Dämonen in Dresden

Lordi hardrockten in der Tante Ju

Foto: Norbert Scholz

Ein Hauch von großer weiter Welt weht im November durch unser weltoffenes und buntes Dresden –  Conchita Wurst und nun auch noch Lordi! Gleich zwei Gewinner_Innen* des Eurovision Song Contest auf einmal! Und beide gleichermaßen berühmt für ihr ungewöhnliches Äußeres und ihre Sexualität: Der eine mag die Männerliebe, der andere den Akt mit Untoten und Dämonen. (Die jeweilige Zuordnung bitte selbst googeln).

Die finnischen Rocker haben sich am Abend in der gut gefüllten Konzerthalle Tante Ju noch zwei Bands als Verstärkung mitgebracht: Silver Dust aus der Schweiz und Follow The Cipher aus Schweden. Die silbernen Herren gaben den Anheizer, und das schon ordentlich laut und rockig. Die nachfolgenden Nordmänner um Frontfrau Linda Toni Grahn knüpften daran nahtlos an und hatten einige mitsingende  Fans im Publikum. Melodischer Metal mit Popelementen könnte man es nennen, getragen von der klaren Stimme der zarten Sängerin, die, überraschend, eine ganz andere, rauhe Sprechstimme hat, wenn sie mit den Gästen vor der Bühne redet. Und das nicht nur, um zum Klatschen und Hüpfen zu animieren, sondern auch, um ein Geburtstagsständchen anzustimmen, das der ganze Saal mitsingt.

Mittlerweile ist es ordentlich warm im Raum, Zeit für eine Bockwurst und ein Bier, letzteres übrigens schon ab 2 Euro zu haben – wo gibt es das sonst in einem Konzerthaus. Die Herren Lordi haben auch auch etwas Verpflegung dabei. Am Merchandise-Stand der Band gibt es nicht nur T-Shirts und CDs, sondern auch Schokolade und scharfe Soße. Und einen Dildo mit kleinen Teufelshörnern für 120 Euro (nur 100 Stück wurden produziert, verrät die Fachfrau am Tisch). Die Rocker selbst lassen etwas auf sich warten, vielleicht sitzt das Makeup noch nicht perfekt. Doch dann geht die Show los.

Nebel und Donner umhüllen die Bühne, die wie eine Kulisse im Theater bebaut ist. Schädel überall und steinerne Wände wie im alt ehrwürdigen Schloss Grayskull aus der He-Man-Saga. Und wie aus eine Fantasywelt sehen sie aus, die Mannen und Frauen um Sänger und Gründer Lordi. Er ist der Dämonenfürst und stolziert auf irrwitzigen Plateauschuhen auf die Bühne. Er begrüßt auf Deutsch und macht sich einen Spaß daraus, mit seinen schmalen Kenntnissen zu kokettieren. „Ja, Nein, Was, scheiße heiß hier.“ Das Publikum macht amüsiert mit. Die Hardrocker nehmen sich auch nicht all zu ernst, bieten aber einen hochwertigen Sound und jede Menge Effekte und Showelemente.

Fliegende Geister, schwebende Menschen, aber statt blutigen Eingeweiden wird Konfetti in den Saal geworfen. Das Musikprogramm besteht aus alten und neuen Stücken, unterbrochen von Solonummern an Schlagzeug, Bass, Keyboard und Gitarre. In der Zeit verschwinden die anderen hinter der Bühne, um kurz zu verschnaufen, denn unter den Latexmasken und Kostümen ist es kuschelig-schwitzig warm. Auch im Saal der Tante Ju wird der Sauerstoff knapp und die Metallerkutten geben ihre Aromen frei, doch zum finalen „Hard Rock Hallelujah“ sind alle wieder fit, die Band haut ordentlich rein, die Smartphones werden noch mal aktiviert und die Hand - zur Pommesgabel geformt - in die Luft gereckt. Gegen 23 Uhr ist dann Feierabend und ein gelungenes Rock-Event zu Ende.
Norbert Scholz

Lordi
15. November, Tante Ju