Copacabana in den Ostra-Studios

LuÁu bei den Jazztagen Dresden

Foto: Hans-Joachim Maquet

Herrlicher Sonnenschein zum Abschluss der Jazztage Dresden und dazu passte auch dieses Konzert in den Ostra-Studios. Die Deutsch-Brasilianerin Be Ignacio und der gebürtige Görlitzer mit Wohnsitz in Dresden Silvio Schneider brachten brasilianisches Samba-Feeling nach Elbflorenz. Dabei ging es nicht um die krachende Samba-Sause, sondern die zarte gefühlvolle Seite, die die brasilianische Musik eines Carlos Antonio Jobim oder eines Joao Gilberto ebenfalls bietet. Deshalb auch die Bezeichnung des Duos mit „LuAu“, was ein Zusammenkommen in der Abenddämmerung zu Mondenschein am Strand um ein Feuer bezeichnet, wobei man dann Gitarre spielt und zusammen singt.

Be Ignacios Mutter, die bereits einer Musikerfamilie entstammt, blieb nach einer Brasilienreise zum Abschluß des Studios der Liebe wegen dort, wo sie immer noch mit dem Mann von damals verheiratet ist. Be, die Frucht dieser Liebe, wuchs zweisprachig auf und ist mit einem deutschen Musiker verheiratet, mit dem sie die Hälfte des Jahres in Konstanz wohnt. Sie tritt normalerweise mit einer größeren Band auf und bietet die heiße Samba-Musik, die man üblicherweise mit Brasilien verbindet. Der Gitarrist Silvio Schneider ist ein Globetrotter, der neugierig auf andere Kulturen und deren Musik viel in der Welt herumgekommen ist und sich hat inspirieren lassen.

Das Duo-Projekt der beiden ist neu – und gelungen. Hier haben sich zwei Musiker gefunden, die sichtbar Freude an dem haben, was sie da miteinander ausprobieren. Beide waren „in der Musik“, die sie spielten. Das zeigte sich sowohl, wenn Silvio Schneider vom Sitz gerissen, seine Gitarre zu einem temperamentvollen Ausbruch brasilianischen Gefühls bearbeitete, als auch wenn Be Ignacio von der Musik durchflossen wurde. Anders jedenfalls kann man ihre anmutigen Bewegungen, z.B. der Hände und Arme, nicht bezeichnen. Hier bestimmte nicht das menschliche Gehirn die Bewegung, sondern die Musik. Zeitweilig schienen die Künstler alles um sich herum zu vergessen und inspirierten sich gegenseitig. Immer wieder ging ein Lächeln durch ihr Gesicht oder ein freudiges Erstaunen darüber, wie der musikalische Partner den eigenen Impetus aufnahm und weiterverarbeitete. Diese Freude übertrug sich auch aufs Publikum, das seinerseits mit seinem Feedback wieder die Künstler befeuerte. So soll Jazz sein! Dieses Konzert war für den Rezensenten bis zu diesem Zeitpunkt (immerhin am letzten Tag) das beste der diesjährigen Jazztage.

Dabei ist insbesondere auch Silvio Schneiders Fähigkeit zu loben, sich so überzeugend in die brasilianische Gitarrenkunst einzufühlen, daß man hätte glauben können, er sei an der Copacabana geboren und habe zeitlebens keine andere Musik erlebt als diese. Das gilt für die gefühlvollen Werke genauso wie für temperamentvolle Gitarrensoli. Sein musikalisches Genie bewies er dann mit eigenkompositorischen Werken, z.B. einer Verbindung einer Bachschen Partita mit brasilianischem Samba, als wäre das Stück ursprünglich in dieser Fassung so und nicht anders von Bach komponiert worden.

Be Ignacio bezauberte das Publikum nicht nur mit ihrer schönen Stimme, sondern riß es auch mit ihrem unwiderstehlichen Charme von den Sitzen, als sie zum Mitsingen aufforderte. Es gab niemanden, der dieser Aufforderung nicht Folge geleistet hätte. Zu der Begeisterung trug natürlich auch bei, daß das Programm, wie der Konzerttitel „Corcovado“ bereits andeutete, immer wieder auch die beliebten Evergreens aus dem „Great Brazilian Songbook“ einstreute. Natürlich forderte das Publikum erfolgreich Zugaben ein. Den Veranstaltern ist dringend zu raten, diese Musiker auch für das nächste Jahr wieder zu verpflichten. Dann wünschte man diesem Konzert allerdings das ausverkaufte Haus, das es verdient. Die Nachmittagsstunden am Totensonntag, sind vielleicht nicht so glücklich gewählt.
Ra.

LuÁu 24. November, Ostra-Studios, www.jazztage-dresden.de