Es funkt bei den Jazztagen

Sheila E. war am 29. Oktober im Ostra-Dome

Foto: Hans-Joachim Maquet

Schon ihr Vater Pete Escovedo war ein großartiger Schlagzeuger in den Bands von Lionel Richie und Carlos Santana. Seine Tochter Sheila hat er dabei so inspiriert, daß sie bereits mit 3 Jahren mit dem Trommeln begann und mit 5 Jahren die Kongas in der Band ihres Vaters spielte. Kein geringerer als Prince entdeckte sie sowohl für seine Band als auch als seine Partnerin. In den 80ern startete sie dann als Sheila E. ihre Solokarriere. Das gleichnamige Album war bereits 1987 in einem deutschen HiFi-Magazin Platte des Monats. Das Debüt-Album Glamorous Life von 1984 erspielte in den USA eine Goldene Schallplatte, ebenso wie das auch in Deutschland in die Charts geschossene Folgelabum Romance 1600. Eine Krankheit verordnete ihr eine Zwangspause, aber seit 2001 ist die dynamische Musikerin wieder mit Volldampf auf der Bühne, unter anderem beim Jazzfestival im Weißen Haus.

Mit ihrem Auftritt bei den Jazztagen Dresden liefert sie einen weiteren Nachweis dafür, daß die Jazztage Dresden gerne auch die Grenzbereiche des Jazz beleuchten mit den musikalischen Übergängen in benachbarte Genres. Nicht zuletzt aus der Zusammenarbeit mit Prince sind Sheila E.s Darbietungen sowohl von Funk-Disko-Rock geprägt, als auch von charakteristischem Latin-Beat. Derzeit tourt sie mit ihrem Funk-Album „Iconic Message 4 America“ durch die Welt mit deutlichen Botschaften gegen Diskriminierung, Rassismus, Gewalt und Ausgrenzung. Auch in Dresden bat sie die Besucher, sich zu einem ihnen unbekannten Nachbarn umzudrehen und diesen zu umarmen.

Das Auditorium im leider nur zur Hälfte gefüllten Ostra-Dome ließ sich von der dynamischen Performance der Musikerin anstecken. Ohnehin blieb die Hälfte der Zuhörer von Beginn an auf den Beinen, aber je länger das Konzert dauerte, desto mehr Besucher schlossen sich an und tanzten mit. Diese Musik läßt niemanden kalt. Unglaublich, daß diese wie ein Vierzigerin aussehende Künstlerin bereits 62 ist. Das Konzert riß wohl jeden im Saal mit. Entsprechend begeistert war der Jubel. Und er wiederholte sich, als Jazztage Intendant Kilian Forster nach dem Konzert verkünden konnte, er habe gerade mit Sheila E. ausgemacht, daß sie im nächsten Jahr wiederkommt. Eine gute Nachricht auch für alle diejenigen, die an diesem Abend noch nicht den Weg zu Sheila E. gefunden hatten. Es gibt eine zweite Chance.

Die Jazztage Dresden laufen noch bis zum 24. November mit täglich zum Teil mehreren Konzerten. Die Hauptspielstätte ist der neue Ostra-Dome oder bei kleineren Konzerten die im selben Gebäude befindlichen Ostra-Studios in der Nachbarschaft der neuen Messe Dresden. Mirko Meinel ist es in unglaublich kurzer Zeit gelungen, aus Gebäuden, in denen noch im Sommer die Bäume durch die Decke wuchsen eine veritable Heimstatt für Konzert zu zaubern. Neben dem Eingangs- und Verpflegungsbereich besteht die Möglichkeit in der Radiokörner Lounge in bequemen Sesseln über eine HighEnd-Anlage Musik in bester Qualität zu genießen. Dazu vielleicht an einem Probierstand hochprozentige Gin- oder Whisky-Kostbarkeiten oder gute Zigarren zu genießen, um dem Genuß der Ohren noch einen des Gaumens zufügen zu können.
Ra.

Sheila E.
29. Oktober, Ostra-Dome, Jazztage Dresden