Die Jekkes kommen

Die Jüdische Woche lädt mit einem breiten Programm

Artist-in-Residence: Frank London

Die Jüdische Woche Dresden legt in diesem Jahr einen besonderen Fokus auf die sogenannte Jekkes-Kultur. Als Jekkes (zu deutsch »die mit den Jacken«) wurden im Jiddischen einst diejenigen Juden bezeichnet, die kurz vor der Schoa nach Israel geflohen sind, sich stark mit der deutschen Kultur identifizierten und so bis heute für ihre eigene Sprache und Kultur bekannt sind. Ihre typischen Jacken wurden damals zum Sinnbild einer stereotypen Überkompensation: Pünktlichkeit, Genauigkeit und Zuverlässigkeit. Was als Schimpfwort begann, wurde mit der Zeit zur mit Stolz getragenen Selbstbezeichnung. Heute ist Jekke ein Kompliment und der Anteil des Jekkes am Aufbau des Staates Israels wird allgemein gewürdigt. So auch bei der diesjährigen Jüdischen Woche Dresden, die zugleich ein Jubiläum ist, da nunmehr die 25. Auflage ansteht.

»Der kulturelle Beitrag der Jekkes ist gar nicht hoch genug zu bewerten. Er reicht von der Zeit der Kreuzzüge im 11. Jahrhundert bis zur florierenden internationalen jüdischen Kulturszene im heutigen Deutschland. Unser Festival wird deshalb die Jekkes-Kultur als Gegenströmung präsentieren, als die jüdisch-deutsche Salonkultur des 18. bis 20. Jahrhunderts, als die Avantgarde- und Queerbewegung zwischen den beiden Weltkriegen, sowie ihren Anteil an der internationalen jüdischen Kulturrevolution des 21. Jahrhunderts und ihren Einfluss auf die israelische Gesellschaft zeigen.« So und nicht weniger fasst Avery Gosfield, Leiterin der aktuellen Jüdischen Woche Dresden den Ansatz und die Motivation zum diesjährigen Programm zusammen.

Zentral und explizit hervorzuheben ist der Grammy-Gewinner Frank London, der im Rahmen des Festivals zum »artist in residence« wird und daher in mehreren Solo- und Kooperationsprojekten auf und neben der Bühne steht. Avery Gosfield hierzu: »In dem Bemühen, unser Festival so nachhaltig wie möglich zu gestalten, wird er seine Zeit in Dresden maximal ausnutzen. Unter anderem in einem Projekt mit der Banda Internationale, beim Unterricht im sozialen Musikprojekt Musaik e.V. für sozial unterprivilegierte Kinder und bei drei Auftritten während des Festivals.«

Darüber hinaus ist die Jüdische Woche an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Societaetstheater zu Gast, um in Form von Musik-, Theater-, Tanz- und Multimedia-Darbietungen die jüdisch-deutsche Kultur in allen Farben, Tönen und Geschmacksrichtungen zu zeigen. Außerdem gibt es vor Ort Vorträge, Aktivitäten für Kinder und eine Ausstellung des Schwulen Museums Berlin sowie Podiumsdiskussionen.

Während des Festivalzeitraums finden aber auch noch mehrere Filmvorführungen statt und es gibt das beliebte Food-Festival »Gefilte Fest« im Hygiene-Museum, den offenen Gottesdienst in der Synagoge, den Mischpoke-Tag für die ganze Familie, Einführungen in Hebräisch und Jiddisch, Rundgänge über den Alten und Neuen Jüdischen Friedhof sowie einen Spaziergang durch die jüdische Neustadt. Und 2021 wird auch das Jahr sein, in dem das didaktische Programm »Spielen gegen Antisemitismus« erstmals vollständig präsentieren wird. Hier handelt es sich um ein Format, das den Kontakt zwischen den Festival-Künstler:innen und denjenigen fördern möchte, die normalerweise keine Konzerte oder Theateraufführungen besuchen würden.

Kurzum: Austausch und Begegnungen stehen bei der Jüdischen Woche Dresden auch in diesem Jahr ganz hoch im Kurs. In diesem Sinne dürfen sich alle freuen, wenn die Jekkes kommen.
Thomas Natzschka

25. Jüdische Woche Dresden
30. September bis 10. Oktober
www.juedische-woche-dresden.de