Du bist Teil des Spiels
Intendantin Nora Schmid stellt ihre dritte Spielzeit in der Semperoper vor
Wieder erfüllt strahlender Sonnenschein das Obere Rundfoyer der Semperoper und wieder kann die Intendanz nur gute Zahlen zum Rückblick der vergangenen Spielzeit präsentieren. Der Zuspruch des Publikums für Oper, Ballett und die Konzerte der Staatskapelle ist mit 2,5 Prozent Wachstum weiterhin überaus hoch. Mit einer Auslastung von 95,7 Prozent und zirka 300.00 Besucher:innen liegt die Semperoper ganz vorn im Vergleich der großen Opernhäuser. Inklusive Sommervermietung, Nebenspielstätten und den Gastspielen kommen sogar 582.000 Besucher:innen für 2025 zusammen! Der Freistaat lässt sich sein kulturelles Flaggschiff mit 100 Millionen Euro Zuschuss (für beide Staatsbetreibe) weiterhin was kosten. Trotz der notwendig gewordenen Kürzungen von über 10 Millionen bei den zwei Staatstheatern können im Gesamthaushalt sowohl die Auswirkungen der neuen Tarifverträge gedeckelt werden wie die Festkosten der 1.076 Angestellten beider Häuser. Einzige Wermutstropfen: Die Etateinsparungen haben zur Folge, dass es 2026 an der Semperoper eine Opernpremiere weniger geben wird, und dass auch das DVB-Kombiticket für die Theaterbesucher:innen nicht wieder aufgenommen wird.
Für die außerordentlich guten Zahlen und die erzielten Zuwächse ist neben dem hohen künstlerischen Profil sicher auch die veränderte, publikumsnahe Kommunikation des Hauses ein Marker. Und da kommt wieder Intendantin Nora Schmid ins Spiel, die gemeinsam mit ihrem Team nahbar und in vielfältigen Formaten für die Semperoper wirbt. In der Spielzeit 2026/2027 zusammengefasst unter der Überschrift „Stell dir vor, du bist Teil des Spiels“. In fast 300 Vorstellungen wird klassisches wie zeitgenössisches Repertoire auf die Bühne kommen, darunter acht Opernneuproduktionen und zwei Ballettpremieren. Daneben verbleiben 19 Opern- und sechs Ballettproduktionen im Repertoire. Dazu gibt es viele Extras und Sonderveranstaltungen. Vielgestaltig wie das Leben selbst sollen sich die behandelten Themen dem Schicksal von Individuen wie Gemeinschaften widmen und Kunst in vielfältigen musikalischen Facetten erlebbar machen. „Das Opernhaus als Ort gedanklicher Möglichkeiten und sinnlicher Wahrnehmungen, auch um unsere Zeit zu spiegeln und Fragen auszuwerfen“, so Nora Schmidt.
Ein besonderer Schwerpunkt der Saison beschäftigt sich mit Ludwig van Beethoven. Nachdem sein 250. Geburtstag in der Coronazeit nicht ausgiebig gewürdigt werden konnte, soll im Frühjahr 2027 sein 200. Todestag Anlass für eine Festreihe sein. In der Sparte Oper ist neben der legendären Opern-Inszenierung „Fidelio“ von Christine Mielitz vor allem am 24.4.2027 die Premiere einer thematisch dazu korrespondierenden Semiseria-Oper „Leonora“ des Komponisten Ferdinando Paer geplant. Als italienischer Musiker und Komponist kam er nach Dresden, wurde 1802 vom sächsischen Hof als Kapellmeister berufen und prägte hier für einige Jahre das Musikleben durch viele Opern-und Konzertaufführungen nachhaltig. Auch seine Revolutionsoper „Leonora“ kam hier zur gefeierten Premiere. Die Wiederentdeckung inszeniert die gebürtige Dresdnerin Andrea Moses, die sich in den 1990ern in der Kleinen Szene schon als ganz junge Frau ausprobieren konnte und hier 2007 die Uraufführung „Gadzo“ inszenierte. Sie wird die Handlung in die Gegenwart führen und starke, lebensechte Charaktere aufeinander treffen lassen. Den Premierenauftakt der Spielzeit setzt am 4.10.2026 Chefdirigent Daniele Gatti durch die Fortsetzung seiner Verdi-Reihe mit „Un ballo in maschera“. Als Regiedebüt an der Semperoper ist Angela Denoke mit der Inszenierung betraut, in einer Videobotschaft unterstrich sie die menschlichen Abgründe, die unter der schönen, facettenreichen Musik auszumachen sind. Über unsere Unzugänglichkeiten zu lachen, bietet die nächste Premiere Stoff, wenn es in Franz Lehárs „Die lustige Witwe“ um Beziehungen, persönliche Vorteile und flexible Identitäten geht.
