedenen Holzarten. Noch bis zum Museumstag am 15. Mai ist die Sonderausstellung »Der im Holz las – Lüder Baier und seine Kunst« über den 2012 gestorbenen Holzgestalter zu sehen, Anfang Juni folgt »100 Jahre Museum – von der Rabenauer Heimatsammlung zum Deutschen Stuhlbaumuseum«.
Rabenau, Lindenstraße 2, www.deutsches-stuhlbaumuseum.de

Museum Schloss Klippenstein
Das Schloss Klippenstein in Radeberg, 1289 erstmals als »Castrum Radberch infeudatum« erwähnt und vielfach umgebaut, hat in seiner Geschichte zahlreiche verschiedene Nutzungen erlebt – als Burg, Jagdschloss, Amtsgericht und Gefängnis, als Flüchtlingsquartier und Kindergarten. 1953 zog das Heimatmuseum Radeberg ein. Am Ende der DDR befand sich das Schloss in einem desolaten baulichen Zustand. Die politische Wende brachte auch die Wende für Klippenstein. Zwischen 1993 und 2020 wurde die stattliche Anlage erst gesichert und dann denkmalgerecht saniert. Zuletzt erwachte der Schlossgarten aus dem Dornröschenschlaf, ein Aufzug erlaubt nun einen barrierefreien Zugang. Schon das Schloss selbst mit Vor- und Hauptburg samt Renaissanceportal, Eulenturm und Kurfürstlicher Reitertreppe lohnt einen Besuch. Nicht minder sehenswert ist auch die in sechs Bereiche gegliederte Dauerausstellung. Neben der Schloss-, Amts- und Stadtgeschichte sowie der Präsentation archäologischer Objekte im Gewölbekeller, hält vor allem die Ausstellung zur Industriegeschichte Radebergs Überraschungen bereit. Hier wurde (und wird) nicht nur ein weltbekanntes Bier gebraut. Radeberg gilt etwa als »Geburtsstätte des deutschen Camemberts«, in den 1920er-Jahren machten die Vereinigten Eschebachschen Werke mit ihrer Reform-Küche Furore und 1951 lief im Sachsenwerk der erste Fernseher der DDR – Typ »Leningrad« – vom Band. In der Torwärterstube kann man zudem einen Blick in die »Schauwerkstatt Historische Böttcherei« werfen. Und die überraschend spannende Sonderausstellung »150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Radeberg« wurde gerade bis zum 28. August verlängert.
Radeberg, Schlossstraße 6, www.schloss-klippenstein.de

terra mineralia
Erika Pohl-Ströher – 1919 im sächsischen Wurzen geboren und 2016 im schweizerischen Ferpicloz verstorben – war Chemikerin, Biologin und Unternehmerin. 2004 überließ sie ihre in 60 Jahren zusammengetragene einzigartige Mineraliensammlung der TU Bergakademie Freiberg als Dauerleihgabe. Im historischen Ambiente des prächtigen Schlosses Freudenstein in Freiberg entstand daraus die »terra mineralia«, eine der umfangreichsten und beeindruckendsten Mineralienausstellungen Deutschlands. 3500 faszinierend schöne Mineralien und Edelsteine werden in nach Kontinenten geordneten Sälen gezeigt. Der überwältigende Reichtum an Farben und Formen, die moderne Präsentation und die brillante Ausleuchtung machen das Betrachten zu einem einzigartigen sinnlichen Erlebnis. Interaktive Erlebnisbereiche, multimediale Angebote und aufschlussreiche Info-Tafeln lassen auch die Vermittlung von Wissen über die Welt der Minerale nicht zu kurz kommen. Besonders beeindruckend ist eine Kollektion mit unter UV-Licht fluoreszierenden Mineralien. Raritäten und besonders prächtige Stücke, aus Edelsteinen angefertigter Schmuck, die berühmten Silberlocken aus dem nahen Bergwerk und eine Sammlung von echten Meteoriten sind in der Schatzkammer zu sehen. Die jüngsten Besucher:innen können unter anderem einen Ausflug in die Kristallstruktur unternehmen und sich dabei wie in Gullivers Reisen fühlen. In einer Sonderschau zeigt die terra mineralia Gemälde, Drucke und Grafiken sowie einen Teil der umfangreichen Beryllsammlung des Schweizer Künstlers und Sammlers Dr. Kuno Stöckli. Im benachbarten Krügerhaus präsentiert die TU Bergakademie Freiberg zudem die Mineralogische Sammlung Deutschland.
Freiberg, Schlossplatz 4, www.terra-mineralia.de