Besondere vier Tage

Die Herkuleskeule wird 65

Wolfgang und Philipp Schaller (Foto: Robert Jentzsch)

Einen 65. Jahrestag kann ein Vollblutkabarett nur auslassen. Hält sich doch hartnäckig der Gedanke an den Renteneintritt mit 65, herrührend aus antiquierten Work-Life-Balance-Zeiten. Eine Bühne kultivierter Spötter aber altert nie und erlangt folglich auch keinen Rentenstatus. Die 65 feiert die Herkuleskeule am bevorstehenden ersten Maiwochenende trotzdem, und man darf gespannt sein, wie sie sich rechtfertigen werden.

Man darf überhaupt auf besondere vier Tage gespannt sein. Sie könnten auch unter der altvertrauten alternativen Mailosung stehen: Es bleibt alles ganz anders! Man sonnt sich nämlich auch ein bisschen im zeitlosen Glanz. „Ziemlich beste Lieder“ berichtet über den Stand der musikalischen Planerfüllung nach 65 Jahren. Und selbstverständlich gehören sie alle auf die Straße der Besten. Nach der Maidemo geht es Freitag 18 Uhr los, also genau 65 Jahre nach Gründung durch Manfred Schubert am 1. Mai 1961. Da hatte noch niemand die Absicht, eine Mauer zu bauen.

Drei weitere Aufführungen folgen, aber am Sonnabend 2. Mai liegt 18 Uhr auch Musike drin. Zum zweiten Mal duellieren sich Ministerpräsident Michael Kretschmer und die mit dem BSW immer noch verzweifelt um den Bundestagseinzug ringende Sahra Wagenknecht. Die Wetten stehen ziemlich eindeutig, wer als der bessere Stehgreif-Kabarettist abschneidet.

Wie väter- oder versöhnlich ein Gespräch Sonntag 16 Uhr ausfällt, bleibt Spekulationen überlassen. Vater und „Kabarettopa“ Wolfgang Schaller (86!) redet mit seinem Sohn und amtierendem Oberkeulenschwinger Philipp. Also einem, der „kein bekehrender Haltungskabarettist“ sein will. Gast bei Alexander G. Schäfer ist schließlich am Montag der nicht eben humorfreie ehemalige sächsische und Bundesinnenminister Thomas de Maizière.
Michael Bartsch

www.herkuleskeule.de