Im Frühjahr 2027 kehrt für ein ambitioniertes, zeitgenössische Fragen aufwerfendes Projekt die Regisseurin Elisabeth Stöppler an die Semperoper zurück. Das 1961 uraufgeführte Musikdrama „The Greek Passion“ des tschechischen Komponisten Bohuslav Martinu lässt in den Vorbereitungen für das jährliche dörfliche Passionsspiel eine Gruppe von Flüchtlingen platzen, die menschliches Handeln wie Versagen provozieren. Eindrucksvolle oratorienhafte Chorpassagen und Einflüsse verschiedener Stilrichtungen wie Volksweisen oder byzantische Kirchenmusik charakterisieren den musikalischen Part. Noch ein letzter lokaler Bezug sei benannt mit der Inszenierung von „Rienzi, der letzte der Tribunen“ zum Spielzeitende im Juni 2027. Richard Wagners erste in Dresden uraufgeführte Oper kommt fast 90 Jahre nach der letzten hiesigen Aufführung wieder auf die Bühne. Mit Spannung darf das Rollendebüt von Klaus Florian Vogt als Rienzi erwartet werden.Es inszeniert Eva-Maria Hückmayr, eine weitere weibliche Regiehandschrift. Womit inzwischen mehrheitlich Frauen an der Semperoper im Regiebereich wirken.
Für das Ballett beginnt die Spielzeit am 31.10.2026 mit einem schon jetzt gut nachgefragten dreiteiligen Abend. „Different Grounds“ vereint mit Uraufführungen von Stephanie Lake, Shahar Binyamini und Julian Nicosia drei zeitgenössische Choreografie Handschriften, die von Spitze bis barfuß die Tanzsprache dreier Kontinente nach Dresden bringen. Chefchoreograph Kinsun Chan erarbeitet danach im Mai 2027 mit „Cinderalla“ seine erste Uraufführung für das Semperoper Ballett. Inspiriert von Prokofjews Musik erhebt er die Titelfigur auf der Suche nach sich selbst zur eigentlichen Heldin der Geschichte. Besonderen Wert legt Kinsun Chan auf die weiterführende Kooperation mit anderen Institutionen der Stadt. So wird es ganze 13 Vorstellungen seiner Choreographie „Parts and Pieces“ im Kleinen Haus geben. Und auch die Tanzgala „Dresdance“ mit Beiträgen aus der gesamten Dresdner Tanzszene wird mit nunmehr zwei Vorstellungen in der Staatsoperette fortgeführt. Ein Gewinn für Publikum wie für die beteiligten jungen Tänzer:innen verschiedener Dresdner Tanzschulen war das Projekt „Kolossus Kids“ in Semper Zwei, das ebenfalls eine Wiederauflage erfährt.
Die kleine Spielstätte Semper Zwei erfährt in der neuen Spielzeit besondere Aufmerksamkeit. Seit 10 Jahren sind hier von Tanz über Kammeroper bis zu experimentellen Projekten überraschende Formate gelungen. Neben den Repertoirevorstellungen wird der Dresdner Torsten Rasch eine Erstaufführung seiner Kammeroper „Die wunderbaren Jahre“ nach dem gleichnamigen Buch von Reiner Kunze begleiten. Für Rasch ein persönliches Vorhaben, da er sich als ehemaliger Kruzianer in dessen Geschichten wiedererkannte. Dazu gesellt sich neben den verhandelten Geschichten als dritte Ebene die Reflexion über 40 Jahre danach. Weitere Opernpremieren hier sind „Pech, Marie!“, eine Uraufführung von Jens Joneleit für Kinder ab 7 Jahren und „Subotnik“ des australischen Komponisten Samuel Penderbayne nach einer Erzählung von Ferdinand von Schirach.
Im kostenlos erhältlichen Programmbuch der neuen Spielzeit sind noch viele weitere Veranstaltungen uafgeführt, so zur Beethoven-Festreihe, die mit dem Silvesterkonzert 2026 startet. Neben thematischen Zusatzangeboten zu den Premieren wirbt Semperoper Aktiv! mit Projekten für alle Altersklassen, Schulen und Familien. Günstige Tickets sind bei den 15 Dresdentagen erhältlich sowie bei Familien- und Mittagsvorstellungen. Und für Jugendlich gibt es weiterhin das Jugend-Package Take4 . Wer sich enger an die Semperoper binden möchte, ist im Freundeskreis Proszenio gut aufgehoben. Über verschiedene (Preis)Stufen der Mitgliedschaft lernt man hier die Aktiven auf und hinter der Bühne kennen und wird zu exklusiven Veranstaltungen eingeladen. Der Kartenvorverkauf für die Saison 2026 / 2027 hat bereits begonnen!
IsMa
