Auf ein Wiedersehen! Hoffentlich.

Das Inselfest Laubegast lässt zum letzten Mal die Wimpel tanzen

Als ich an diesem sonnigen und warmen Sonntag am Eingang des Laubegaster Inselfestes ankomme, sehe ich schon den orangenen Ballon mit der Festival-Beschriftung zwischen den Häusern schweben. Ich möchte alles entdecken, was dieses liebevoll organisierte Fest zu bieten hat. Zu Beginn wird einem die Laubegaster Geschichte vorgeführt. Viele Bilder - von 1900 bis 2019 - von Schwarzweiß bis Bunt – hängen an Stricken und zeigen Persönlichkeiten des Viertels. Mit dabei auch Melli Beese, Deutschlands erste Motorfliegerin, welche in Laubegast das Licht der Welt erblickte. Viele interessierte Bewohner entdecken aber auch noch lebende Bekannte und freuen sich über die bunte Auswahl an Fotomotiven. Aus der einen Ecke hört man lachend: „Schau mal, wir sahen mal genauso aus.“ Aus einer anderen wiederum: „Solche Bilder kenne ich noch von meiner Mutter.“  

Weiter geht es den Weg Altlaubegast hinunter zur Elbe. Umrahmt wird die Straße mit alten Häusern und ihren neuen Fassaden. Davor liegen schön gepflegte Gärten mit Sonnenblumen und Tomatenstauden. Während ich an Flohmarktständen mit Kinderspielzeug und Kleidung vorbeilaufe, höre ich von weitem herzliches Gelächter und Polka-Rhythmen. Auf der Welt- und Kleinkunst Bühne sind gerade die drei Herren von Der Dresdner Stadtschnepp dabei, die ältere Generation köstlich zu amüsieren. Auch eine schwarzweiße Katze gesellt sich mit ins Geschehen und wird von einem Hund mit jeweils einem braunen und einem blauen Auge beobachtet. Die Kunst der Natur führt auch etwas auf. 

Um zu der Inselfest-Retrospektive auf dem Grundstück LU17 zu kommen, laufe ich flussaufwärts an verschiedenen Verpflegungsständen vorbei. Eine bunte Vielfalt von Flammkuchen, Baumstrietzel, Kartoffelspiralen und vielen internationalen Küchen aller Kontinente sind über das ganze Areal verteilt. Um in den Hinterhof der Pension Schmalz alias LU17 zu gelangen, passiere ich eine große graue Tür, die mich in das Gartenparadies leitet. Eine lange Tradition verbirgt sich hier und sie wird durch eine alte Schwengelpumpe und ein zerfallenes Waschhaus mit rostigen Ofentüren sichtbar. „Waschen wie zu Uromas Zeiten“ steht davor. Wieder auf der Uferstraße angekommen, sehe ich schon die Bühne Singers Corner, allerdings ohne Singer. Das Podest wird deshalb zur Pausenbank deklariert und ich geselle mich dazu. An uns vorbei reiten Kinder auf Ponys – die eine Hand am Zügel, die andere an Papas Hand.

Am Wegesrand steht das Ortseingangsschild von „Laubegoszcz“. Es sind exakt 28 Schritte bis zum Ortsausgang. Und nur ein paar mehr bis zum „Playa del Mundo“. Zwischen wehenden Tüchern spielen Die Faulen Lenze und singen über Toleranz und Frieden. Ein musikalischer Act folgt dem nächsten, denn schon wenige Meter weiter erfüllen die französischen Ziehharmonikaklänge eines freundlichen Musikers die Luft. Währenddessen fährt die „Bohemia“ auf der Elbe Richtung Sächsische Schweiz vorbei. Manchmal passt es einfach. 

Während der Wind eine fischige Brise an das Ufer schickt, sitze ich nun vor der Tir Na N‘Og-Bühne, auf der Lutz Kowalewski & The Red Rugs einen rohen Blues aus Stimme und Instrumenten hervorbringen. Mit ihrer Getränkebestellung „One Scotch – One Bourbon – One Beer“ singen sie zusammen mit dem Publikum dem Abend entgegen. Das Ende des Festgeländes wird durch die Elbbühne begrenzt. Auf dieser spielen bereits die Wirtschaftswunder Dresden ihre Instrumente für den Auftritt um 17 Uhr ein. 

Durch die angenehm luftigen Besuchermassen führt mich der Weg nun in das Familienparadies. Die Fährstraße hat sich in die Kinderinsel verwandelt und hält eine Menge für die kleineren Besucher bereit. Man sieht Kinder an Tischen malen, im Sandkasten graben und auf dem Trampolin springen. Wer möchte, kann auch einen Kerzenhalter aus Sandstein basteln. Viele Familien genießen hier ihren Sonntagnachmittag und nutzen die gemeinschaftlichen Aktivitäten.

Mich führt die Straße nun zu meinem letzten Programmpunkt auf dem Inselfest. Im gut besuchten Breitengrad wird der Film „Versunken im Reich der Kmer“ von Michael Hloucal vorgeführt. In dem Raum mit allerlei Dingen zum Entdecken schauen viele Reiseinteressierte gebannt auf die Leinwand. Mal wird gelacht, mal mit dem Kopf geschüttelt und mal strömt von der Brauerei gegenüber ein Wirtshauslied durch die Tür. Am Ende wird mit einem Applaus Respekt an die Filmcrew gezollt und die Zuschauer zerstreuen sich in der Abendatmosphäre der Laubegaster Straßen. Auch ich laufe mit der Sonne auf der Schulter elbabwärts in Richtung Innenstadt und bedauere, dass ich mich das letzte Mal vom Inselfestwochenende verabschiede. Aber ich verkneife mir das „Lebwohl“ und hoffe auf ein „Auf Wiedersehen“!
Jenny Schmidt

Inselfest Laubegast 9. bis 11. August 2019