Ein schöner Abend mit Freunden

SAX-Interview mit Christian Friedel zum Festival Come To The Woods am 4. Juli

Foto: Carsten Beier

Am 4. Juli geht zum siebenten Mal die Aufforderung an das Publikum raus:  Come to the woods! Und es ist ja auch eine Waldbühne, die auf dem Konzertplatz Weißer Hirsch steht, einem Areal direkt am Heiderand. Eine Doppeldeutigkeit ergibt sich zudem durch die gastgebende Band, die hier ihr eigenes Festival etabliert hat: Woods of Birnam. Droht bei William Shakespeare dem Drama-Titelhelden Macbeth durch ebenjenen Forst bei Birnam noch der Untergang, stehen die Zeichen an jenem Juli-Sonnabend voll und ganz auf großartige Musik, wunderbare Acts und Unterhaltung der besten Art. Zudem gibt es Neuerungen. Die Fragen dazu beantwortet der WOB-Sänger und Schauspieler Christian Friedel im SAX-Gespräch.

SAX: Es fällt auf, dass beim Line-up auf der großen Bühne diesmal bei allen Acts Musik und Schauspiel zusammenkommen. War das ein erklärtes Ziel oder eher Zufall? 
Christian Friedel: Wir hatten schon die Idee, dass so eine Mischung auch mal cool wäre. Es gibt ja viele, die beides machen wie etwa Christin Nichols, die im letzten Jahr dabei war. Die Auswahl der Gäste kommt eigentlich immer aus der Band. Jeder bringt Vorschläge mit und dann hört man sich das zusammen an und versucht, den gemeinsamen Konsens zu finden. Am Anfang haben wir vor allem Freunde eingeladen, aber inzwischen wurde der Kreis so erweitert, dass wir Künstlerinnen und Künstler einladen, die wir einfach cool finden, von denen wir selbst Fans sind.

SAX: Wie war der Weg zu diesem Kreis 2026?
Christian Friedel: Das war sehr unterschiedliche. Mit Marleen Lohse haben wir beim Filmpreis letztes Jahr die Titelmusik von »Schule der magischen Tiere« zusammen gesungen. Jetzt hat sie ihr Debütalbum herausgebracht und da dachten wir, dass das eigentlich eine sehr schöne Brücke ist. Fuffifufzich wiederum habe ich bei Radio Eins entdeckt und fand sie einfach cool. Erst später habe ich erfahren, dass hier Vanessa Loibl dahintersteckt, die auch Schauspielerin ist. Ähnlich war es bei Hotel Rimini, einer Band, die wir schon lange toll finden. Dass Sänger Julius Forster auch Schauspieler ist, bemerkte ich erst, als ich sein Foto in der Ensemblegalerie des Leipziger Schauspiels entdeckte. Mein Gedanke war: Das mit den singenden Schauspielenden war viel Zufall und eher kein Plan, aber als Konzept können wir das jetzt »verkaufen«.

SAX: Auch wenn etwa Fuffifufzich eher bei einem etwas jüngeren Publikum bekannt ist, ist das Programm insgesamt durchaus erwachsen. Habt ihr euch darauf eingestellt, vor allem Menschen ab 25/30 anzusprechen?
Christian Friedel: Absolut, und natürlich auch ein Publikum, das noch Musik entdecken möchte. Und natürlich kommen auch viele Woods-Fans zu uns. Lars Hiller von K&F Records hat mal gesagt, dass wir eher so Erwachsenen-Pop machen. Ich wusste zunächst nicht, ob ich das so toll finde, ich möchte mich nicht einengen. Aber es hat sich schon so ergeben, dass viele ab 30 unser Stammpublikum ausmachen, die bewusst Musik erleben, nicht nur skippen oder streamen, sondern auch mal eine Vinyl-Platte auflegen, die ein bisschen auch die Musik zelebrieren. Andererseits merken wir immer mehr, dass gerade die Familienfreundlichkeit, die unser Festival ausmacht, auch Jüngere anzieht. Insgesamt ist es uns wichtig, dass man einen vielfältigen Nachmittag und Abend erlebt mit sehr unterschiedlichen Genres.

SAX: Den Begriff »erwachsen« würde ich auch etwas differenziert sehen, eher als Haltung. Es gibt ja auch viele 17-, 18-Jährige, die sind total reflektiert, die machen genau, was du gesagt hast, die legen Platten auf. Die hören sich Alben an, die konsumieren Musik, sowohl in der heutigen Art und Weise, aber durchaus auch auf den althergebrachten Wegen. Und dann gibt es irgendwie 50-Jährige, die schaffen ihre LPs auf den Trödelmarkt und streamen nur noch.
Christian Friedel: Ja, das ist doch schön beschrieben, finde ich auch. Uns geht es um ein Publikum an, dass ein gutes mentales Verhältnis zur Musik an sich hat. 

