Es geht um die Wurst

Sommertheater in der Saloppe auch 2026 mit der Serkowitzer Volksoper

Foto: Robert Jentzsch

Mit einer Verführung frei nach Mozart startet die Serkowitzer Volksoper am 15. Juni in ihre 16. Sommerspielzeit. Das einzige freie Musiktheaterensemble der Stadt hatte im letzten Jahr einen erfolgreichen Staffelstabwechsel vollzogen. Nicht nur formierte sich der im Hintergrund wirkende Verein neu und scharrt sich nun um Robert Jentzsch als Vorsitzenden, den viele in der Dresdner Kulturlandschaft als Pianisten und Fotographen kennen. Auch die Gründungsväter Wolf-Dieter Gööck als Textautor und Regisseur und Milko Kersten als Komponist und musikalischer Leiter legten das Schicksal ihres unkonventionellen Musiktheaters, „das Ernsthaftigkeit, Albernheit und Wortwitz mit ungestümer Musizierkunst verbindet“, in neue Hände.

Mit „Es geht um die Wurst“ stellt Schauspieler Clemens Kersten nun seine zweite Regiearbeit für die Serkowitzer Volksoper vor. Parallel zu seinem Festengagement in Chemnitz läuft der Probenprozess bereits seit März, „ein steter Lernprozess, basierend auf der Professionalität der Mitwirkenden“, so der junge Regisseur beim Pressegespräch. Er sieht seine Hauptaufgabe darin, die Ideen aller und die Fäden des kreativen Inszenierungsprozesses zu verweben. Für das visuelle Erscheinungsbild entschied er sich mit Arina Balas und Joshua Tewes-McCoy für ein Berliner Team als Bühnen- und Kostümbildner:in. Sie werden stilistisch neue Akzente setzen und standen nicht nur wegen der vorgegebenen, beengten Verhältnisse der Zirkuswagenbühne in der Saloppe vor Herausforderungen, sondern insbesondere wegen der schnellen Kostümwechsel bei insgesamt 19 Rollen. Gespielt und gesungen werden diese nur von drei Sängerdarsteller:innen, wobei Dorothe Wagner und Cornelis Uhle als langjährige, virtuose und höchst beliebte Serkowitzer über viel Spielerfahrung in dieser so speziellen Ästhetik verfügen und für alle sängerischen Herausforderungen ihrer Partien gewappnet sind. Neu im Team ist die Sopranistin Fanny Lamers, die ihr Gesangsstudium an der Dresdner Musikhochschule absolvierte und nun in Bremen studiert.

Inhaltlich gibt es einen Rückgriff auf ein bereits existierendes Stück des Autorenteams Gööck / Kersten, dass die Serkowitzer 2015 uraufgeführt hatten. Es hieß damals „Die Entführung auf dem Jahrmarkt“ und verbandelte Goethe und Mozart. Die politisch-deftigen Texte von Wolf-Dieter Gööck haben bis heute nicht an Aktualität eingebüßt und die Verbindung von Mozarts Figuren sowie Musik aus der „Entführung aus dem Serial“ mit Volkes Stimme an der Bratwurstbude verspricht auch in der Neuinszenierung einen spannenden Abend. Sie fügt der turbulenten Handlung noch eine Ebene mit Puppen hinzu, die die Realisierung der Mozart-Oper im sehr heutigen Jahrmarktstrubel mit überschaubaren Personal überhaupt erst möglich macht.

Das gemeinsame, lustvolle Arbeiten leitet in diesem Jahr musikalisch Michael Schütze, der schon seit sechs Spielzeiten als Musiker wie als Dirigent dabei ist. „Ich liebe Eure Verrücktheit!“ bekennt er als Professor der Kirchenmusikschule und eher klassisch geprägter Musiker und - dass die Hierarchien flach sind. Das ermöglicht schnelles und effektives Arbeiten aller Bereiche. Neben dem Darstellerensemble wurde auch die Begleitband Musi nad Labem für die Neuinszenierung etwas geschrumpft. Außer Michael Schütze spielen Karina Müller und Daniel Rothe, wobei an der musikalischen Dichte keine Abstriche zu erwarten sind. Neben ihren Stamminstrumenten bewältigen sie mehr als ein Dutzend anderer Instrumente, von der Blasharmonika, über exotisches Schlagwerk bis zur Triangel. Milko Kersten hat seine Partitur etwas überarbeitet, den traditionellen Jahrmarktssound zurückgenommen und mehr in westliche Mainstreamgenres gehört. So wird auch ein Song von Frank Sinatra in den verschiedenen Rahmenhandlungen auftauchen. Sie fordern durch schnelle Szenenwechsel die Aufmerksamkeit des Publikums und befördern durch die zu Wort kommenden, gesellschaftlichen Typen den Spaß (mit durchaus ernstem Hintergrund.) Sind Mozart und seine geniale Musik dabei genug respektiert? „Auf jeden Fall durch die sängerischen Leistungen der Darstellerinnen“ so Michael Schütze, da sie die musikalisch herausfordernden Mozart-Arien stil- und tongerecht zu singen vermögen.

Das notwendige organisatorische und vertragliche Drumherum für einen stimmigen Musiktheaterabend gewährleistet der Verein Serkowitzer Volksoper e.V., der in diesem Jahr eine sehr erfolgreich finanzielle Unterstützung von der Kulturstiftung Sachsen und dem Kulturamt Dresden verzeichnen kann. Das geplante Produktionsvolumen von 75.000 Euro liegt im üblichen Rahmen, neben den 30.000,- festen Fördergeldern kommen die Eintrittseinnahmen und Sponsoring Gelder dazu, wobei die Ostsächsische Sparkasse Dresden ein besonders verlässlicher Partner ist. Die schwarze Null ist nach 12 Vorstellungen auch in der Saison 2026 nur durch regen Publikumsbesuch zu schaffen. Jeweils 152 Zuschauer:innen bietet der so besondere open-air-Veranstaltungsplatz in der Saloppe bei jedem Wind und Wetter Platz. Die Ticketpreise von 14 Euro bis 37 Euro sind die alten, im Vorverkauf kann gespart werden. Der Vorverkauf für eine erfolgreiche Saison ist gestartet!
Isolde Matkey

Serkwoitzer Volksoper: Es geht um die Wurst Eine Verführung frei nach Mozart. Serkowitzer Volksoper in der Saloppe Dresden
Musikalische Leitung: Michael Schütze, Regie: Clemens Kersten
Premiere: 15. Juni 2026. Nächste Vorstellungen: 29. Juni 2026, 10., 17., 23., 24., 31. August 2026, 7., 9., 14.,16. September 2026.
Tickets : www.saxticket.de
www.serkowitzer-volksoper.de