Auferstanden unter Schmerzen

Die Freunde der italienischen Oper am 11. Januar im Beatpol

Foto: Klaus Nauber

Das Ende der DDR ging mit einem beispiellosen Kreativitätsschub einher. Im selben Maße wie der alte Machtapparat ins Wanken geriet, entstanden Freiräume mit faszinierenden Möglichkeiten. Die Freunde der italienischen Oper sind aus eben diesem ungeheuer ergiebigen Nährboden erwachsen. Das Alleinstellungsmerkmal der 1988 in Dresden gegründeten Formation bestand in einem derben, nicht unraffiniert arrangierten, posaunengetriebenen Punkrock, auf der Konzertbühne verknüpft mit teils verstörenden Filmsequenzen.

1989 verpflichte Theaterregisseur Wolfgang Engel die Freunde der italienischen Oper für seine "Faust"-Inszenierung am Dresdner Schauspielhaus. 1991 erscheint das Debütalbum "Um Thron und Liebe". Ungefähr zur selben Zeit wird Alfred Hilsberg, Entdecker von Einstürzende Neubauten oder Blumfeld aufmerksam. Ein zweites Album sollte entstehen, wozu es leider nicht mehr kommt. 1992 beschließt die Band ihre Auflösung. Bereits erarbeitete Demos erscheinen 1997 auf "Edle Einfalt, stille Größe", gekoppelt mit "Um Thron und Liebe" im 2CD-Boxset "Rare, seltene und rätselhafte Aufnahmen" auf Alfred Hilsbergs What's So Funny About-Label.

Anlassgebundene Einzelwiederbelebungen erleben die Freunde der italienischen Oper unter anderem 2005 (als Begleiter von Opernsänger René Pape in der Arte-Filmdokumentation "Der Bass René Pape - Mein Herz brennt") sowie 2009 (auf Initiative des Osteuropaexperten Alexander Pehlemann im Rahmen des Warschauer Punkpackt-Festivals im Leipziger Centraltheater), jeweils auf den Weggebracht durch Sänger Ray van Zeschau. Der jetzt mit einer weiteren neuen Besetzung an den Start geht und diesmal langfristiger plant. Es sind Konzerttermine gebucht, unter anderem in Dresden im Beatpol. Und es gibt ein neues Album, aus naheliegenden Gründen nach dem Leidensweg Jesu in Jerusalem "Via Dolorosa" benannt, denn diese Auferstehung war eine unter Schmerzen.

Originalmitglieder sind entweder anderweitig beschäftig gewesen oder wollten aus persönlichen Befindlichkeiten nicht. Neurekrutierungen wurden mit schöner Regelmäßigkeit abgeworben. Als bereits Ende 2017 neue Mitstreiter sicher feststanden, brach sich Ray van Zeschau bei einem Wintersportunfall in Bulgarien ein Bein. Diesmal aber wird es klappen. Mit von der Partie sind Rajko Gohlke (Think About Mutation, Krieger, Knorkator), Tex Morton (Sunny Domestozs, Ray & The Rockets), Boris Israel Fernandez (Messer Chups, Ray & The Rockets) sowie Joey A. Vaising (Think About Mutation, Sonic Boom Foundation). Auch "Via Dolorosa" ist sehr schön geworden. Nicht irritieren lassen, wenn es heißt, dass da mit einer Ausnahme "nur" Neueinspielungen alter Stücke enthalten sind. Ein feines Album nichtsdestotrotz. Die Freunde der italienischen Oper hätten Rammstein sein können, wenn sie nur gewollt hätten.
Bernd Gürtler

Freunde der italienischen Oper
11. Januar, 21 Uhr, Beatpol (ausverkauft)
www.freunde-der-italienischen-oper.de