SAX: Es gibt erstmals eine zweite Bühne, zu finden im Chinesischen Pavillon unweit des Konzertplatz-Areals. 
Christian Friedel: Das wird ein kleines Experiment. Wir hatten überlegt, wie man das Areal noch ein bisschen, erweitern kann. Und da ist der Chinesische Pavillon eine tolle Bühne, um mit Singer/Songwritern und ganz reduziertem Besteck das Festival zu umrahmen und auch zu umarmen. Zwei eher ruhigere Konzerte finden vor dem ersten Haupt-Act statt. Dabei sind Philipp Makolies und Nina Caroline mit Band.

SAX: Ein kurzer Flashback zur Ursuppe. Wie ist das Festival entstanden?
Christian Friedel: Kraftklub hatten ein paar Jahre ihr Kosmonaut Festival. Da haben wir überlegt, ob wir als Woods of Birnam in unserer Stadt eine ähnliche Idee etablieren können – die Menschen zu einem festen Termin im Jahr einladen, bei dem wir bei einem schönen Konzert mit Freunden auftreten. Wir fanden, dass das eine tolle Idee sein könnte. 

SAX: Immerhin findet die Idee bereits zum siebenten Mal den Weg in die Realität.
Christian Friedel: Die Dresdner und Dresdnerinnen lieben Traditionen. Wenn sich etwas etabliert, als gut erweist, dann kommt man immer wieder. Aber man braucht trotzdem einen langen Atem, eine Idee zu etablieren, das ist keine Selbstverständlichkeit. Und Corona hat natürlich auch da noch mal so ein bisschen die Luft rausgenommen, wie bei vielen Dingen. Aber die Idee blieb: mit Freunden einen schönen Nachmittag haben. Ich erinnere mich noch immer gern an das erste Festival – noch ohne Aftershow-Party – mit Kat Frankie, Enno Bunger und Joco. Das hat sich von Anfang an gut angefühlt.

SAX: War die Idee mit dem Bandnamen und der Bühne am Waldrand sofort da oder habt ihr erst mal überlegt, wo man das machen kann? 
Christian Friedel: Klar haben wir überlegt, wo kann man das machen. Die Junge Garde war damals für unsere Verhältnisse noch viel zu groß und dann kam eben diese Konzertmuschel-Idee. Diese Lage direkt an der Heide mit unserem leicht sperrigen Bandnamen zu verbinden, das war einfach wunderbar. 

SAX: Wer noch nie beim Come To The Woods war, kann sich auf arte.tv ein Bild machen, denn Arte Concerts hat das 2025 aufgezeichnet. Wird es diese Übertragung wieder geben?
Christian Friedel: Die werden dieses Jahr leider nicht da sein. Wir hatten in der Corona-Zeit für Arte Concerts ein Konzert gegeben. So kam die Verbindung zustande. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr wieder.

SAX: Ihr habt im Januar im ausverkauften Beatpol das Release-Konzert zum neuen Album »Solaris« gespielt. Wie kuratiert ihr nun aber diese Festival-Show?
Christian Friedel: Die ist ja nicht so lang wie ein normales Konzert, wenn man als Band alleine irgendwo spielt. Die Setliste entsteht in einem Bandprozess – was spielen wir, was lassen wir weg, was nehmen wir rein. Vielleicht auch etwas, das wir längere Zeit nicht gespielt haben. Es ist eine Art Special. In diesem Jahr doppelt es sich ein wenig mit unserer Beatpol-Show, weil wir unser neues Album auch auf dem Festival präsentieren möchten. Vielleicht lassen wir in diesem Jahr den ein oder anderen neuen Song von »Love, Death and Shadows« einfließen, ein Sonettstück, das wir jetzt gerade fürs Staatschauspiel proben. Aber in diesem Jahr steht »Solaris« im Mittelpunkt. 

SAX: Du kennst beide Welten, das Theater und auch die Konzertbühne. Wo liegen für dich die größten Unterschiede?
Christian Friedel: Im Konzert hast du nach jedem Song, der nur drei oder fünf Minuten geht, sofort die Reaktion. Wenn du auf der Bühne stehst, drei, vier Stunden, dann kommt erst am Ende der Applaus und dann entlädt sich die Spannung, ob es heute funktioniert hat oder nicht. Beim Filmemachen vermisse ich das richtig, die direkte Reaktion. Du kriegst es dann eben »nur« vom Team. Im Theater und im Konzert hast du dagegen diese Unmittelbarkeit, die du nicht verändern kannst, die ist einfach da. 
Interview: Uwe Stuhrberg

Come To The Woods 4. Juli, Konzertplatz Weißer Hirsch
Mit Woods of Birnam, Fuffifufzich, Marleen Lohse, Hotel Rimini, Philipp Makolies, Nina Caroline und Alex Stolze
Tickets bei www.saxticket.de
www.woodsofbirnam.com